merken
PLUS

Meißen

Neuer Tagebau rückt näher

Ein Erörterungstermin fand Ende Juni statt. Proteste der Anwohner nutzen nichts. Die Genehmigung scheint nur noch Formsache.

Ein Bagger befüllt einen Trichter mit dem gewonnenen Rohstoff im Kaolin-Tagebau nahe Kemmlitz bei Oschatz. Ein Kaolintagebau soll voraussichtlich im kommenden Jahr bei Schletta aufgeschlossen werden.
Ein Bagger befüllt einen Trichter mit dem gewonnenen Rohstoff im Kaolin-Tagebau nahe Kemmlitz bei Oschatz. Ein Kaolintagebau soll voraussichtlich im kommenden Jahr bei Schletta aufgeschlossen werden. © ZB

Käbschütztal. Das Verfahren zum Neuaufschluss eines Kaolintagebaus geht in die nächste Runde. Ende Juni wurden die von der Sibelco GmbH, Standort Meißen eingereichten Planungsunterlagen erörtert. Vorgesehen ist die Gewinnung von Kaolin auf einer Fläche von 17,60 Hektar. Weitere zehn Hektar sollen für die Tagebauzufahrt, ein Rohkaolin-Zwischenlager und eine vorübergehend erforderliche Außenhalde zur Abraumlagerung genutzt werden.

Zum größten Teil werden landwirtschaftliche Nutzflächen in Anspruch genommen. Durch den Rohstoffabbau wird die Straße von Schletta zur Alten Döbelner Landstraße unterbrochen, ein Ersatz außerhalb der Bergbaufläche wird vorher hergestellt. 

Anzeige
IT-Administrator (m/w/d) gesucht
IT-Administrator (m/w/d) gesucht

Sie sind Netzwerkspezialist und lieben die Arbeit in Windows-Umgebungen? Der IT-Dienstleister INFOTECH sucht erfahrene IT-Administratoren (m/w/d).

Unter Berücksichtigung der Nachlaufzeit für die Wiedernutzbarmachung wurde eine Gesamtlaufzeit des Vorhabens mit etwa 40 Jahren beantragt, so das Sächsische Oberbergamt Freiberg. Um die Fläche nach dem Abbau wieder nutzbar zu machen, wird ein Teil des Tagesbaus verfüllt. 

Es wird landwirtschaftliche Nutzfläche wiederhergestellt. Im verbleibenden Restloch wird aufgrund der kaum durchlässigen Gebirgsschichten allmählich ein Gewässer mit einer Größe von etwa 9,7 Hektar entstehen, welches sich vor allem aus Niederschlägen speist. 

Der gewonnene Rohkaolin wird außerhalb des Tagebaus zwischengelagert und zur betriebseigenen Aufbereitungsanlage Löthain/Steigerschacht zur Weiterverarbeitung abtransportiert. Hierzu soll eine Betriebsstraße errichtet werden.

Zum Schutz der Ortslage Schletta ist die Errichtung eines dauerhaft verbleibenden Begrenzungswalls mit Immissionsschutz- und Sichtschutzfunktion geplant. Gegenstand des planfestzustellenden Rahmenbetriebsplanes sind die für den Neuaufschluss erforderlichen Aufschlussarbeiten, der Kaolinabbau, eine Wasserhaltung, Teilverfüllungs- und Rekultivierungsmaßnahmen.

Für das Bergbauvorhaben und die landschaftspflegerischen sowie naturschutzfachlichen Kompensationsmaßnahmen werden Flurstücke in den Gemarkungen Schletta und Oberjahna beansprucht.

Bei dem nichtöffentlichen Erörterungstermin sei noch keine Entscheidung über die Genehmigung des Vorhabens getroffen worden. Eine Entscheidung über die im Verfahren erhobenen Einwendungen erfolge mit dem Planfeststellungsbeschluss, so das Sächsische Oberbergamt.

Kaolin, auch weiße Tonerde genannt, wird vor allem in der fein- und grobkeramischen Industrie verarbeitet. Die zur Sibelco-Gruppe Ransbach-Baumbach gehörenden Kaolin- und Tonwerke Seilitz-Löthain wollen nach früheren Angaben 100 000  bis 150 000 Tonnen des rund 20 bis 30 Millionen Jahre alten Materials dort pro Jahr abbauen. Der Tagebau ist für etwa 40 Jahre angelegt.

Bereits in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts sowie 2003 gab es Bohrarbeiten. Bei mehr als 30 Bohrungen wurde Kaolin nachgewiesen, das in einer Tiefe von mehr als 40 Metern liegt.

Zahlreiche Einwohner von Schletta protestieren gegen den Tagebau. Sie fürchten vor allem Lärm, nicht zuletzt durch Lkw-Verkehr und Staubbelastung für Jahrzehnte, und damit verbunden den Wertverfall ihrer Grundstücke. Auch der Gemeinderat von Käbschütztal hat das Vorhaben formal abgelehnt, hat aber keine Entscheidungsbefugnis, sondern wird nur angehört. Die Sibelco-Gruppe hat die Bergbaurechte für das Gebiet.

In Sachsen gibt es neben den Kaolinvorkommen bei Meißen auch Abbaustätten bei Kamenz sowie bei Wermsdorf. Nach Bayern ist Sachsen der bundesweit zweitgrößte Kaolinstandort. Die hiesigen Kaolinlagerstätten wurden 1764 entdeckt.

 Nach der Erfindung des europäischen Porzellans 1709 durch Johann Friedrich Böttger und Walther von Tschirnhaus hatte der Sächsische Kurfürst August II. nach weiteren geeigneten Rohstoffen für die Porzellanherstellung suchen lassen.

Wann der Abbau, so er endgültig genehmigt wird, beginnt, ist noch unklar, voraussichtlich aber schon 2020. (SZ/jm)

Mehr zum Thema Meißen