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PLUS Löbau

Landkreis verteidigt neue Bus-Strategie

Eine Woche vor Ende der Sommerferien tritt in Löbau-Zittau ein neuer Fahrplan in Kraft. Der Kreis erwidert Kritik aus dem Gebirge und sagt, was künftig besser wird.

In Großschönau gibt es eine Übergangsstelle zwischen Bus und Bahn - hier soll man mit der Fahrplanumstellung künftig weniger warten und mehr umsteigen.
In Großschönau gibt es eine Übergangsstelle zwischen Bus und Bahn - hier soll man mit der Fahrplanumstellung künftig weniger warten und mehr umsteigen. © Rafael Sampedro

Noch bevor er öffentlich vorgestellt ist, haben ihn seine Kritiker schon zerpflückt: den neuen Busfahrplan des Landkreises, der ab 23. August gelten soll. Am lautesten tönte die Kritik dabei aus dem Zittauer Gebirge: Oybins Bürgermeister Tobias Steiner (SPD) und sein Gemeinderat haben sich hinter die Forderungen einer Bürgerinitiative gestellt, die sich für den Erhalt einer direkten Linie zwischen Zittau und Lückendorf einsetzt und zudem gegen die Ausdünnung der Verbindung Zittau-Oybin gewandt. Darüber hinaus vermisst Großschönaus Gemeindeoberhaupt Frank Peuker (SPD) die in Aussicht gestellte PlusBus-Linie von Großschönau über Varnsdorf (Warnsdorf), Seifhennersdorf und Rumburk (Rumburg) nach Ebersbach.

Der Landkreis, der erste Eckpunkte des "kleinen Fahrplanwechsels" nun in einem Pressegespräch erläuterte, ist von dieser Art der Diskussionsführung wenig begeistert. Derzeit handele es sich um nichts "in Stein gegossenes, sondern um ein Konzept, an dem mit Bürgermeistern und Schulleitern nun flexibles Feintuning" vorgenommen werde, erklärte Falk Werner Orgus, Leiter des Ordnungs- und Straßenverkehrsamtes. Mehrere Abstimmungen mit Kommunen und Schulen seien positiv gelaufen. "Nun stehen noch zwei, drei Gespräche mit den größeren Kritikern an - an diesem Donnerstag zum Beispiel mit dem Oybiner Bürgermeister Tobias Steiner", sagt er.

Diskussionen um Schulbeginn laufen noch

Orgus kann dessen Vorwürfe nicht nachvollziehen: "Derzeit diskutieren die Schulen anhand der vorliegenden Fahrpläne, wann sie mit dem Unterricht beginnen und die Pausen gestalten, damit es gut passt", sagt er. Beim Streit um die Lückendorfer Linie werde aber offenbar von denselben Schulzeiten ausgegangen wie eh und je. "Wir wissen, dass es am Christian-Weise-Gymnasium in Zittau aktuell Diskussionen gibt, ob man den Schulstart auf 7.20 Uhr oder eher in Richtung 8.20 Uhr verschiebt", sagt er. Bislang startete die erste Stunde um 7.45 Uhr - das wird nicht bleiben, denn künftig kommen die Busse in Zittau immer zur vollen Stunde an.

Dass es auch konstruktiv geht, habe die Stadt Löbau bewiesen: Ihre Grundschulen hatten ein zeitliches Problem mit den Schulbussen zum Unterrichtsschluss: "Die Zeit für das Mittagessen der Schüler war zu knapp", skizziert Falk Werner Orgus. Das habe man beim Planen aber nicht wissen können, die Stadt hat darauf aufmerksam gemacht. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) habe man nun eine Lösung gefunden.

Lieber Verbindungen mit guten Anschlüssen

Grundsätzlich, so erläutert der zuständige Planer Enrico Musial, sei ein großes, aber eben nicht das einzige Ziel des neuen Fahrplans, den Busverkehr an die seit Dezember geltenden neuen Zugfahrtzeiten anzupassen. Noch wichtiger sei es aber, bessere Verbindungen im Landkreis selbst mit funktionierenden Anschlüssen zu schaffen. Bislang seien viele Umsteigemöglichkeiten eher Zufall gewesen. "Uns war dabei auch eine Gleichbehandlung der Kommunen wichtig", betont Musial. Orientiert habe man sich dabei an der Einwohnerzahl und Größe der Gemeinden sowie an ihrer auch im Regionalplan festgelegten Bedeutung, erklärte er zur Kritik Oybins. Dort gäbe es  - so die Kritiker - künftig nicht mehr 19 Verbindungen wochentäglich nach Zittau, sondern nur noch neun. "Hier geht es aber nicht um die pure Anzahl von Direktverbindungen, sondern um die Qualität", betont Musial. Anders als bisher sei der Fahrplan so ausgerichtet, dass man nun auch mindestens im Zwei-Stunden-Takt durch Umsteigen weitere touristische Ziele im Zittauer Gebirge erreichen kann, für die zuvor gar keine Verbindung angeboten wurde. Und: "Den Bonus Tourismus haben wir für Oybin sehr wohl mit eingerechnet", betont der Planer.

Mit der neuen Planung gibt es aus Sicht von Orgus ganz klar auch Gemeinden, die deutlich profitieren werden, weil sie bislang beim Nahverkehr eher unterbelichtet waren: Reichenbach und Sohland am Rotstein sowie Bernstadt und der Eigen gehören hier dazu. So wird die Linie von Herrnhut über Bernstadt bis Görlitz deutlich verstärkt, fährt unter der Woche mindestens alle zwei, zu einigen Tageszeiten sogar jede Stunde und wird auch am Wochenende über den Eigen führen. Dass sich für manche Gemeinden und manche Schulen nun ganz andere Kreise erschließen, gehe mit den besseren Verbindungen einher, bestätigt auch Orgus.

Grenzüberschreitende Linie ist in Arbeit

Dass sich auch Großschönau mit einer grenzüberschreitenden Linie neue Verkehrsbeziehungen wünscht, ist beim Kreis bekannt: "Daran arbeiten wir mit Hochdruck und haben Voraussetzungen geschaffen", erklärt Enrico Musial. Der Ball liege hier aber bei den Tschechen, die auf ihrem Terrain zwei bestehende Linien verknüpfen und den Stein abschließend ins Rollen bringen müssen. Über eine Förderung des öffentlichen Nahverkehrs in Deutschland sei eine solche Strecke jedenfalls nicht einzurichten.

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Amtsleiter Orgus will nun Probleme mit Schulleitern und Gemeinden so rasch wie möglich aus dem Weg räumen. Zwar werden die Betroffenen alle durch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) angehört. "Aber wir wollen das im Vorfeld klären, damit uns Zeit zum Reagieren bleibt", betont er. Denn eines ist für ihn klar: "Die Einführung des Fahrplanes werden wir nicht noch einmal verschieben, wir starten eine Woche vor Ende der Sommerferien." In wenigen Tagen wird der Fahrplan zudem im Technischen Ausschuss des Kreistages vorgestellt, auch die Fraktionen werden informiert. Denn das kommende Jahr wird der Kreis genau diese Planungen für den Norden des Landkreises ausarbeiten und zum August 2021 abschließen. 

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