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Neuer Eigentümer für Nordpol-Häuser?

Zwei Blocks an der Karl-Liebknecht-Straße werden derzeit im Internet angeboten. Nebenan tut sich dafür nicht so viel.

Von Jan Lange

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Der Nordpol in Hirschfelde kommt nicht zur Ruhe. Schon wieder sollen Wohnblocks den Eigentümer wechseln. Im Internet werden auf einer Immobilienseite die Wohngebäude Karl-Liebknecht-Straße 2 bis 12 zum Kauf angeboten. Für den stolzen Preis von 700 000 Euro. Der oberfränkische Vermögensberater Sandro Wende hatte die beiden Objekte mit 45 Wohnungen erst im Herbst 2013 erworben.

Auch die vorherigen Besitzer trennten sich relativ schnell von den Häusern: Die Concillium Hausverwaltungsgesellschaft erwarb sie im November 2012 bei einer Zwangsversteigerung. Für die Summe von 380 000 Euro erhielten sie nicht nur die beiden Gebäude auf dem Nordpol, sondern auch acht Häuser in der Drausendorfer Ernst-Thälmann-Siedlung. Die Drausendorfer Objekte hatten sie bereits nach sieben Monaten zum fünffachen Preis abgestoßen, wenig später folgten auch die Häuser in Hirschfelde.

Für welche Summe die Nordpol-Häuser den Besitzer wechselten, ist nicht bekannt. Der neue Besitzer hatte nur angedeutet, dass der Preis nicht so hoch war. Ihm sei klar gewesen, dass er bei dem Kaufpreis noch etwas investieren muss. Und das tat er in den vergangenen Monaten auch. So wurden bei einem Wohnblock die Kanäle fürs Abwasser und Regenwasser getrennt. Hirschfeldes Ortsbürgermeister Bernd Müller informierte in der jüngsten Ortschaftsratssitzung darüber, dass das zweite Gebäude im ersten Halbjahr 2015 umgebunden werden soll.

Die Trennung der Kanäle hatte die Stadt Zittau seit Langem gefordert, musste jedoch jeden neuen Besitzer erneut anschreiben und neue Fristen setzen. Da der oberfränkische Eigentümer der Aufforderung nun nachkam – bis jetzt zumindest bei einem Gebäude –, schöpften die Bewohner ein wenig Hoffnung, dass er längerfristig die Häuser behalten will. Die aktuelle Immobilienanzeige zerstört nun diese Hoffnung. „Warum soll ich sie behalten?“, äußert sich Sandro Wende gegenüber der SZ. Die Investition in die Umbindung der Kanäle sei aber nicht der Grund gewesen, dass er die Häuser wieder loswerden will.

Er wolle den Verkauf nicht forcieren, aber mal schauen, ob es Interessenten gibt. Gut drei Wochen nachdem die Verkaufsanzeige online gegangen ist, habe sich allerdings noch kein potenzieller Käufer gemeldet, sagt Wende. Was vielleicht auch am Kaufpreis liegt. Bei der Zwangsversteigerung 2012 wurde der Verkehrswert auf rund 350 000 Euro geschätzt, verkauft werden sollen sie jetzt für den doppelten Preis. Dabei hat sich an den Häusern in den vergangenen zwei Jahren nicht viel verändert. 25 der 45 Wohnungen sind im Moment vermietet, die Mieteinnahmen belaufen sich nach Angaben des Eigentümers auf 61 200 Euro im Jahr.

In dem Wohnblock schräg gegenüber, Karl-Liebknecht-Straße 13 bis 19, tendieren die Mieteinnahmen mittlerweile gegen Null. Wie der Görlitzer Rechtsanwalt Falk Großmann, der seit einigen Monaten rund 140 Wohnungen in sechs Blöcken zwangsverwaltet, erklärt, wurde das Gebäude, das in Hirschfelde auch als „Klein-Chicago“ bekannt ist, gezielt leergezogen. Ziel ist es, den Block stillzulegen.

Bisher sei das noch nicht möglich, dass noch eine Person in dem Haus wohnt. Ihr wurden laut Großmann zwar Ersatzwohnungen angeboten, doch bisher habe ihr keine zugesagt. Die anderen Mieter, die noch in der Karl-Liebknecht-Straße 13 bis 19 gewohnt hatten, sind derweil in andere Nordpol-Häuser umgezogen. „Wir haben nicht eine Kündigung ausgesprochen“, betont Großmann.

Ob das Gebäude zwangsversteigert wird, darüber entscheiden nur die Gläubiger, erklärt der Rechtsanwalt. Die Allianz Versicherung, die der Hauptgläubiger ist und auch die Zwangsverwaltung angeordnet hatte, wollte sich zu einer möglichen Zwangsversteigerung nicht äußern. Die Stadt Zittau, die ebenfalls zu den Gläubigern gehört, hat nach Aussage von Michael Scholze, Leiter der Stadtkasse, derzeit kein Interesse an einer Zwangsversteigerung. Die Rückstände seien nicht so groß. Vielmehr bestehe die Gefahr, dass sich bei einer Auktion wegen des schlechten Zustandes der Gebäude kein Bieter findet. Dann wären die Kosten für den Gutachter höher als die ausstehenden Gelder.

Um für das Gebäude einen neuen Besitzer zu finden, müsste es erst einmal saniert werden, meint Großmann. Im jetzigen Zustand sei es nicht mehr vermietbar, findet der Görlitzer Rechtsanwalt. Viele der Wohnungen stehen seit Jahren leer, manche seien nach dem Auszug der letzten Mieter noch gar nicht beräumt worden.

Für eine größere Investition in den Wohnblock sei aber kein Geld vorhanden. Der Zwangsverwalter habe schon genug damit zu tun, die Probleme an den technischen Anlagen zu beheben. Hier sei der Investitionsrückstau besonders groß. „Es ist fast jede Woche was an den Heizungen“, erklärt Großmann.

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