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Neue Unterkünfte für Flüchtlinge

Die Wohnungsgenossenschaft ist das erste Unternehmen in Hartha, das sich offen zur Aufnahme von Asylsuchenden äußert.

© André Braun

Von Sylvia Mende

Hartha. Heute werden die Mieter der Wohnungsgenossenschaft Hartha (WGH) informiert, in deren unmittelbarer Nähe Wohnungen für Asylsuchende bereitgestellt werden. Das teilte Jörg Keim, Vorstand der WGH, auf Anfrage des DA mit. Die Betroffenen erhielten bereits eine schriftliche Information, in der es um bevorstehende Veränderungen ging. Es wurden allerdings noch nicht die Wohnungen benannt, die es betrifft. Nun soll offen darüber gesprochen werden.

Schritt für Schritt
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Zunächst stellt die Wohnungsgenossenschaft vier Wohnungen zur Unterbringung von Asylsuchenden zur Verfügung. Diese befinden sich in den Wohnblöcken an der Straße der Jugend 9 bis 17 und an der Straße des Friedens 28 bis 34. Dabei handelt es sich um drei Vier-Raum-Wohnungen und eine größere Zwei-Raum-Wohnung. Die Firma GSQ hat sich die Unterkünfte bereits angesehen. GSQ ist die Gesellschaft für Strukturentwicklung und Qualifizierung Freiberg mbH. Als Tochtergesellschaft des Landkreises Mittelsachsen ist sie für die Unterbringung und Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen zuständig. Sie ist auch diejenige, die die Wohnungen mit dem Notwendigsten ausstattet.

Unterkunft für 132 Asylsuchende

Die Stadt Hartha soll laut einem Schlüssel des Landratsamtes Mittelsachsen bis Ende März 132 Asylsuchende und Flüchtlinge aufnehmen (DA berichtete). „Es gab eine Beratung beim Bürgermeister, zu der Marcus Prüfer als Geschäftsführer der Wohnbau Hartha und ich als Vertreter der WGH zusammengekommen sind“, so Jörg Keim.

Danach haben die Verantwortlichen der Genossenschaft geschaut, wo Wohnungen schnell und ohne großen Aufwand zur Verfügung gestellt werden können. Die GSQ habe sich die Wohnungen bereits angesehen. Zwei, die sich im Block an der Straße des Friedens befinden, wurden vorgerichtet. „Wir haben viele leer stehende Wohnungen. Warum sollten wir einige davon nicht zur Unterbringung von Asylsuchenden nutzen. Die Leute müssen in Anbetracht des nahenden Winters aus den Zeltstädten heraus“, so Jörg Keim. Die vier genannten Wohnungen werden die Ersten sein, in denen Asylsuchende in Hartha unterkommen.

„Wir haben noch weitere Wohnungen angeboten. Dabei achten wir darauf, dass nicht alle an einem Standort sind, sondern auf den gesamten Wohnungsbestand der WGH verteilt werden“, sagte der Vorstand.

Zur Versammlung können die Mieter ihre Fragen stellen, Bedenken und Ängste äußern. „Sicher kann ich nicht alles beantworten oder versprechen, dass es keine Probleme gibt. Aber ich möchte offen mit der Sache umgehen. Vielleicht gibt es ja auch Mieter, die sich bereiterklären, die Asylsuchenden zu unterstützen. Wir müssen das Problem in die Hand nehmen und nach Lösungen suchen“, so Jörg Keim. Die GSQ wird nur Flüchtlinge, die Aussicht auf ein Asylverfahren und damit auf ein Bleiberecht haben, in den dezentral liegenden Wohnungen unterbringen. Sie sind ärztlich untersucht und registriert.

„Auch wir sind in Vorbereitung für die Unterbringung von Asylsuchenden und haben einige Vorleistungen erbracht. Das heißt, wir haben einige Wohnungen ausgewählt, die dafür infrage kommen“, so Marcus Prüfer, Geschäftsführer der Wohnbau Hartha. Es stehe noch nichts fest, da sich die GSQ die Wohnungen erst anschauen müsse. Vier Wohnungen sollen erst einmal zur Verfügung gestellt werden. Weitere sind in der engeren Auswahl. „Es sind noch einige Termine und Informationen notwendig, bevor wir konkret sagen können, um welche Wohnungen es sich handelt“, so Prüfer. Er versicherte, dass die Mieter der Häuser informiert werden, sobald feststehe, wo die Asylsuchenden untergebracht werden.

Schweigen im Rathaus

Pfarrerin Maria Beyer bestätigte, dass ein Koordinierungskreis zur Integration und Unterstützung der Asylsuchenden, wie es ihn in Waldheim gibt, auch in Hartha gebildet werden soll. Allerdings müsse damit voraussichtlich bis nach den Ferien gewartet werden, da einige Entscheidungsträger die Ferien nutzen, um Urlaub zu machen. Sie und Pfarrerin Susanne Willig haben sich bereits in den „bunten Häusern“ von Waldheim umgesehen. Dort sind seit dem Frühjahr Menschen verschiedener Nationalitäten untergebracht, ohne dass es Probleme gibt. „Wichtig ist der persönliche Kontakt, und dass den Leuten Beschäftigung wie Sport, Handarbeiten oder ein Arbeitseinsatz angeboten werden. Ich habe bemerkt, dass die Leute sehr wissbegierig sind und gern die deutsche Sprache lernen wollen. Vielleicht können wir da helfen“, so Maria Beyer. Im Vorfeld zu planen, sei schwierig, da keiner wisse, welche Personen in Hartha untergebracht werden.

Noch am Dienstag vergangener Woche informierte Bürgermeister Ronald Kunze, dass „man im Gespräch mit den Vermietern ist, aber es noch keine konkreten Ergebnisse gibt, die nach außen getragen werden können“. Nicht einmal die Stadträte wurden informiert, wo die Asylsuchenden untergebracht werden, obwohl bereits in den vergangenen Tagen einige Wohnungen dafür vorgerichtet wurden.