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Neue Wohnungen für Demitz

Thomas Jentsch kaufte im Dorf ein über 100 Jahre altes Haus. Das baut er jetzt zum Vermieten aus. Interessenten gibt es genug.

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© Regina Berger

Von Carolin Menz

Gute Nerven braucht es, ein Haus umzubauen. Vor allem, wenn darin so gut wie nichts mehr zu gebrauchen ist, sich jederzeit irgendwo eine neue Baustelle auftun könnte und der Muff der 1960er Jahre durch die Räume zieht. Thomas Jentsch war mutig, als er dieses Vorhaben anpackte, das ihn in jeder Minute auf Trab hält: Der Demitzer saniert sechs Wohnungen im Haus an der Hauptstraße 38 in Demitz – und zwar grundlegend. „Es wird alles komplett neu“, sagt der Bauherr, der im Erdgeschoss des Hauses seinen kleinen Granitladen betreibt.

Die Gemeinde war erleichtert, als er das halb verfallene Haus 2012 aus kommunaler Hand kaufte. Demitz hätte das Geld niemals aufbringen können, das Thomas Jentsch jetzt investiert. Eine sechsstellige Summe ist es, die er in den Ausbau der Wohnungen steckt, bevor erste Miteinnahmen fließen. Auch deshalb ist er mutig.

Doch ihm blieb nichts anderes übrig als eine Komplettsanierung. Der Zustand der sechs vorhandenen Wohnungen war miserabel: Alte Tapeten an den Wänden, kaputte Fenster, marode Elektroleitungen, zerschlissene Fußböden, alte Sanitärtechnik. Geheizt wurde mit Öfen. Duschwasser wurde über veraltete Boiler warm. Die Sanitäreinrichtungen stammten noch aus den 1960er Jahren, wie Thomas Jentsch sagt. Kaum verwunderlich ist es da, dass zum Start der Sanierung keine der Wohnungen mehr bewohnt war. Die meisten standen über Jahre leer.

Vor einem Jahr haben die Umbauten begonnen im Gebäude, das 1900 erbaut worden ist. „Der Grundriss der sechs Wohnungen bleibt erhalten“, sagt Thomas Jentsch, der mit seinen Bautrupps mitten im Innenausbau steckt. Alles wird neu: Dämmung, Dachstuhl, Putz an den Wänden, Heizungen, Elektrik, Fenster und Türen. Über die alten Dielen werden Fußbodenplatten gelegt – die Mieter dürfen später selbst entscheiden, ob sie Teppich oder Laminat darauflegen. Die Bäder werden gefliest und neu ausgestattet.

Im Haus an der Hauptstraße 38 entstehen vier Zwei-Raum-Wohnungen sowie jeweils eine Drei- und Ein-Raum-Wohnung. Bis zum Beginn des nächsten Winters sollen alle fertig sein – ein Teil davon ist es früher, denn schon ab Frühling ziehen die ersten Mieter ein. Wie Thomas Jentsch sagt, stammen die Zuzügler aus umliegenden Gemeinden. „Das Interesse an den Wohnungen ist riesig, eben weil es kaum welche gibt“, sagt Thomas Jentsch. Er ist zuversichtlich, alle Quartiere vermieten zu können. Immer wieder kämen Interessenten. Annoncen für eine Vermietung seien nicht nötig gewesen, sagt er. Ein Zettel an einem der Fenster und der Buschfunk im Dorf genügten, um für die künftigen Wohnungen zu werben. Froh darüber, dass in Demitz zusätzlicher Wohnraum geschaffen wird, ist auch Demitz’ Bürgermeisterin Gisela Pallas – zumal ihre Gemeinde derzeit keine kommunalen Wohnungen anbieten kann, da alle vermietet sind. „Wir als Gemeinde hätten den Ausbau der Wohnungen nicht leisten können. Wir sind froh, dass sich hier nach dem Verkauf des Hauses so viel Gutes tut“, sagt sie.

Mit dem Ausbau der Wohnungen im Haus an der Hauptstraße verschönert Thomas Jentsch zugleich das Demitzer Ortsbild: So soll die Außenfassade noch repariert werden. Sie ist von Rissen durchzogen, seit es in den 1940er-Jahren Sprengungen am nahe gelegenen Viadukt gab. „Wir werden außerdem die Zufahrt für die Mieter wieder herrichten sowie den kleinen Garten nett gestalten“, sagt Thomas Jentsch. Auch Schuppen und Garage will er noch sanieren – die guten Nerven dafür hat der Bauherr und künftige Vermieter Thomas Jentsch auf alle Fälle.