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Neuer Mildensteiner wird 20

Der Heimatverein greift seit zwei Jahrzehnten Historisches auf und macht es Interessierten in einer Vereinszeitschrift zugänglich.

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Von Heike Stumpf

Immer wieder graben die Mitglieder des Geschichts- und Heimatvereins längst Vergessenes aus. Ihre Wissbegier treibt sie in Archive. Sie blättern verstaubte Zeitungen durch, sprechen mit Menschen, die noch etwas wissen können. Und wenn es schließlich zu einer Veröffentlichung kommt, dann meist im „Neuen Mildensteiner Erzähler“. Den gibt es jetzt seit 20 Jahren, und der Geburtstag der Vereinszeitschrift ist es dem Redaktionskollegium wert, acht Titelblätter und zwei Mittelblätter zur Leisniger Traditionspflege auf das Titelblatt des druckfrischen Neuen Mildensteiner Erzählers 1/2013 zu bringen.

Seit dieser Woche liegt die aktuelle Ausgabe vor. Doch in der „feiern“ sich die Herausgeber nicht nur und danken all jenen, die mitrecherchieren, schreiben, korrigieren, Fotos auswählen und das Blättchen schließlich in die Verkaufsstellen bringen. Die Heimatfreunde bleiben auch ihrem Anliegen treu, das sie seit 20 Jahren zu dieser Zeitschrift antreibt: Geschichte zu bewahren und zu vermitteln.

So geht es im Erzähler jetzt um Altleisnig, einen neuen Ortsteil Leisnigs. In einer Serie – jetzt Teil 2 – stellt der Verein alle 28 Ortschaften vor, die letztes Jahr zu Leisnig dazugekommen sind. Ebenfalls in einem zweiten Teil schaut Ulf-Dietmar Thiele auf die Weggefährten Martin Luthers in Leisnig zurück. Nochmals um Luther ging es bei der heimatgeschichtlichen Konferenz im November 2012 in Leisnig. Eines der Themen an dem Abend war der Lutherweg in Sachsen, den Autor Volker Köllner nochmals nachvollzieht. Wie es um Leisnig vor der Gründung des Klosters Buch aussah, das beschreibt Dr. Friedrich Gentzsch in seinem Beitrag.

Die Leisniger Traditionspflege, also das Beilagenblatt in der Mitte des Erzählers, beschäftigt sich mit der Konsum-Genossenschaft Leisnig, die mehr als ein Jahrhundert Alltag für alle war, die hier lebten. An mancher Fassade ist immer noch die mittlerweile verblichene Aufschrift „Konsum“ zu lesen. Dutzende Verkaufsstellen und sogar mehr als ein halbes Dutzend Gaststätten gehörten einst zu dieser Genossenschaft. Möglicherweise kann sich der eine oder andere ja noch daran erinnern, wie froh die Bewohner eines Gebietes waren, wenn dort ein „Konsum“ öffnete. Am 1. Juli 1970 war das zum Beispiel an der Karl-Liebknecht-Straße der Fall. Die Kaufhalle lag für die Bewohner des Gebietes Sachsenplatz/Meline nun gleich vor der Haustür.

Erinnert wird im aktuellen Mildensteiner Erzähler an Siegfried Risse. Das Gründungsmitglied verstarb Ende Januar im Alter von 90 Jahren. Besonders hervorgetan hat sich Risse unter anderem durch sein Interesse an Leisnig als Garnisonsstadt und am Schicksal jüdischer Familien in der Zeit des Faschismus. Darüber veröffentlichte er mehrfach Beiträge im Neuen Mildensteiner Erzähler.

Die Ausgabe 1/2013 gibt es in vielen Geschäften und im Gästeamt. Sie kostet nach wie vor 1 Euro.