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Neuer Name in schwierigen Zeiten

Die Wohnungsbaugesellschaft WBG heißt ab 1. Juli „Kommwohnen“. Doch nicht nur der Name ändert sich.

Von Ingo Kramer

Kommwohnen – das neue Wort soll ab 1. Juli überall in Görlitz und teils auch darüber hinaus zu sehen sein – auf Schildern, Briefbögen, Visitenkarten, einer neuen Internetseite, als Werbung auf Firmenautos. Und nicht zuletzt an der Konsulstraße 65. In der prachtvollen Villa hat die Wohnungsbaugesellschaft (WBG) ihren Sitz. Die aber heißt ab 1. Juli „Kommwohnen Görlitz GmbH“.

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„Den Namen WBG gibt es in Deutschland mehrere Hundert Mal“, sagt WBG-Chef Arne Myckert. Eine Firma namens „Kommwohnen“ aber sei einzigartig. WBG-Marketingchefin Marion Rupprich hat sogar beim Patent- und Markenamt angefragt. Antwort: Der Name ist noch nicht da – aber er kann auch nicht geschützt werden, denn er besteht aus zwei gebräuchlichen Worten. Die WBG hat sich trotzdem dafür entschieden. „Die Mehrdeutigkeit ist dabei ganz klar beabsichtigt“, sagt Marion Rupprich. Einerseits soll der Name darauf hinweisen, dass es um ein kommunales Wohnungsunternehmen geht, zum anderen aber auch neue Mieter einladen: „Komm Wohnen!“ Daraufhin hat die WBG die Görlitzer Werbeagentur Die Partner beauftragt, den neuen Namen optisch ansprechend umzusetzen, damit er einheitlich vermarktet werden kann. Ergebnis: Künftig wird es kein Logo mehr geben, sondern nur das Wort „Kommwohnen“ in den Farben grau und bordeauxrot. Das gleiche Rot nutzt schon die Europastadt GmbH. „Es wäre schön, wenn nach und nach alle städtischen Töchter diese Farbe aufnehmen könnten“, wünscht sich Marion Rupprich.

Was der neue Name mit all den Schildern und der großen Werbekampagne kostet, will Myckert indes nicht verraten. Auch keine ungefähre Größenordnung. Stattdessen erklärt er, dass ein neues Logo ohnehin mal wieder fällig gewesen wäre: „Das hätte auch neues Briefpapier und neue Türschilder bedeutet.“ Und eine große Werbekampagne hätte auch angestanden, denn die WBG stellt im Sommer die Wohnungen in der Jonas-Cohn-Straße fertig und hat zudem am Frauenburgkarree gerade einen wichtigen Bauabschnitt beendet.

Dennoch kommt die Investition in Namen und Werbung ausgerechnet in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit. Die WBG hat 2012 und 2013 in Königshufen mit ungeheurem Aufwand rund 800 Wohnungen abgerissen. Entsprechend wies die Bilanz für 2012 einen Verlust von 196 000 Euro aus. Im Jahr 2013 könnte sich das Defizit auf 790 000 Euro erhöhen, hatte Myckert noch im Oktober erklärt. Diese Prognose nimmt er inzwischen zurück: „Der Jahresabschluss ist noch nicht ganz durch, aber es sieht so aus, als ob das Minus im Jahr 2013 sogar geringer ist als 2012.“

Ende Juni will er den Jahresabschluss schwarz auf weiß haben. Und für 2014 rechnet Myckert wieder mit Überschüssen, denn die Zeit der großen Abrisse und der damit verbundenen Kosten ist vorbei. Auch ansonsten bescheinigt er seinem Unternehmen eine ausgesprochene Liquidität: „Es gibt keinen Grund, an unserer Leistungsfähigkeit zu zweifeln.“ Auch für die Beschäftigten gebe es keine Einschnitte. „Wir haben zwar 2009 alle Mitarbeiter auf das Tochterunternehmen WBG Seges verlagert“, erklärt Myckert. Er selbst ist seither der einzige Angestellte der WBG. Der Grund seien aber Gewerbesteuerfragen. Für die Mitarbeiter habe der Wechsel keine arbeitsrechtlichen Gründe oder Folgen. Auch am Lohn habe sich für sie nichts geändert – jedenfalls nicht zum negativen. „Sie erhalten nach wie vor ihr Weihnachtsgeld und für manche gab es inzwischen sogar Lohnerhöhungen“, sagt Myckert.

Mit dem neuen Namen will er stattdessen noch auf ganz andere Dinge hinweisen: „Wir sind viel breiter aufgestellt als früher.“ Während es einst viele relativ ähnliche Wohnungen gab, sind die Angebote heute viel mehr auf Zielgruppen zugeschnitten, beispielsweise für Schüler und Studenten in der Zittauer Straße 4, für Familien in der Albrecht-Thaer-Straße, für Senioren im Frauenburgkarree und für beide gemeinsam künftig in der Jonas-Cohn-Straße. Insofern ändere sich eben nicht nur der Name, sondern auch der Inhalt. Für WBG-Mieter, die mit ihrer Wohnung zufrieden sind und nicht umziehen wollen, bleibt hingegen außer dem Namen alles beim Alten: „Der Vermieter ist derselbe, die Preise und die Ansprechpartner auch“, verspricht Myckert.Auf ein Wort