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Schulhof-Projekt ausgebremst

10 000 Euro wurden für das Vorhaben in Radibor schon gespendet. Doch nun gibt es überraschend Widerstand.

Sie sind richtig sauer: Der Radiborer Bürgermeister Vinzenz Baberschke (l.) und Gemeinderat Jovan Rehor wollten schnell einen Schulhof der Begegnung auf der Fläche zwischen den beiden Schulen schaffen. Viele Argumente verhinderten nun in der Gemeinderatss
Sie sind richtig sauer: Der Radiborer Bürgermeister Vinzenz Baberschke (l.) und Gemeinderat Jovan Rehor wollten schnell einen Schulhof der Begegnung auf der Fläche zwischen den beiden Schulen schaffen. Viele Argumente verhinderten nun in der Gemeinderatss © SZ/Uwe Soeder

Radibor. Damit hat Jovan Rehor nicht gerechnet. Der Gemeinderat aus Camina hat bereits seit dem Winter Spenden gesammelt für ein Vorhaben, das zum einen den etwa 85 Hortkindern zugutekommt. Aber auch Kinder aus der Gemeinde hätten einen Schulhof der Begegnung besuchen und dort spielen können. Nun wurden er und auch Bürgermeister Vinzenz Baberschke, der das Vorhaben unterstützt, ausgebremst. Der Gemeinderat stimmte weder den zusätzlichen Mitteln noch der Vergabe der Bauleistungen zu.

Dreckecke würde verschwinden

Auf die Idee gekommen, hier eine zusätzliche Spielfläche zu bauen, ist Jovan Rehor aus verschiedenen Gesichtspunkten. Der Schulhof hinter den sorbischen Schulen soll schon seit geraumer Zeit verändert werden. Eine Erweiterung in Richtung Sport- und Mehrzweckhalle , die sich die Schulen gewünscht hatten, stellte sich als nicht zweckmäßig heraus. Nach Rücksprache mit dem Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) wurde ein Platz vor der Schule als völlig ausreichend angesehen. „Außerdem würde dort doch endlich eine Dreckecke verschwinden“, sagt Vinzenz Baberschke. Noch zumal es sich hier um eine kommunale Fläche handelt. „Die Baufirmen standen in den Startlöchern, sie hätten am Montag angefangen, wenn der Beschluss gefasst worden wäre“, sagt Baberschke. Die Argumente der Gemeinderäte, die dagegen stimmten, kann er nicht nachvollziehen. „Wenn ich zu Hause etwas baue, mache ich doch auch keine Baugrunduntersuchung“, sagt er. Noch zumal es eine Begehung mit der Unfallkasse Sachsen gab, die dem Entwurf für den Platz zugestimmt hat.

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Unklarheit über Entwurf

Und genau das ist der Schulleiterin der sorbischen Grundschule, Angela Rentsch, unverständlich. „Uns wurde damals nicht gesagt, dass dies schon der fertige Entwurf ist“, sagt sie. „Ich fühle mich mit der Planung überrumpelt“, sagt sie. Und die Schulleiterin der sorbischen Oberschule, Elisabeth Stiller, geht noch weiter. „Die Entscheidung trifft ja letztlich der Gemeinderat“, sagt sie. Aber die Priorität aus ihrer Sicht müsste doch auf dem Schulhof hinter den Schulen liegen. „Da geht es nicht weiter. Ich habe Angst, dass man dieses Vorhaben dann aus dem Blickfeld verliert“, sagt sie. Allerdings sollte das Vorhaben nicht mit Geld bezahlt werden, das eigentlich für einen anderen Zweck im Haushalt steht.

Der Vorschlag der Verwaltung war nämlich, 6 000 Euro, die für die digitale Ausstattung der Oberschule eingestellt waren, für den Schulhof zu nutzen. „Als wir das beschlossen haben, gab es den Digitalpakt noch nicht“, sagt Baberschke. „Jetzt stehen uns daraus 230 000 Euro zur Verfügung. Damit kann man doch wohl was Vernünftiges machen“, sagt der Bürgermeister. Und ist überzeugt, dass die 6 000 Euro somit für den neuen Platz gut angelegt sind. Noch zumal Jovan Rehor bereits Sach- und Geldspenden in Höhe von über 10 000 Euro zusammengetragen hat. „Die Firmen und Bürger der Gemeinde fanden das Vorhaben alle gut. Sonst hätten sie nichts dafür gegeben“, sagt Rehor. Auch die Arbeiterwohlfahrt als Träger des Hortes, ist begeistert von dem Projekt und stellt 1 500 Euro als Spende zur Verfügung.

Risiken und Konflikte aus dem Weg räumen

Die Argumente der Gemeinderäte kann Jovan Rehor nicht nachvollziehen. „Ich möchte, dass die Menschen gerne in unserer Gemeinde leben. Dass man für ein Projekt, bei dem es eine so hohe Spendenbereitschaft gibt, das unsere Schulen extrem aufwertet und allen Kindern zugutekommt, so kämpfen muss, hätte ich nie im Leben geglaubt“, sagt Jovan Rehor. Und er ist enttäuscht von Philipp Wersch, einem neuen, jungen Gemeinderat. „Ich hätte mir gewünscht, dass er sich vor seiner ersten Ratssitzung mehr mit den Details vertraut gemacht hätte, bevor er gegen etwas wettert, wofür andere über 100 Stunden Freizeit investiert haben.“

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Philipp Wersch dagegen findet es gut und richtig, dass noch einmal diskutiert wurde. „Bei Projekten, die den Schülern und dem Hort zugutekommen, sind immer viele Emotionen mit drin“, sagt er. Und findet das Projekt gut. „Trotzdem müssen wir als Gemeinderat auch alle möglichen Risiken und Konflikte im Vorfeld aus dem Weg räumen. Ein Risiko stellt der ungewisse Baugrund dar. Mithilfe eines Gutachtens bekommen wir Gewissheit, ob der Grund in der geplanten Form bebaubar ist. Das ist wichtig, um mögliche Folgekosten zu minimieren“, so Wersch. Das Gutachten wurde von der Gemeinde jetzt beauftragt. In der nächsten Gemeinderatssitzung wird erneut beraten. 

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