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Neuer Schick für alte Grundschule

Für gut 350 Kinder endet die Zeit des Provisoriums in Pirna-Copitz. Die Diesterwegschule ist fertig saniert. Die SZ schaute schon vorab rein.

Rainer Eichler testet schon mal die interaktive Tafel im Musikzimmer. Kostenpunkt: an die 10.000 Euro.
Rainer Eichler testet schon mal die interaktive Tafel im Musikzimmer. Kostenpunkt: an die 10.000 Euro. © Daniel Schäfer

"Fertig!", schreibt Schulleiter Rainer Eichler in großen Lettern an die Tafel. Dafür braucht er keine Kreide mehr. Lediglich seinen Finger. Der interaktive Riesenbildschirm ist die mit am meisten beeindruckende Veränderung in der Pirnaer Diesterweggrundschule. Die digitalen Tafeln sind freilich für mehr gut als nur für Fingermalen. Seit Sommer 2018 wurde die Schule - Jahrgang 1964 - für 5,2 Millionen Euro saniert. Wenn die Schüler am Montag aus den Ferien zurückkehren, endet eine lange Zeit des Container-Provisoriums, und für das Lernen gibt es wohl so gute Bedingungen wir noch nie. Die SZ schaute schon vorab in die runderneuerte Schule. Hier die fünf wichtigsten Fakten:

Baulich auf dem neuesten Stand

Grau-, Blau-, Rot- und Gelbtöne dominieren die Fluren und die Klassenräume. Die Farbgebung ist angenehm zurückhaltend, überall sieht es sauber und angenehm aus. Die Schüler bekommen nagelneue Spinde und Aufbewahrungsboxen. Ganz neue Akustikdecken sorgen für einen niedrigeren Geräuschpegel im ganzen Gebäude. Toiletten, Nebenräume - alles komplett erneuert. Neu ist ein Fahrstuhl, der es künftig erlaubt, an der Schule auch gehbehinderte Kinder aufzunehmen. Der Lift funktioniert aber nur mit einem Schlüssel. Ganz wichtig für alle: Das Naphthalin ist raus. Diese Kohlenstoffverbindung gilt als gesundheitsschädigend und ist in der Abdichtung der Fußböden schon vor Jahren entdeckt worden. Dieser Fund sorgte schließlich dafür, dass die Sanierung schneller und in einem Stück durchgezogen wurde. 

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Digital jetzt Vorreiter

Schulleiter Rainer Eichler freut sich am meisten über die neuen digitalen Möglichkeiten, den Unterricht attraktiv zu gestalten. Zum einen helfen dabei einige interaktive Bildschirme in den Fachkabinetten, Stückpreis 8.000 bis 11.000 Euro. Im Musikunterricht etwa können Noten auf der Tafel notiert werden, die dann die Musik abspielt. Oder die Tafel gibt selbst Hinweise, wie eine Matheaufgabe am besten gelöst werden könnte. "Wir sind damit Vorreiter in Pirna", sagt der Schulleiter. Auch in mehreren normalen Klassenräumen stehen Bildschirme, auf denen der Lehrer etwa zur Bereicherung des Unterrichts ein Video zeigen kann. Alle Zimmer haben zudem Netzwerkanschlüsse bekommen - das heißt, Internet geht überall und die Räume - selbst die Turnhalle gehört mit dazu - sind miteinander vernetzt. Das eröffnet neue Möglichkeiten, zum Beispiel die Raumbelegung zu verwalten.

Turnhalle hat einen Anbau bekommen

Wegen steigender Schülerzahlen braucht die Einrichtung mehr Platz. Gab es früher drei Parallelklassen, sind es jetzt vier - insgesamt werden 353 Kinder auf die Oberschule oder das Gymnasium vorbereitet. Auch beim Sportunterricht steigt der Platzbedarf. Deshalb wurde die bestehende Turnhalle, in der es einen neuen Sportboden und eine neue Prallwand gibt, um einen Turn- und Geräteraum erweitert. So können gleichzeitig zwei Klassen Sportunterricht haben. Die Anlagen werden außerhalb der Schulzeit auch von Vereinen genutzt. 

So sieht die Diesterweggrundschule in Pirna-Copitz aus. Die Fassade war bereits saniert.
So sieht die Diesterweggrundschule in Pirna-Copitz aus. Die Fassade war bereits saniert. © Daniel Schäfer
Nach der Runderneuerung sieht es im Schulgebäude überall attraktiv aus. Die Schüler bekommen bunte Spinde.
Nach der Runderneuerung sieht es im Schulgebäude überall attraktiv aus. Die Schüler bekommen bunte Spinde. © Daniel Schäfer
Da waren die Senioren schneller als die Schüler: Für den Vereinsport wurde der neue Turnraum bereits in Betrieb genommen.
Da waren die Senioren schneller als die Schüler: Für den Vereinsport wurde der neue Turnraum bereits in Betrieb genommen. © Daniel Schäfer
Historisches Zeugnis. Des Wandbildes von 1964 nahm sich ein Restaurator an.
Historisches Zeugnis. Des Wandbildes von 1964 nahm sich ein Restaurator an. © Daniel Schäfer
Unfallschutz für Fortgeschrittene: Vor den Geländerstreben montieren Arbeiter Schutzglas, damit  niemand mehr durchpasst.
Unfallschutz für Fortgeschrittene: Vor den Geländerstreben montieren Arbeiter Schutzglas, damit  niemand mehr durchpasst. © Daniel Schäfer

Altes Wandbild von 1964 restauriert

Als Ministerielle die Schule besuchten, sollen sie die Nase gerümpft haben. Manche hätten dieses Wandbild von 1964 am liebsten übermalt gesehen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Zu sehen ist ein Mann, der von einer Anhöhe aus zusammen mit Kindern auf eine Stadt schaut. Hohe Schornsteine deuten Industrie an - alles zeigt die Handschrift der damaligen sozialistischen Zeit, ohne aber propagandistisch zu wirken. Ein Restaurator nahm sich nun des großformatigen Bildes in der ersten Etage an und musste es zum Teil selbst ergänzen, etwa dort, wo sich früher hinter mehreren Heizkörpern nur weiße Wand befand. Für Planer Ralf Bogun vom Büro BC Plan ist das Bild ein historisches Zeugnis und gehörte deshalb erhalten. Unter Denkmalschutz steht übrigens die gesamte Schule, die früher Polytechnische Oberschule Otto Grotewohl (früherer DDR-Ministerpräsident) hieß. 

Hort soll wieder mit in die Schule

Im Großen und Ganzen sanierten die Planer das, was sie in der Schule bereits vorfanden. Aber es gab auch Stellen, die sie neu gestalten konnten. So entstand etwa im Erdgeschoss ein neuer Mehrzweckraum, der sich durch eine flexible Trennwand auszeichnet. "Der Schulleiter hätte dafür sofort eine Verwendung", sagt Steffen Köhler, Fachgruppenleiter Schule und Soziales im Rathaus. Nur wird der Platz anderweitig gebraucht. Denn erhöhten Raumbedarf hat auch der Hort angemeldet. Nach Köhlers Worten rechnet der ASB mit 80 bis 85 Plätzen, die in der Schule entstehen sollen. Noch ist es aber nicht so weit - erst nach den Sommerferien soll der Hortbetrieb neu durchstarten.

Die Ausweich-Container an der Schillerstraße sollen nun abgebaut werden. Die Fläche aber, heißt es aus dem Rathaus, bleibt für Feste und andere Veranstaltungen erhalten.  

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