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Neuer Aussichtsturm ist Touristenmagnet

Schon Stammgäste sind Sigrid Bieber (75) und Luise Lorenz (82) im Osterzgebirge. Noch mit Lebensmittelmarken kamen die Dresdnerinnen gleich nach dem Krieg zum ersten Mal nach Hirschsprung und sind der Region treu geblieben.

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Von Karin Grießbach

Schon Stammgäste sind Sigrid Bieber (75) und Luise Lorenz (82) im Osterzgebirge. Noch mit Lebensmittelmarken kamen die Dresdnerinnen gleich nach dem Krieg zum ersten Mal nach Hirschsprung und sind der Region treu geblieben. Im Herbst haben sie den neu errichteten Aussichtsturm in Oberbärenburg bestiegen und wollten von dort aus unbedingt den Dresdner Fernsehturm sehen. Dafür war es zwar zu trübe, aber sie waren trotzdem begeistert vom Ausblick. Heute wollen die beiden rüstigen Seniorinnen es noch einmal versuchen.

Auch Magdalene Krause aus Leipzig ist an diesem Vormittag am Turm unterwegs. Gymnastik und Wandern halten die 90-Jährige jung. Mit Freundin Irmgard Rzehak (85) ist sie erst gestern hinauf zum Mückentürmchen getippelt. Nun genießen die Messestädterinnen auf einer Bank am Aussichtsturm die warme Morgensonne und schauen zu, wie ein kleiner Steppke auf allen Vieren die Eisenstufen hinauf kriecht. „Wir klettern jeden Tag einmal bis hoch“, berichtet Vati Andreas Fromm stolz von der Geschicklichkeit und Ausdauer von Sprössling Marius.

Sehr früh begann für Eberhard und Ina Fechler aus Senftenberg der Tag. Ab ein Uhr stand der Bäckermeister heute schon in der Backstube. Aber auf den traditionellen Ausflug ins Osterzgebirge wollte das Paar trotz der vielen Arbeit an ihrem 41. Hochzeitstag nicht verzichten. In der kleinen Kapelle in Oberbärenburg gaben sich die Senftenberger 1964 das Ja-Wort und kommen seitdem jedes Jahr hier her. Beim letzten Besuch stand der Aussichtsturm noch nicht und so sind die beiden von dem herrlichen Ausblick überwältigt. Selbst in der Reisebranche tätig, ist es für Andreas Fromm selbstverständlich, dass er den Lausitzern die einzelnen Punkte in der Ferne erklärt. Während man den Geisingberg deutlich erkennt, verschwinden der Hutberg bei Kamenz und der Hohe Schneeberg in Tschechien im Dunst. Eine Tafel soll in Kürze Touristen Auskunft geben.

„Früher bin ich sogar auf den Watzmann gestiegen“, plaudert Magdalene Krause und hat sich fest vorgenommen, heute den Aussichtsturm wenigstens bis zur Hälfte zu erklimmen. Irmgard Rzehak hat Höhenangst und betrachtet lieber von ihrem gemütlichen Sitzplatz aus den Wald und die sanften Hügel.