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Dresden

Neuer Plan für den Zelleschen Weg

Die Entscheidung über die Zukunft der Straße naht. Nun schlägt Dresdens Baubürgermeister einen Kompromiss vor. 

Immerhin, in ruhigen Zeiten wie den Semesterferien reicht der Platz für Radfahrer am Zelleschen Weg.
Immerhin, in ruhigen Zeiten wie den Semesterferien reicht der Platz für Radfahrer am Zelleschen Weg. © Sven Ellger

Der alte Stadtrat ist noch nicht Geschichte. In seiner allerletzten Sitzung soll er über die Zukunft des Zelleschen Weges entscheiden. Allen Beteiligten dürfte klar sein, dass das nicht einfach wird.

Es gibt zwei Lager: Linke, Grüne und SPD drängen darauf, die vier Autospuren auf zwei überbreite zu reduzieren und dafür die Radwege auf 2,50 Meter zu verbreitern. Rückendeckung erhalten sie vom Rektor der TU Dresden, Hans-Müller Steinhagen. Es gebe viele Radfahrer, aber zu schmale Radwege. Das erhöhe die Unfallgefahr, argumentiert er. Die Stadtverwaltung sieht das ähnlich und führt zusätzlich ins Feld, dass vier Autospuren nicht benötigt würden. Zwar könne die Straße bis zu 40 000 Autos am Tag verkraften. Doch für die Zukunft rechne man lediglich mit 24 000 bis 26 000 Fahrzeugen am Tag.

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Die CDU vertritt da eine andere Meinung. Ja, Radfahrer sollen mehr Platz erhalten, schlagen die Christdemokraten vor und fordern zumindest für einer Straßenseite einen vier Meter breiten Radweg, sodass dort in beide Richtungen gefahren werden kann. Der andere Radweg soll wie geplant 2,50 Meter breit werden. Die vier Autospuren wollen sie aber erhalten. Schließlich diene der Zellesche Weg als Umleitung, wenn die Autobahn gesperrt sei. Außerdem sei der Anteil an Lkw und Bussen hoch. Inzwischen hat sich die Bürgerfraktion dem CDU-Vorschlag angeschlossen. Die Grünen hatten zuletzt signalisiert, sich mit dem Plan auseinandersetzen zu wollen.

Kompromiss betrifft den Radweg

In den Konflikt hat sich bereits Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) eingeschaltet. Er vertritt die Meinung, dass der Zellesche Weg keine vier Spuren brauche. Würde der CDU-Vorschlag Erfolg haben, müsste nicht nur der Wall vor der Universitätsbibliothek abgetragen werden. Die Stadt müsste außerdem Privatgrundstücke und Flächen der TU Dresden aufkaufen, einen Fernwärmekanal überbauen oder verlegen und überhaupt eine komplett neue Planung starten, was den Ausbau des Zelleschen Weges für die neue Stadtbahntrasse um Jahre zurückwerfen würde, so der Baubürgermeister.

Wie geht es nun also weiter? Wenige Tage vor der alles entscheidenden Stadtratssitzung kommt noch einmal der Bauausschuss zusammen, um eine Empfehlung abzugeben. In dieser Sitzung will Schmidt-Lamontain einen Kompromiss vorschlagen, wie er es nennt. Der Anstoß seitens der CDU sei richtig, den Radweg vor der Bibliothek so breit wie möglich auszubauen, sagte er am Freitag der Sächsischen Zeitung. „Wir könnten noch 50 Zentimeter herausarbeiten und diese dem Radweg zuschlagen.“ Damit würde man zwar nicht auf vier Meter kommen, aber immerhin auf drei. Der große Vorteil wäre, dass man somit nicht fremde Grundstücke antasten müsste. Außerdem bliebe der Bibliothekswall samt Bäumen erhalten und die Planung müsste nicht von vorn beginnen.

Ansonsten habe sich an der Einschätzung der Stadtverwaltung nichts geändert, dass zwei überbreite Autospuren ausreichten, sagt der Baubürgermeister. Im Gegenteil, die Konsequenzen des CDU-Vorschlags hätten sich erhärtet. Den zusätzlichen Platz, der für vier Spuren benötigt werden würde, könnte man sich auf der Nord- oder Südseite des Zelleschen Weges holen. Auf der Nordseite, also in Richtung Stadtzentrum, liege die bereits angesprochene Fernwärmetrasse. Auf der Südseite befinde sich unter anderem der Wall. Dieser war angelegt worden, als die Bibliothek gebaut wurde – als Ausgleich für den Eingriff in die Natur. Fällt dieser weg, müsste an anderer Stelle ins Grün investiert werden. „Stellt sich also die Frage nach der Ersatzfläche und den zusätzlichen Kosten“, so Schmidt-Lamontain. Dass der Zellesche Weg eine Ausweichstrecke für Autos sei, wenn die A 17 gesperrt ist, sei richtig. Das sei aber nur selten der Fall. „Ich bin nicht der Auffassung, dass wir die Straße für diese seltene Situation ausbauen sollten.

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Wann die Arbeiten am Zelleschen Weg beginnen könnten, sollten sich die Änderungen in Grenzen halten, kann die Stadt noch nicht sagen. Derzeit laufe das europaweite Vergabeverfahren für die Planungsleistungen. Der Zuschlag sollte noch in diesem Jahr erteilt werden. An die Entwurfsplanung würde sich die Planfeststellung anschließen, um Baurecht für das Projekt zu erhalten. In Zukunft soll die neue Stadtbahn zwischen Löbtau und Strehlen über den Zelleschen Weg rollen und zwar über einen begrünten Mittelstreifen. Straßenbahnen sind an dieser Stelle dringend nötig, denn die Busse sind völlig überlastet. Zwar werden laut den Dresdner Verkehrsbetrieben bereits Zusatzfahrten angeboten. Auf Linien wie der 61, die Studenten zur Uni bringt, reiche das aber längst nicht mehr. Auch der Einsatz längerer Busse schaffe nur kurzfristige Abhilfe. Zum Vergleich: In den längsten DVB-Bus passen rein rechnerisch 203 Fahrgäste. Die längste Straßenbahn fasst hingegen 260 Passagiere. Um noch mehr Menschen transportieren zu können, wollen sich die Verkehrsbetriebe breitere Straßenbahnen zulegen. Die Entscheidung, welche Firma diese bauen darf, fällt möglicherweise noch im Sommer.

Also genau dann, wenn der alte Stadtrat sich mit dem Zelleschen Weg auseinandersetzen wird. Die Sitzungen sind für den 3. und 4. Juli vorgesehen.

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