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Bautzen

Neuer Ärger am Steinbruch Pließkowitz

Wurde die Abraum-Halde illegal erweitert? Anwohner befürchten das.

Marita Scholte geht regelmäßig mit ihrem Hund Aaron am Pließkowitzer Steinbruch spazieren. Dabei machte sie vor Kurzem eine Entdeckung, die sie empört.
Marita Scholte geht regelmäßig mit ihrem Hund Aaron am Pließkowitzer Steinbruch spazieren. Dabei machte sie vor Kurzem eine Entdeckung, die sie empört. © SZ/Uwe Soeder

Pließkowitz. Wer auf dem Feldweg von Pließkowitz nach Kleinbautzen die ersten Sonnenstrahlen genießt, muss sich entscheiden: Nach Westen öffnet sich die weite Sicht hinein ins Land. Beim Blick nach links wandern die Augen an Erdwällen hinauf in den blauen Himmel.

Regelmäßig geht hier Marita Scholte mit ihrem Hund Aaron spazieren. Neben Leckerlis und Hundespielzeug hat sie stets die Kamera dabei. Sie dokumentiert die Erweiterung der Abraumhalde des Pließkowitzer Steinbruchs genau. Mitte März machte sie dabei eine Beobachtung, die ihr nicht gefiel.

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Verwirrung um Aufschüttung

Empört wandte sie sich am 11. März in einer E-Mail, die Sächsische.de vorliegt, an die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Bautzen und zeigte "die Vernichtung und die nicht ordnungsgemäße Fällung des Baumbestandes sowie die Zerstörung des Lebensraumes der Zauneidechsen am Steinbruch Pließkowitz" an. Aus der Antwort der Behörde geht hervor, dass zunächst am 13. März die Aufschüttung der Halde gestoppt wurde. Am 17. März beobachtete Marita Scholte aber bereits die Fortführung der Arbeiten.

Am 19. März meldete die Untere Naturschutzbehörde erneut an Marita Scholte: "Das Oberbergamt ist bereits tätig geworden und wird zunächst den Stopp veranlassen. Das weitere Vorgehen wird geprüft."

Auf einer Aufnahme von 2017 ist die Abraumhalde bis an den Stamm der markanten Pappel herangerückt.
Auf einer Aufnahme von 2017 ist die Abraumhalde bis an den Stamm der markanten Pappel herangerückt. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Wer nicht regelmäßig vor Ort ist, dem fällt es schwer, sich allein anhand der vorliegenden Fotos ein Bild vom Ausmaß der Halden-Erweiterung zu machen. Ein Bild aus dem Jahr 2017 zeigt einen Jägerstand kurz vor Beginn der Halde. Einen solchen Orientierungspunkt sieht man auch auf aktuellen Aufnahmen. Die Vermutung kommt auf, dass die Halde möglicherweise gar nicht gewachsen ist. 

"Der Hochstand ist versetzt worden", erklärt Marita Scholte die Verwirrung. Wichtigster Anhaltspunkt für ihre Aussage: eine große Pappel, die auf neuen Aufnahmen mitten aus der Halde hervorragt.

Dort, sagt Scholte, habe die Erweiterung vor Kurzem begonnen. Und zwar "zügig und tatkräftig", wie sie es formuliert. Der kleine Pappelwald sei dabei zum Teil mit Bagger und Radlader einfach umgestoßen worden. Hinweise darauf findet man kaum. Diese seien, so vermutet Marita Scholte, mit Abraum aus dem Steinbruch verdeckt worden.

Eine Aufnahme vom 2. April 2020 zeigt den selben Baum - allerdings nur noch zur Hälfte. Er wurde bei der Erweiterung der Halde zugekippt. Die anderen Pappeln wurden gefällt.
Eine Aufnahme vom 2. April 2020 zeigt den selben Baum - allerdings nur noch zur Hälfte. Er wurde bei der Erweiterung der Halde zugekippt. Die anderen Pappeln wurden gefällt. © SZ/Uwe Soeder

Für die Beseitigung des Pappelwäldchens gibt es eine Genehmigung vom 7. September 2018, sagt Sabine Rötschke vom Bautzener Landratsamt. Das zuständige Oberbergamt teilt mit, dass zulässige Verkippungsgrenzen nicht überschritten worden seien. Darüber hinaus sei das Pappelwäldchen durch die trockenen Jahre zum größten Teil abgestorben; die Bäume seien durch Windbruch umgestürzt.

Die Entfernung der Pappel, deren Krone noch aus der Halde ragt, sei erst "im nächsten vegetationsfreien Zeitraum zulässig", heißt es in einer E-Mail vom 2. April. Zudem obliege es der zuständigen Umweltbehörde zu beurteilen, "ob die teilweise Verschüttung des Baumstammes gegen naturschutzfachliche Bestimmungen verstößt".

Wo sind die Eidechsen?

Bleibt die Frage nach den geschützten Zauneidechsen, die hier in einem Biotop leben sollen. Ein etwa 50 Zentimeter hoher Zaun vor der gewachsenen Halde deutet darauf hin, dass hier tatsächlich ein Bereich geschützt werden soll, in dem Steine, Altholz und Sand zu Haufen geschichtet sind.

Das Oberbergamt meldet: Laut ökologischer Bauüberwachung würden hier derzeit keine Lebensbedingungen für Zauneidechsen bestehen. Die Untere Naturschutzbehörde hätte dies nicht als erwiesen angesehen und gefordert, weitere Verkippungen zu unterbinden. Zwischenzeitlich hätte der Steinbruch-Betreiber aber von sich aus die Verkippung auf die Haupthalde verlegt. Ein aktives Einschreiten des Oberbergamtes sei dadurch nicht mehr erforderlich gewesen. 

Markus Metzner, Geschäftsführer von ProStein, das den Pließkowitzer Steinbruch betreibt, wollte sich auf Anfrage von Sächsische.de zur aktuellen Entwicklung nicht äußern.

Marita Scholte vermutet, dass hier etwas vertuscht werden soll: "Ich denke, die Aufregung um die Corona-Krise hat ProStein genutzt, um die Erweiterung der Halde voranzutreiben." Auch künftig wird sie auf ihren Hunde-Runden das Geschehen am Steinbruch im Auge behalten - obwohl ihr der Blick in die Ferne deutlich lieber ist. "Schließlich sind wir hier am Eingang zum Heide- und Teichland und nicht in den Alpen", sagt sie zynisch.

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