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Neue Unterkunft für Asylbewerber

Döbeln schafft Platz für knapp 50 Ausländer. Der Landkreis ist weiter auf der Suche nach Unterkünften.

Von Maria Lotze

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Frühestens Ende Februar werden die ersten Asylbewerber ihre neuen Wohnungen an der Friedrichstraße 9 in Döbeln beziehen. Die befinden sich nur wenige Meter entfernt von der bisher einzigen Gemeinschaftsunterkunft in der Muldestadt. Wie Jörg Höllmüller vom Landratsamt Mittelsachsen gestern mitteilte, stehen Betreiber und Eigentümer des Hauses unmittelbar vor der Vertragsunterzeichnung. Die Human Care GmbH, die das bestehende Heim betreibt, kümmere sich auch um die neuen Wohnungen, so der Leiter des Geschäftsbereichs Verwaltung, Finanzen und Ordnung im Landratsamt. Sind die Verträge unterschrieben, müssen die Wohnungen nur noch her- und eingerichtet werden.

In dem Gebäude wird nach Angaben von Höllmüller Platz für bis zu 50 Personen sein, die in separaten Wohnungen leben werden. Geplant ist, dass zunächst Asylbewerber aus dem naheliegenden Heim in das Haus wechseln. Vorgesehen sind die Unterkünfte vor allem für Familien. „Die soziale Betreuung findet über die Gemeinschaftsunterkunft statt“, so Jörg Höllmüller. Bei der Herrichtung des Hauses können die Ausländer sich gegebenenfalls mit nützlich machen. Damit habe man in Freiberg und Brand-Erbisdorf – in beiden Orten haben Ende des vergangenen Jahres neue Unterkünfte für Asylbewerber geöffnet – gute Erfahrungen gemacht.

Die Stadt Döbeln sieht sich gerüstet für die Aufnahme von weiteren Asylbewerbern. „Das Umfeld hier ist ein anderes als in einem kleinen Ort, wo kaum ein Bus fährt. Die Asylbewerber können ins Stadtbad, ins Kino oder in die Innenstadt gehen“, so Hans-Joachim Egerer (CDU), Oberbürgermeister der Muldestadt. Zurzeit leben 21 845 Einwohner in Döbeln, der Ausländeranteil liege bei zwei Prozent. „Das ist marginal“, kommentierte Egerer. Unter den 631 Ausländern in der Stadt seien knapp 200 Asylbewerber. Die Integration sei bisher friedlich verlaufen, sagt Cornelia Kluge, Pressesprecherin und ehemalige Ausländerbeauftragte des Alt-Kreises. Unter den Nachbarn ist die neue Unterkunft allerdings umstritten. Eine Seniorin habe keine Probleme damit, ein junger Mann dagegen hat Bedenken. Er befürchtet, dass die Ausländer ihm die Arbeit wegnehmen.

Ob für die Kinder der Asylbewerber ausreichend Plätze in den städtischen Einrichtungen zu finden sei, kann Egerer derzeit nicht beantworten. „Das müssen wir sehen. Bisher hat es immer geklappt.“ Für die Kinder der Asylbewerber gelte die gleiche Frist für die Anmeldung in der Kita, wie für die Döbelner Kinder auch, ein halbes Jahr vor Eintritt. Potenzial hat die Stadt auch noch bei der Bildung einer zweiten Klasse Deutsch als Zweitsprache. Bisher werden die jüngeren Schüler an der Kunzemannschule unterrichtet, die älteren lernen an der Oberschule in Waldheim. Doch die Kapazitäten an der Döbelner Grundschule sind begrenzt. Eine zweite wäre nach Angaben von Egerer in der Lage, eine weitere Deutsch-Klasse aufzumachen. „Aber viele Asylbewerber wollen dort freiwillig nicht hin“, ergänzt das Stadtoberhaupt.

In einer ersten Gesprächsrunde hat die Stadtverwaltung gestern mit verschiedenen Akteuren darüber beraten, wie eine „Willkommenskultur“, so Egerer, für die Asylbewerber aufgebaut werden könne. Mit am Tisch saßen neben Vertretern aus der Stadtverwaltung und dem Landratsamt, Pfarrer Stephan Siegmund von der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Döbeln, Kreis- und Stadtrat Lothar Schmidt (Die Linke) sowie ein Vertreter der Polizei. „Man muss mit den Leuten ins Gespräch kommen, sonst fühlen sie sich überrumpelt“, meinte Schmidt im Anschluss. Siegmund unterstützt bereits jetzt einige Asylbewerber mit Beratungen. Entstanden ist der Kontakt zu den Ausländern über deren Besuche in den Gottesdiensten. Ende Februar/Anfang März werde es nach Abstimmung mit dem Landratsamt eine weitere, größere Gesprächsrunde geben, bei der auch engagierte Bürger und Vereine mitreden dürfen, so Egerer.

Mit der neuen Unterkunft in Döbeln ist der Bedarf an Wohnungen für Asylbewerber im Landkreis noch lange nicht gedeckt. Laut Jörg Höllmüller ist der Landkreis weiter im Gespräch mit Städten und Gemeinden, aber auch mit Wohnungsgesellschaften und privaten Vermietern. „Es sind einige Wohnungen da, die nutzbar wären. Es gibt Pläne, aber wir wissen nicht, ob sie umsetzbar sind“, so Höllmüller. Wie viele Asylbewerber 2015 dem Landkreis zugewiesen werden, kann der 54-Jährige nicht sagen. 2014 waren es um die 800

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