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Dresden

Neue Zwingerbrücke unterm Kronentor

Die Konstruktion ist aus dem 20. Jahrhundert. Pöppelmann hatte 1718 die erste Brücke gebaut – aber nicht, wie er wollte.

Die Zwingerbrücke ist marode. Sie wurde 1929 fertiggestellt und nach der Zerstörung bei den Angriffen 1945 wieder aufgebaut.
Die Zwingerbrücke ist marode. Sie wurde 1929 fertiggestellt und nach der Zerstörung bei den Angriffen 1945 wieder aufgebaut. © Sven Ellger

Der Freistaat hat seit der Wiedervereinigung fast den gesamten Zwinger restauriert. Jetzt wird dort der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) sogar noch zum Brückenbauer. „Die Zwingerbrücke muss in den nächsten Jahren erneuert werden“, kündigt Ulf Nickol an, der die zuständige Dresdner SIB-Niederlassung leitet. Der Zustand des Bauwerks sei desolat. Allerdings gibt es noch keine konkreten Planungen. Überlegt werden muss, wie die Brücke überhaupt aussehen soll. Es sei durchaus möglich, dass dabei auch ein Gestaltungswettbewerb ausgeschrieben wird. Den gab es beispielsweise auch bei der Waldschlößchenbrücke. 1996 wurden dabei 27 Entwürfe eingereicht.

Der Bau: Pöppelmann streitet sich mit Minister Wackerbarth über Brücke

Die Zwingerbrücke hat eine lange Geschichte. Der SIB hat den Bauhistoriker Hartmut Olbrich beauftragt, sie zu untersuchen. Der promovierte Experte, der Architekt und Archäologe ist, arbeitet seit 20 Jahren im Zwinger und kennt das Bauwerk aus dem Effeff. 1714 wird das prächtige Kronentor fertig. Hofbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann plant eine dazu passende steinerne Brücke über den Wassergraben vor dem Festungswall. Doch der für Bausachen zuständige Minister August Christoph von Wackerbarth lehnt das strikt ab. Er fordert eine Holzbrücke. Denn ein Stadttor gibt es dort nicht. Würden Feinde angreifen, könnte sie schnell abgerissen werden. Pöppelmann will nur einen kleinen Teil aus Holz bauen.

Doch Wackerbarth setzt sich nach langem Streit letztlich durch. Deshalb wird die hölzerne Brücke erst 1718 fertig. Bewacht wird sie von extra dafür abgestellten Posten aus dem Taschenbergpalais. Genutzt wird die Brücke unter anderem als kleiner Geheimausgang von höfischen Kutschen, wenn sie nicht durch die großen Tore aufs Land fahren wollten. Im Siebenjährigen Krieg wurde die Brücke 1759/60 abgebrochen, als die Preußen vor Dresden standen und die Stadt später besetzten. Sieben Jahre nach Kriegsende wurde sie 1770 neu gebaut. Allerdings geschah dies offenbar so schlecht, dass sie schon 1780 zerlegt und neu errichtet werden muss.

Der Abriss: Mit Aufgabe der Festung verschwinden Graben und Brücke

Schon 1804 war die Brücke wieder baufällig, erklärt Bauforscher Olbrich. „Der Hof holt Angebote ein und überlegt, ob eine neue Brücke aus Holz, Eisen oder Stein gebaut werden soll“, sagt er. „Doch die Wirklichkeit holt alles ein.“ Die Befestigungsanlagen sind nicht mehr nötig. 

Das ist die Zwingerbrücke um 1812. Sie wurde wenige Jahre später abgerissen, als man auch den Stadtgraben unterm Kronentor verfüllte. Die erste Zwingerbrücke war 1718 fertiggestellt worden. 
Das ist die Zwingerbrücke um 1812. Sie wurde wenige Jahre später abgerissen, als man auch den Stadtgraben unterm Kronentor verfüllte. Die erste Zwingerbrücke war 1718 fertiggestellt worden.  © Kupferstich: C. F. Sprinch, Staatl. Kunstsamml.

Bis in die 1820er-Jahre werden sie beseitigt. In dem Zuge werden auch der Graben am Zwinger verfüllt und die Brücke abgerissen.

Der Neubau: Zwingerbaumeister Ermisch knüpft an Tradition an

Mit der großen Zwinger-Restaurierung in den 1920er-Jahren überlegt Zwingerbaumeister Hubert Ermisch, den einstigen Festungsgraben wieder freizulegen und die Brücke neu zu errichten. Er begründet das augenzwinkernd mit dem zunehmenden Verkehr auf der Ostra-Allee, wodurch sich Erschütterungen auf die Zwingergebäude übertragen würden. Geprüft werden Varianten einer modernen Brücke und einer Steinbrücke. Doch letztlich fällt die Entscheidung für einen Holzbau entsprechend dem historischen Vorbild. 1929 beginnt der Brückenbau, der im Juni 1930 abgeschlossen wird. Allerdings wird die Brücke wegen der benachbarten Straße etwas kürzer als früher. Der Stadtgraben wird aber nur teilweise wieder ausgehoben.

Über 100 Jahre nach dem Abriss wird die Zwingerbrücke ab 1929 entsprechend dem historischen Vorbild wieder aufgebaut. Dafür hatte sich damals Zwingerbaumeister Hubert Ermisch eingesetzt. 
Über 100 Jahre nach dem Abriss wird die Zwingerbrücke ab 1929 entsprechend dem historischen Vorbild wieder aufgebaut. Dafür hatte sich damals Zwingerbaumeister Hubert Ermisch eingesetzt.  © Archiv Landesamt für Denkmalpflege, H. Hantzsch

Die Zerstörung und Wiederaufbau: Aus Mangel an Holz wird Stahl eingesetzt

Bei den Bombenangriffen 1945 wird die Brücke teilweise zerstört. Nur noch die Fundamente stehen, Leitungen hängen in der Luft. Allerdings steht noch der Brückenkopf an der Ostra-Allee. 1949/50 wird die Brücke wieder aufgebaut und im Juni 1951 freigegeben. Die Fahrbahnkonstruktion ist aus Stahl und Stein, die seitliche Verblendung aus Holz. Das hängt auch damit zusammen, dass damals Holz sehr knapp ist und deshalb andere Materialien eingesetzt werden müssen.

„In dem Zuge wurde auch der Festungsgraben bis zum Zwingerteich verlängert“, sagt Olbrich. Die Brücke muss in den 70er- und 80er-Jahren mehrfach repariert werden. 1996/97 wird sie mit Stahlpfeilern verstärkt. „Noch immer steht die mehrfach reparierte Nachkriegsbrücke. Dieses Provisorium kann so nicht bleiben.“ 

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