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Neuer Verein für Wilsdruffs Riesenantenne

Ein Förderverein will das Stahlrohr retten. Bei der Gründungsveranstaltung wurde bekannt wie.

Ein historischer Moment: In Wilsdruff gründete sich der Förderverein Funkturm Wilsdruff. Den Vorsitz übernahm Sabine Neumann (Mitte).
Ein historischer Moment: In Wilsdruff gründete sich der Förderverein Funkturm Wilsdruff. Den Vorsitz übernahm Sabine Neumann (Mitte). © Foto: Karl-Ludwig Oberthür

Ein neuer Verein will die vom Abriss bedrohte Wilsdruffer Riesenantenne retten. Zwölf Frauen und Männer haben diesen am Montagabend in Wilsdruff gegründet. Einstimmig wählten sie Sabine Neumann zur Vorsitzenden. Das Amt des Stellvertreters übernahm Jürgen Juhrig.

Die beiden beschäftigten sich schon seit Längerem mit der Riesenantenne. Jürgen Juhrig kam über sein Interesse für Technik zu der historischen Sendeanlage. Als erstmals bekannt wurde, dass sie abgerissen werden soll, gründete der Kesselsdorfer im Juni 2013 mit Gleichgesinnten den Technikverein Sender Wilsdruff. Dieser hat zurzeit 14 Mitglieder und weiß eine große Schar von Radio- und Technikfans in Deutschland und Europa hinter sich.

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Sabine Neumanns Interesse wurde Anfang des Jahres geweckt, als sie erfuhr, dass das Kölner Unternehmen Media Broadcast die Abrissgenehmigung für das 153 Meter hohe Stahlrohr bekommen hat. Die junge Frau gehört nicht zu denen, die das nur bedauerten. Die Limbacherin wollte aktiv etwas tun, um diese Landmarke zu erhalten. Deshalb initiierte sie im Februar eine Unterschriftensammlung im Internet. Schnell fand sie Mitstreiter, mit denen sie auch auf Wochenmärkten Unterschriften sammelte. Am Ende hatten 4.323 Frauen und Männer sich für den Erhalt der Antenne ausgesprochen. Im April haben Jürgen Juhrig und Sabine Neumann die Unterschriften an Landrat Michael Geisler (CDU) übergeben. Dieser nahm sie entgegen, versprach Hilfe und regte die Gründung eines Fördervereins an. Das habe man beherzigt, sagte Juhrig zur Gründungsveranstaltung.

In den letzten Wochen wurden die Grundlagen geschaffen, eine Satzung erarbeitet. Dabei holten sich die Wilsdruffer Rat im brandenburgischen Königs Wusterhausen, wo es einen ähnlichen Verein gibt. Dem war es nicht nur gelungen, den Abriss des Mastes dort zu verhindern, sondern auch ein Museum zu gründen.

Die Tipps der Brandenburger sind in die Satzung eingeflossen, erklärte Neumann. Weil offen sei, wie sich der Verein entwickeln werde, habe man die Ziele allgemein gehalten. Der gemeinnützig arbeitende Förderverein soll sich für den Erhalt und die Förderung der Funkübertragungsstelle Wilsdruff einsetzen, die Tradition der deutschen Funkgeschichte am Standort wahren und pflegen. Zudem soll sich der Verein für die Wiederanerkennung als technisches Denkmal einsetzen. Diese Grundziele wurden von allen Gründungsmitgliedern getragen. Diskussionsbedarf gab es allerdings darüber, wie die Ziele erreicht werden sollen und wie man sich vom bestehenden Technikverein unterscheide.

Jürgen Juhrig, der den Technikverein Sender Wilsdruff seit seiner Gründung leitet, erklärte, dass es sinnvoll sei, zwei Vereine zu haben. Der Technikverein werde sich auch in Zukunft mit historischer Fernmelde- und Sendetechnik beschäftigten und dafür sorgen, dass diese – so weit es geht – erhalten bleibt. Zudem wolle sich auch der Technikverein weiter für den Erhalt der Riesenantenne und des früheren Funkamtes Dresden einsetzen. Hier werde sich die Arbeit beider Vereine überlappen, so Juhrig. Der neue Förderverein soll vor allem Geld sammeln. Es wäre ein Zeichen, wenn man zumindest schon mal 50.000 Euro vorweisen könnte. So viel kostet nach Berechnungen des Technikvereins der jährliche Unterhalt der Riesenantenne. Im Unterschied zu Media Broadcast, die von jährlichen Aufwendungen in Höhe von 150.000 Euro spricht, habe man realistisch gerechnet, so Juhrig. Die Zahlen der Media Broadcast hält er für überzogen.

Langfristig sollte der Förderverein die Übernahme der Riesenantenne anstreben, so Juhrig. Vielleicht gelingt es, das Haus auf dem diese steht, von der Deutschen Funkturm GmbH zu übernehmen, so Juhrig. Wichtig sei, dass man schnell Erfolge vorweisen könne. Nur so könne man auf die Unterstützung der Politik hoffen.

Viel Zeit bleibt dem Verein nicht. Denn die Media Broadcast möchte die Antenne bis Ende des Jahres abreißen. Das erklärte ein Sprecher des Unternehmens. Wolfgang Lill, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Internetplattform radiomuseum.org und ebenfalls Gründungsmitglied, bezweifelt, dass dieser Plan aufgeht. Denn die Auflagen, die das Unternehmen zu erfüllen habe, seien sehr umfangreich. Manche, so mutmaßte er, seien gar nicht zu erfüllen.

Der Wilsdruffer Stadtrat Matthias Schlönvogt (Freie Wähler), der ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern gehört, hofft auf einen Erfolg des Fördervereins. In Wilsdruff könne man eine einmalige Technikgeschichte erleben. Hier gibt es nicht nur Dampfloks, sondern auch historische Dampfmaschinen und das gute alte Dampfradio.

Eine Frau führt den Verein:

Der Gründungsvorstand: Sabine Neumann (Vorsitzende), Jürgen Juhrig (1. Stellvertreter), Ralf Engelmann (2. Stellvertreter), Antje Frenzel (Kassenwart), Jörg Weidehaas (1. Beisitzer), Uwe Richter (2. Beisitzer) und Sindy Theil (Schriftführerin)

Der Verein hat seinen Sitz auf der Dresdner Straße 8 in Wilsdruff und ist über Tel. 035204 279423 zu erreichen.

Für die Mitgliedschaft sind jährlich mindestens 12 Euro zu entrichten. Der Beitrag kostet regulär 24 Euro. Es kann auch mehr bezahlt werden.

www.funkturm-wilsdruff.de

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