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Neuer Vorschlag für Plossenumleitung

Eine Straße übers Feld bei Lercha soll den Verkehr besser führen und ein neues Wohngebiet erschließen.

Von Peter Anderson
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Wie soll der Verkehr fließen, wenn der Plossenaufstieg gesperrt wird? Am Mittwoch, 17 Uhr, stehen im Rathaus verschiedene Ideen zur Debatte.
Wie soll der Verkehr fließen, wenn der Plossenaufstieg gesperrt wird? Am Mittwoch, 17 Uhr, stehen im Rathaus verschiedene Ideen zur Debatte. © Claudia Hübschmann

Meißen. Kurz vor der Diskussion zum Plossenausbau am Mittwoch, ab 17 Uhr, im Ratssaal läuft sich Meißens Politik schon einmal warm. Der CDU-Stadtverband geht mit einer weiteren Idee an die Öffentlichkeit, wie eine Umleitung vom Plossen in Richtung Triebischtal aussehen könnte.

Was ist neu an der jetzt vorgelegten Variante?

Die in Grundzügen von Ex-CDU-Stadtrat Jörg Schlechte erarbeitete Strecke soll nicht nur während der Bauzeit den Plossen mit dem Triebischtal verbinden, sondern gleichzeitig helfen, Ackerflächen nördlich und östlich von Lercha als Wohngebiet zu erschließen. 

Pläne zu einem solchen Vorhaben hat es nach Auskunft des Christdemokraten bereits in den 1990er Jahren gegeben. Allerdings sei Meißen damals nicht schnell genug gewesen, um vom Bauboom der frühen Nachwendejahre zu profitieren. 

„Jetzt könnten wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und unter der Straße gleich die Medien für das neue Wohngebiet verlegen“, sagt Schlechte. Letztlich sei es auch nachhaltiger und umweltfreundlicher, die einmal gebaut Trasse zu erhalten, als sie nach dem Plossenausbau kostspielig abzureißen und zu entsorgen.

Wie genau soll die Trasse über den Hang verlaufen?

Der erste Teil der Umleitung würde über die Querallee führen, um etwa auf halber Strecke zwischen Wilsdruffer Straße und Lercha nach Nordwesten über das dortige Feld abzubiegen.

 Anschließend würde sie in den Lerchaweg einmünden und diesem als Ausbaustrecke folgend den Verkehr in Richtung Hirschbergstraße leiten. Problematisch an dem Verlauf sind die aktuell durch Gärten versperrte Mündungssituation nördlich des Feldes auf den Lerchaweg sowie die zu entschärfende Kurve am Nicolaifriedhof.

Welche Vorteile sind mit dieser Idee verbunden?

In Gesprächen mit den Einwohnern in Lercha habe sich klar ergeben, dass diese keine Umleitung über die Dreilindenstraße wünschen, heißt es in der Begründung des CDU-Stadtverbandes. 

Dies würde für den dörflichen Ortsteil deutlich mehr Verkehr bedeuten. Parkplätze müssten in benachbarten Gärten gefunden werden. Hinzu kommt: Die Strecke würde direkt an einem Spielplatz vorbeiführen, der bereits jetzt durch Raser gefährlich sei.

Lkw könnten diesen Weg zudem nicht nutzen, da die Eisenbahnbrücken entlang der Triebisch nur eine Durchfahrtshöhe von 3,10 Meter beziehungsweise 3,50 Meter aufweisen. 

Zusätzlich schlagen die Christdemokraten eine Tonnagebegrenzung auf 3,5 Tonnen vor. In Ausnahmesituationen wie Hochwasser oder Unfällen am Plossenaufstieg erhielten sowohl die Meißner als auch Rettungs- und Einsatzkräfte eine zusätzliche Anfahrtmöglichkeit.

© SZ Grafik/Romy Thiel

Welche konkurrierenden Umleitungsvarianten liegen vor?

Mindestens drei weitere Möglichkeiten haben die Planer derzeit im Blick. So wäre es gleichfalls möglich, den Verkehr über die zuvor ertüchtigte Dreilindenstraße in Richtung Lerchaweg zu leiten. Auch neue Trassen links und rechts der vom CDU-Stadtverband ins Spiel gebrachten neuen Straße sind wohl im Gespräch.

Reicht die Durchlässigkeit der neuen Strecke für den vielen Verkehr aus?

Es dürfte kaum möglich sein, eine der kleinen Hangstraßen zwischen Plossen und Triebischtal so auszubauen, dass sie während der sich über rund zwei Jahre erstreckenden Bauzeit der Staatsstraße S 177 den gesamten Verkehr des wichtigen Autobahnzubringers aufnehmen kann.

Dies wäre letztlich auch nicht fair gegenüber den Anwohnern, welche diese Last dann allein zu tragen hätten. Ex-Stadtrat Jörg Schlechte spricht sich deshalb dafür aus, den Pkw-Verkehr auf die von ihm eingeforderte Umleitungsstrecke, den Lerchaweg sowie den Goldgrund aufzufächern. Die schmale Gasse hatte erst kürzlich zeitweise diese Aufgabe übernehmen müssen.

Würde mit der neuen Idee der Ausbau in Siebeneichen entfallen?

Den Umleitungsstrecken auf der westlichen und östlichen Seite des Plossens fallen unterschiedliche Aufgaben zu. Während der Individualverkehr über mehrere ausgebaute Verbindungen in Richtung Triebischtal fließen soll, ist der Weg über den Siebeneichener Schlossberg den aktuellen Plänen zufolge den Linienbussen, Rettungskräften sowie der Müllabfuhr vorbehalten.

Dazu soll die Schotterstrecke auf einer Breite von 3,50 Metern so befestigt werden, dass sie auch bei Starkregen stabil befahrbar bleibt. Nach dem Plossenbau wird angestrebt, die Tangente in dieser Form zu erhalten – allerdings durch Poller gesperrt.

Auf diese Weise lasse sich ein Zugang zu den Grundstücken an der Siebeneichener Straße garantieren, wenn bei einem erneuten Jahrhunderthochwasser die B 6 in beide Richtungen unterbrochen sein sollte.

Welche Position vertritt die Opposition in der Umleitungsfrage?

Von den Fraktionen der Linkspartei sowie der Fraktion Bürger für Meißen/SPD wurde wiederholt der geplante umfassende Ausbau des Plossens kritisiert. Dieser sei nicht nötig, da mit der B 101 eine funktionierende Ortsumfahrung für den Schwerlastverkehr vorliege.

Durch den Ausbau würden noch mehr Lkw den Weg durch die Innenstadt suchen, so die Argumente. Im Gegensatz zu den Plänen des Landesstraßenbauamtes und der Stadtverwaltung sprechen sich die Vertreter der Bürgerinitiative, der Linkspartei und SPD dafür aus, den Plossenaufstieg während der Bauphase nicht komplett zu sperren.

Stattdessen sollte der Verkehr mithilfe einer Ampel auf einer Spur an der Baustelle vorbeigeleitet werden, so wie bei anderen Bergstraßen üblich.

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