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Neue Wohnungen in der Burgstraße

Ein Kleinod mitten in der Stadt soll aus einem jahrelangen Dornröschenschlaf geholt werden. Das ist nicht ohne Risiko.

© hübschmann hübschmann

Von Harald Daßler

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Die Badewanne in der ersten Etage ist nie benutzt worden. Staub und Dreck vieler Jahre bilden eine dichte Schicht auch auf gefliesten Flächen. Die unter den Fenstern angebrachten Heizkörper sind noch verpackt. Kabel hängen aus den Wänden. Deutlich zu sehen: Abrupt wurden hier Bauarbeiten beendet – in den beiden historischen Häusern, die im 18. Jahrhundert zu einem Grundstück zusammengeführt wurden. Seit im Jahr 2002 hier ein Investor das Handtuch geworfen hatte, herrscht Leerstand an der Burgstraße 2.

Sehr genau sieht sich SEEG-Chefin Birgit Richter im Innern des Hauses um. © hübschmann hübschmann
Römische Ziffern am Portal zeigen das Jahr 1735 an, in dem das Haus an der Burgstraße 2 entstanden ist. Bilder an der Fassade lenken die Aufmerksamkeit auf die bevorstehende Modernisierung des Anwesens.Fotos: Claudia Hübschmann © hübschmann hübschmann

Die römischen Ziffern über dem Portal deuten die Geschichte des Gebäudeensembles an. Sie nennen das Jahr 1735, in welchem das kleinere der beiden Häuser nach einem Brand neu aufgebaut worden ist, berichtet Birgit Richter, die Chefin des städtischen Wohnungsunternehmens SEEG. Das hatte im vorigen August das Anwesen in der historischen Altstadt erworben. Natürlich um es zu neuem Leben zu erwecken. Birgit Richter nennt es einen Beitrag zur Stadtentwicklung – so wie es der vollständige Name des Unternehmens „Stadtentwicklungs- und Stadterneuerungsgesellschaft Meißen“ aussagt.

Die beiden Vorderhäuser, deren Geschosse über ein Treppenhaus erschlossen sind, deren Seitenflügel sowie das Hinterhaus bilden ein Viereck, in dessen Mitte ein ruhiger Innenhof liegt. Auf einem überdimensionalen Foto ist er an der Fassade zur Burgstraße 2 zu sehen. Mit dieser Präsentation hat der Meißner Designer Lars Ditscherlein zum Weinfest die bröckelnde Fassade des leer stehenden Hauses schon mal in einen Hingucker verwandelt. Und nicht nur das: Viele hätten bei ihr angerufen und sich erkundigt, wann es dort mit den Bauarbeiten losgeht und wann Wohnungen zu haben sind, erzählt Birgit Richter. Das habe sie darin bestärkt, sich für dieses Wohn- und Geschäftshaus an der Burgstraße zu engagieren.

Sechs bis neun Wohnungen unterschiedlicher Größen und Zuschnitte könnten im Zuge einer Sanierung entstehen. Dass diese Aussage noch im Ungefähren bleibt, erklärt Birgit Richter auch mit der frühen Phase, in der sich dieses SEEG-Vorhaben noch befindet. Noch sei man bei der Bestandsaufnahme. Vom Dach bis zum Kellergewölbe müssen Wände, Balken, Treppen, Fußböden untersucht werden. Ebenso wird kaum etwas von dem zu verwenden sein, was vor 13 Jahren installiert und nie in Betrieb genommen wurde, sagt Birgit Richter mit Blick auf Heizungsanlage.

Toskanische Säulen im Innenhof

Das fließt in die Planungen ebenso ein wie die denkmalschutzgerechte Sanierung, wozu auch das Aufarbeiten von Türen, Treppengeländern, Kreuzgewölben oder zweier toskanischer Säulen im Innenhof gehört. Die Umbauarbeiten sollen sich aber auch an heutigen Lebensbedingungen orientieren. So werde für das Hinterhaus ein eigener Treppenaufgang vorgesehen, nennt Birgit Richter ein Beispiel. Das Außengelände hinter dem Haus, das bis zu den Frauenstufen heranreicht, hat die SEEG bereits beräumt. Dabei kamen Flächen zum Vorschein, die künftige Bewohner als Terrassen nutzen können.

Noch in diesem Jahr sollen Entwurfsplanungen erarbeitet und ein Bauantrag gestellt werden, informiert die SEEG-Chefin über das weitere Prozedere. Die für die abgebrochene Modernisierung erteilte Baugenehmigung ist längst verfallen. Um die 1,5 Millionen Euro müssen investiert werden, um das ganze Anwesen an der Burgstraße 2 in alter Schönheit wiederentstehen zu lassen. Diese Zahl nennt die SEEG-Chefin nach bisherigen Kostenschätzungen. Überraschungen, die sich auf die Schlussrechnung auswirken, sind bei historischen Gebäuden nicht auszuschließen.

Das Projekt bleibt nicht ohne Risiko. Auch deshalb werden die von der SEEG mit diesem Projekt beauftragten Planer nicht nur Unterlagen für den Bauantrag erarbeiten. Sie sollen auch ausloten, welche Fördermöglichkeiten bei diesem Sanierungsvorhaben genutzt werden können.

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