merken
PLUS

Neuer Anlauf zum Verkauf des Solarwerkes

Der Schüco-Standort in Großröhrsdorf steht leer. Nach einem Jahr der Investorensuche soll ein neuer Makler ran.

Von Reiner Hanke

Die Fahnen, die Transparente und Tafeln am Schüco-Sunfilm-Standort in Großröhrsdorf haben schon einige Male gewechselt seit der Pleite des Solarherstellers Sunfilm. Jetzt flattern wieder neue Flaggen im Wind und verkünden: Freiraum zu verkaufen. Davon gibt es seit dem Rückzug der Bielefelder Firma Schüco aus der Solarsparte eine Menge auf dem Gelände. Allein in den beiden Werkshallen an die 40 000 Quadratmeter Produktions-, Lager- und Bürofläche. Für die wird ein neuer Nutzer gesucht oder auch mehrere. Investoren sind gefragt. Auch Mieten ist möglich für 4,50 Euro pro Quadratmeter. Aktueller Eigentümer ist immer noch der Schüco-Konzern. Bisher hatte die Immobilienfirma Dr. Lübke und Kelber in dessen Auftrag die Vermarktung des 115 000-Quadratmeter-Standortes in der Hand. Ein Jahr lang ungefähr. Bei Lübke war man recht zuversichtlich, demnächst einen Investor präsentieren zu können. Nun die Überraschung. Schüco-Konzernsprecher Thomas Lauritzen räumte ein: „Der Maklervertrag mit Dr. Lübke ist ausgelaufen, und wir haben anschließend die Firma Aengevelt beauftragt.“ Bei Dr. Lübke ist eine gewisse Enttäuschung über den Verlust dieses Exklusiv-Mandats unüberhörbar. Vermutlich sei es Schüco nicht schnell genug gegangen, heißt es. Aber so eine Immobilie verkaufe sich eben nicht über Nacht.

Geld und Recht
Wer den Pfennig nicht ehrt
Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Das räumt auch die Konkurrenz bei Aengevelt ein. Die Firma stammt aus Düsseldorf, kann auf eine 100-jährige Geschichte zurückblicken und zählt sich selbst zu den „größten und erfahrensten international tätigen Immobilien-Dienstleistern in Deutschland“. Aengevelt habe schon ganz andere Problemfälle erfolgreich vermarktet, so auch Europas größtes Verteilzentrum, das von Quelle in Leipzig: „Das stand jahrelang leer“, sagt Christian Halpick, Leiter des Aengevelt-Kompetenzzentrums Logistik in Leipzig. Das Verteilzentrum habe man an eine regionale Entwicklungsgesellschaft vermittelt und gemeinsam ein Gewerbezentrum daraus geformt. Auch das wäre eine Option für Großröhrsdorf. Bis zu zehn Unternehmen könnten den ehemaligen Solarstandort bevölkern. Das ist aber nur eine mögliche Variante. Aengevelt wolle mehrere Strategien fahren. „Die Kombinationsmöglichkeiten reichen vom Verkauf an einen Komplettnutzer, einen Teil-Eigennutzer, der die nicht benötigten Flächen fremdvermietet, bis hin zu einem Verkauf an Endinvestoren zur Kapitalanlage“, so Christian Halpick. Mit der nahen Autobahn und dem Flughafen Dresden in Reichweite sei auch die Verkehrsanbindung bestens. So bestehe nach Aussagen von Christian Halpick reges Interesse an der Liegenschaft im Rödertal, nahe der Landeshauptstadt: „Bereits mit Übernahme des Vermarktungsauftrages gab es Nachfragen von Mietinteressenten über 6 000 Quadratmeter Hallenfläche.“ Vor diesem Hintergrund geht Halpick von einer zügigen Vermarktung aus.

Offene Türen Mitte Mai

Hauptsächlich sieht Halpick aber den Interessenten- und potenziellen Investorenkreis bei Unternehmen in einem Umkreis von 50 Kilometern: „Die große Chance liegt in der Region.“ Deshalb plane Aengevelt, das Gelände gemeinsam mit dem Eigentümer bei einem Tag der offenen Tür vorzustellen. Vertreter der Stadt und von Unternehmerverbänden werden erwartet. Und natürlich werde das produzierende Gewerbe der Region eingeladen. Am 15. Mai ist dieser Tag geplant. Dann lasse sich voraussichtlich mehr sagen.

Im Sommer 2012 schloss der Bielefelder Schüco-Konzern seine gesamte Solar- sparte, das Werk in Großröhrsdorf mit eingeschlossen. Schüco war nach der Pleite des Solarwerkes von Sunfilm 2010 nach Großröhrsdorf gekommen. Angesichts der Verluste in der Solarsparte zog der Konzern schon nach kurzer Zeit die Notbremse.