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Corona: Suchtberatung bald über Skype?

Seit 2012 leitet Martin Creutz das Team der Suchtberatung der Diakonie. Sächsische.de sprach mit ihm über die aktuelle Lage.

Martin Creutz ist auch in der Corona-Krise für Menschen mit Suchtproblemen ansprechbar.
Martin Creutz ist auch in der Corona-Krise für Menschen mit Suchtproblemen ansprechbar. © André Braun (Archiv)

Herr Creutz, in der gegenwärtigen Situation sollen die Menschen möglichst zuhause bleiben. Was bedeutet das für Sie und Ihre Klienten?

Menschen mit Suchtproblemen sind von den Ausgangs- und Kontaktverboten genauso betroffen. Die Suchtberatungsstelle ist besetzt und kann telefonisch genutzt werden. Allerdings ist für mich als erfahrener Sozialtherapeut und Sozialpädagoge die Situation auch eine andere als bei der persönlichen Beratung. Doch darauf können wir uns einstellen. Anfragen an uns können außerdem via E-Mail oder über das Beratungsportal gestellt werden. Sie werden schnell bearbeitet. Das Online-Portal ist nicht nur kostenfrei, wie alle Beratungsangebote der Diakonie. Es kann auch anonym kontaktiert werden.

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Verzeichnen Sie bereits eine höhere Nachfrage nach professioneller Beratung?

Eine erhöhte Nachfrage haben wir derzeit noch nicht. Eine vermehrte Nachfrage erscheint mir aber wahrscheinlich, da die Situation betroffene wie auch nichtbetroffene Menschen belastet. Wer schon bis jetzt einen ausgeglichenen, vielseitigen Lebensalltag hatte, wird diese schwierige Situation bewältigen können.

Selbsthilfegruppen können sich nicht treffen, wie ist jetzt Hilfe für Abhängige möglich?

Die Selbsthilfegruppe in Döbeln hat eine WhatsApp-Gruppe, die sie schon vor der Krise gut genutzt hat. Der Dachverband der „Freundeskreise“ verfügt über einen Chat, der rege genutzt wird.

Gibt es auch Online-Angebote etwa via Skype?

Dazu gibt es schon Überlegungen, der Datenschutz ist dabei eine Herausforderung.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Wie viele Suchtkranke mit welcher Abhängigkeit haben Sie im letzten Jahr beraten?

Im Jahr 2019 haben wir 394 Menschen mit Suchtproblemen beraten. Darunter waren 184 Menschen mit Alkoholproblemen und 138 mit Drogenproblemen, davon 86 Crystal- und 41 Cannabiskonsumenten sowie 35 Angehörige.

Wie hoch ist Ihrer Meinung nach die Dunkelziffer?

Die Dunkelziffer ist sicherlich erheblich höher. Schätzungen besagen, dass etwa fünf Prozent der Gesamtbevölkerung von einer Sucht betroffen sind.

Welche Bevölkerungsgruppen sind besonders gefährdet?

In allen Bevölkerungsgruppen tritt Sucht auf. Nicht jeder von Sucht Betroffene ist auch sichtbar.

Gibt es Ihrerseits auch Hilfen für Angehörige oder Personen, die beruflich mit Suchtkranken zu tun haben?

Ja, für Angehörige haben wir ein Gruppenangebot, welches gut wahrgenommen wird. Wir hatten auch schon Unternehmer hier, die ihre Mitarbeiter zu uns begleitet haben. Hier ist es wichtig, das Wissen über Sucht und Hilfsangebote zu den Chefs zu bringen.

Die Suchtberatungsstelle muss finanziert werden. Sind Sie auch auf Spenden angewiesen?

Das Beratungsangebot wird über den Landkreis und den Freistaat finanziert. Mit Spenden können wir flexibel auf besondere Situationen reagieren. In der Prävention können dadurch kurzfristige Angebote und Ideen umgesetzt werden. Dieses Jahr unterstützt uns zum Beispiel die Brambor Pflegedienstleistungen GmbH mit 500 Euro. Im letzten Jahr half uns Dirk Morgenstern von der Mildensteiner Baugilde mit 1.000 Euro, auch der Rotary-Club half schon. Für solche Spenden sind wir sehr dankbar.

  • Kontakt zur Suchtberatungsstelle der Diakonie Döbeln per Mail an [email protected] oder Telefon 03431 712624, Online-Portal: www.evangelische-beratung.info

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