merken

Neue Tagespflege öffnet am Freitag

Ein Haus in der Pomologischen Gartenstraße hat sich vollkommen verwandelt. Die Stadt erlaubt sogar bodentiefe Fenster – aus besonderem Grund.

Von Ingo Kramer

Hier shoppt Riesa

Genießen Sie das Einkaufsvergnügen der besonderen Art in über 30 Shops.

Das Wort Tagespflege gefällt Heidrun Böttcher überhaupt nicht. „Bei dem, was wir in unseren neuen Räumen anbieten“, sagt die Geschäftsführerin der Volkssolidarität Görlitz/Zittau, „soll die Pflege ja überhaupt nicht im Mittelpunkt stehen.“ Stattdessen geht es um Betreuung, darum, dass alte Menschen nicht den ganzen Tag allein in ihrer Wohnung sitzen, sondern dass sie tagsüber rauskommen, am Leben teilhaben, sich mit anderen unterhalten können – und am Nachmittag wieder in ihr vertrautes Zuhause zurückkehren.

Bodentiefe Fenster heben die Pomologische Gartenstraße 7 von den Nachbarhäusern ab (rechts). Noch 2012 galt die Fassade als einsturzgefährdet.Fotos: Rajko Schubert, P. Sosnowski © Pawel Sosnowski/80studio.net
Pflegedienstleiterin Claudia Grund (links) und Heidrun Böttcher, Geschäftsführerin der Volkssolidarität Görlitz/Zittau, stehen im Begegnungsraum der neuen Tagespflege der Volkssolidarität in der Pomologischen Gartenstraße 7. Foto: Pawel Sosnowski © Pawel Sosnowski/80studio.net

Platz für zehn bis zwölf ältere Leute bietet das neue Angebot der Volkssolidarität in der Pomologischen Gartenstraße 7. Es ergänzt den Komplex auf der anderen Straßenseite. Dort betreibt die Volkssolidarität eine Seniorenwohnanlage mit 79 Wohnungen, eine Kurzzeitpflege mit 14 Plätzen und eine Wohngemeinschaft für acht Menschen mit Demenz. „Eine Tagespflege als neues Angebot wollten wir schon lange, aber es sollte nicht irgendwo sein, sondern direkt hier im Umfeld“, sagt die Chefin.

Die Chance eröffnete sich, als die BBBC Real Estate GmbH & Co. KG mit Sitz am Görlitzer Klosterplatz im Jahr 2012 das unsanierte, leer stehende Haus Nummer 7 kaufte. Das sah beim Kauf gar nicht so ruinös aus, sagt Rajko Schubert, geschäftsführender Gesellschafter der Firma: „Dann stellte sich aber heraus, dass es im Keller einen größeren Wasserschaden gab und die Fassade deshalb einsturzgefährdet ist.“ So musste der neue Besitzer schnell handeln – und begann im Oktober 2013 mit der Sanierung. Seine Idee war ein Mehrgenerationenhaus. Da kam ihm die Volkssolidarität gerade Recht. Sie hat den gesamten ersten Stock mit 135 Quadratmetern Fläche gemietet. Im Rest des Hauses sind sechs „normale“ Wohnungen entstanden. Fünf sind inzwischen vermietet – allesamt an Leute zwischen 25 und 50 Jahren. Nur die 85 Quadratmeter große Dreiraum-Wohnung im Parterre mit Terrasse zum Hof ist noch frei.

Die Firma investierte 800 000 Euro in das Haus und setzte dabei auf eine energetische Sanierung, dämmte beide Fassaden, baute eine Solarthermie-Anlage auf das Dach – und dreifach verglaste, bodentiefe Fenster in die Fassade. Die wollte die Stadt ursprünglich nicht unbedingt genehmigen, erinnert sich Schubert. Doch er hatte ein besonderes Argument: Nicht nur die Tagespflege, sondern alle Etagen sind per Aufzug erreichbar, schwellenfrei gebaut – und somit rollstuhlgerecht. „Doch wie sollen Rollstuhlfahrer aus einem normalen Fenster rausgucken“, sagt Schubert. Dieses Argument zog bei der Stadt. Jetzt hebt sich die Fassade von den Nachbarhäusern ab.

Das Haus ist kein eingetragenes Kulturdenkmal und unterliegt damit nicht den engeren Bestimmungen für den Denkmalschutz, bestätigt Hartmut Wilke vom Amt für Stadtentwicklung. Trotz der bodentiefen Fenster bleibe das Gebäude insgesamt mit seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten: „Damit wird der Umgebungsschutz gewährleistet.“ Immerhin gibt es im Umfeld einige Denkmale. „Bodentiefe Fenster sind ein Zeichen zeitgemäßer Ansprüche an das Wohnen“, findet auch Wilke.

Die Volkssolidarität freut sich darüber. Sie hat neben Pflegedienstleiterin Claudia Grund noch zwei weitere Mitarbeiter für die Tagespflege neu eingestellt. Ergänzt wird das Team von einer Kollegin, die schon bei der Volkssolidarität beschäftigt war. Die neuen Räume sind jetzt komplett eingerichtet. Die älteren Leute können hier reden, basteln, essen, die Zeitung lesen, fernsehen und sogar in der Küche mithelfen. Neben dem großen, hellen Begegnungsraum gibt es einen Ruheraum mit acht gemütlichen Sesseln, die sich so verstellen lassen, dass sie auch als Liege nutzbar sind. Wer will, kann in einem Nebenraum in einer Kippbadewanne, die einen einfachen Einstieg hat, gebadet werden.

„Alles ist fix und fertig, ab nächste Woche wollen wir öffnen“, sagt Claudia Grund. Und zwar immer von Montag bis Freitag, 8 bis 16 Uhr. Wer will, kann aber auch nur einen Tag pro Woche kommen oder nur stundenweise. Die Kosten werden immer im Einzelfall festgelegt. Das ist von der Pflegestufe und vielen anderen Faktoren abhängig. Diese Woche Freitag, von 10 bis 16 Uhr, lädt die Tagespflege erst einmal zum Tag der offenen Tür ein. Alle Räume können besichtigt und alle Fragen gestellt werden, dazu gibt es Kaffee und Kuchen.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.