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Neue Trachten zur Vogelhochzeit

Schneiderin Petra Kupke hat für die Witaj-Kita in Malschwitz mehrere Teile genäht. Trotz ihrer Erfahrung war das für sie Neuland.

© Carmen Schumann

Kerstin Fiedler

Malschwitz. Helena ist vier. Sie besucht den Witaj-Kindergarten in Malschwitz. Und sie kennt sich schon gut aus mit der sorbischen Tracht, auch wenn sie beim Anprobieren noch etwas ehrfürchtig wirkt. Immerhin trägt sie eine der neuen Trachten, die Schneidermeisterin Petra Kupke aus Räckelwitz für die sorbische Kindertagesstätte angefertigt hat. Neun Trachten sind es insgesamt. Für Tänzerinnen und Gäste zur Vogelhochzeit, die auch in diesem Jahr von der Kita gefeiert wird. Und auch der Braška, der Hochzeitsbitter, bekam einen neuen Gehrock geschneidert.

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Kita-Leiterin Barbara Krahl und Petra Kupke freuen sich, dass die Trachten so gut gelungen sind. Die beiden Frauen kennen sich schon lange, haben als Kinder gemeinsam in Räckelwitz gespielt. Petra Kupke arbeitete dann zu DDR-Zeiten im Bekleidungswerk in Kamenz, Barbara Krahl wurde Erzieherin. Nun hat sie der Auftrag zusammengeführt.

Trachten haben gelitten

Trachten zur Vogelhochzeit gibt es in der vom sorbischen Schulverein geführten Kita in Malschwitz seit 2003. Aber nach über zehn Jahren ist doch der eine oder andere Mangel zu erkennen. „Außerdem werden die Kinder immer größer“, sagt Barbara Krahl. Für die Hortkinder hätte sie in diesem Jahr gar nichts Passendes mehr gehabt. Zum Glück hat die Stiftung für das sorbische Volk 70 Prozent der Kosten für die Trachten übernommen. Immerhin liegen die bei 4 000 Euro.

Für Petra Kupke hat dieser Auftrag etwas Neues gebracht. Sie schneidert zwar schon seit 1995 Trachten, aber eben nur die sorbisch-katholischen im Gebiet rund um Räckelwitz. In Malschwitz ist dies aber die sorbisch-evangelische Tracht. Also nahm sie sich über Weihnachten die Bücher, die sie von Barbara Krahl bekommen hat, borgte sich eine der schon vorhandenen Trachten und begann, am Entwurf zu arbeiten. „Dabei muss alles akribisch stimmen“, sagt die 48-Jährige, die bereits in der fünften Klasse wusste, dass sie Schneiderin werden wollte. „Mein Hobby wurde zum Traumberuf“, sagt die sympathische Frau. Und sie achtet genau darauf, dass alles nach Vorschrift entsteht. Für ein Schultertuch der evangelischen Tracht braucht sie fast zwei Stunden, um die Fransen zu knüpfen. So ein Tuch kostet 140 Euro. „Bei der katholischen Tracht wird dagegen viel mit Spitze gearbeitet“, sagt Petra Kupke, deren 86-jährige Mutter als eine der letzten Frauen im Dorf die Tracht noch täglich trägt.

Mit versteckten Tricks

Momentan ist die Hauptauftragszeit für die Trachtenschneiderin. Von Vogelhochzeit über Ostern, Erstkommunion, Firmung bis Fronleichnam wird Kleidung gebraucht. Dabei wendet Petra Kupke auch Tricks an, wodurch die Sachen „mitwachsen“ können. Wer mit sechs Jahren das erste Kleid bekommt, kann es etwa bis zur fünften Klasse tragen“, sagt sie. Doch Petra Kupke entwirft auch maßgeschneiderte Kleidung. „Die ist oft gar nicht teurer, als wenn man im Geschäft einkauft“, sagt sie.

In Malschwitz sind die Kinder nun schon aufgeregt. Bei der Anprobe braucht man viel Zeit, denn manches muss festgesteckt werden. Außerdem werden schon seit Wochen die Lieder für den Auftritt am Sonntag geprobt. In der Sporthalle Kleinbautzen hoffen alle auf viel Besuch.

Vogelhochzeit am Sonntag, 15 Uhr, Sporthalle Kleinbautzen mit Kaffee und Kuchen, Eintritt frei.

www.trachtenpuppen-kupke.de