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Was wird aus der Glasfachschule?

Weißwassers OB Pötzsch übergibt Sachsens Ministerpräsident Kretschmer ein Grobkonzept. Und es gibt Interessenten.

Die 1953/54 vom VEB Kreisbau Niesky gebaute Glasfachschule liegt schon seit viel Jahren brach. Auf den Balkon über dem Eingang wachsen Bäume. Auch die plastische Figurengruppe davor – bestehend aus einem Glasmacher, einem Techniker und einer Schleiferin –
Die 1953/54 vom VEB Kreisbau Niesky gebaute Glasfachschule liegt schon seit viel Jahren brach. Auf den Balkon über dem Eingang wachsen Bäume. Auch die plastische Figurengruppe davor – bestehend aus einem Glasmacher, einem Techniker und einer Schleiferin – © Joachim Rehle

Jeder Ort hat Straßen, Plätze und Gebäude, die untrennbar mit der Ortsgeschichte verbunden sind. In Weißwasser gehört die Glasfachschule dazu – als Zeugnis des Werdens und Wachsens vom Heidedorf zur Industriestadt mit Glastradition.

Seit 2005 ist die einstige, denkmalgeschützte Glasfachschule eine Brache. Jeder Versuch einer Neubelebung scheiterte. Es gab zwar immer mal wieder Interessenten für das riesige Areal mit Park und mehreren Gebäudekomplexen. So plante der letzte Eigentümer hier ein Pflege- oder Seniorenheim. Das Vorhaben platzte aus Geldmangel. Danach wollte er Wohnungen im Objekt errichten und vermieten. Auch das blieb erfolglos, weshalb er der Stadt ein Mietkauf-Angebot machte. Doch Weißwasser hatte kein Konzept, nahm das Angebot nicht an, behielt jedoch das Objekt im Auge. Das war 2011. Nur zwei Jahre später erwarb die Stadt das rund 12.000 Quadratmeter große Areal für 150.000 Euro vom Vorbesitzer zurück: für mögliche Käufer oder Investoren und um Mitspracherecht zu haben. Bis heute hat sich nichts getan. Mittlerweile wuchert Unkraut auf einst liebevoll angelegten und gepflegten Beeten, Rabatten, Wegen und idyllischen Ruheplätzen unter 300 Jahre alten Baumriesen, sind Rhododendren und Sämlinge zu großen Sträuchern und Bäumen herangewachsen.

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Doch die Stadt will die Glasfachschule erhalten, hält an einer Neubelebung, möglichst als Bildungsstandort, fest. Dies äußerte Oberbürgermeister Torsten Pötzsch erst kürzlich bei einer Bürgeranfrage anlässlich seiner OB-Gerüchteküche. Denn auch die Weißwasseraner wollen den Traditionsstandort erhalten. „Wir führen bereits Gespräche mit Schulen, Bildungseinrichtungen, Universitäten, Forschungseinrichtungen. Außerdem gibt es Anfragen, eine enge Zusammenarbeit mit der kreislichen Entwicklungsgesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien, sprich der ENO, sowie erste Planungsideen und ein Grobkonzept“, sagt Torsten Pötzsch.

Ideen und Grobkonzept mit Raumerfassung, Umgestaltungsvarianten, Skizzen für einzelne Räume, Hörsaal, ganze Etagen und sogar einem verglasten Laubengang sowie vielen anderen Inhalten übergab Torsten Pötzsch kürzlich als Mappe an Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Zur Verdeutlichung und Veranschaulichung des Gesamtobjektes bei Entscheidungsträgern, begründet er.

Ideen auch für Villa und Parkplatz

Denen und Sachsens Ministerpräsident ist das Vorhaben der Stadt Weißwasser längst bekannt. Als vom Kohleausstieg betroffene Kommune hat Weißwasser die Komplexsanierung der Glasfachschule bereits 2019 für das Bundesprogramm „Zukunft Revier“ angemeldet. „Das Thema Erhalt, Sanierung und Nutzung der Immobilie liegt also in Görlitz, Dresden und Berlin sowie beim Ministerium für Strukturentwicklung vor“, sagt der Stadtchef.

 Nun sei es Ziel, mit Geldern aus der Strukturentwicklung die Sanierung von rund 5.750 Quadratmetern Nutzfläche, ohne Dachgeschoss, in den Häusern A und B samt Außenfassade der Glasfachschule, ihrer bunten Glasfenster und des parkähnlichen Charakters des Umfeldes samt Baumbestand zu ermöglichen, so der Oberbürgermeister zum innerstädtischen Filetstück. Noch leerstehend und nutzbar sei dort außerdem die einstige Villa, die sich zum Beispiel zur Unterbringung einer Institutsleitung oder auch als Mensa, Cafeteria oder Gästehaus nutzen ließe. Lediglich die Parkplatzfrage stelle ein Problem dar. Doch auch da sieht Torsten Pötzsch durchaus Lösungsansätze, da der obere Bereich des Areals vor dem Holzhaus der Stadt gehöre und entsprechend umgestaltet werden könne.

Noch keine Kostenschätzung da

Trotz aller Ideen und des Engagements ist noch völlig unklar, ob, in welcher Höhe und wofür die Bundesregierung Mittel für den Strukturwandel in die Region Weißwasser fließen lässt. Am 3. Juli, so die Hoffnung der betroffenen Länder und Reviere, soll das sogenannte Strukturstärkungsgesetz beschlossen werden. Vorausgesetzt, es kommt dazu.Unabhängig davon ist noch völlig unbekannt, wie teuer die Sanierung der Glasfachschule überhaupt würde. Kostenschätzungen gibt es noch keine. Da taste man sich, laut Pötzsch, jetzt vorsichtig heran. Denn offizielle Planungsaufträge gäbe es, aufgrund des noch unbestätigten Stadthaushaltes, noch nicht. „Trotzdem arbeiten wir als Verwaltung mit Unternehmen und Partnern der Region am Projekt, ohne dass dafür Kosten in Rechnung gestellt werden, weil alle die Stadt und ihr Vorhaben unterstützen und voranbringen wollen“, begründet Weisswassers Stadtchef den eingeschlagenen Weg.

Dass der letztlich von Erfolg gekrönt sein könnte, daran zweifelt Torsten Pötzsch nur wenig. „Die Glasfachschule bietet prinzipiell Möglichkeiten für viele Nutzungsvarianten. Ihre Lage ist innerstädtisch und sehr präsent, die Stadt ist Eigentümer der Immobilie, und selbst die Denkmalschutzbehörden sind offen und wären froh, wenn Erhalt und Neunutzung gelängen“, begründet er seinen Optimismus.

Der kommt nicht von ungefähr. Die Aussicht auf Strukturwandel-Gelder ist dabei nur ein Grund. Ein weiterer jedoch, dass bereits einige Universitäten und Hochschulen ihr Interesse an der Immobilie signalisierten, um dort Außenstellen zu errichten. Zum einen für die Erforschung im Bereich Tagebau/Geologie. Zum anderen innerhalb des breiten Spektrums neue und erneuerbare Energien. „Vor Ort gäbe es ja genügend Forschungsmaterial“, meint der OB. Doch er weiß auch, dass – trotz des vorhandenen Interesses – der Gesamtprozess noch ein „zartes Pflänzchen“ ist. „Dennoch bleibt es mein persönliches Ziel, was mit Bildung hinzukriegen“, erklärt Torsten Pötzsch. Daher führe er seit langem Gespräche in alle Richtung, hoffe er auf den Strukturwandel.

Klar ist nämlich auch: Selbst wenn die Immobilie eine Brache bleibt, kostet sie Weißwasser weiterhin Geld. Erst vor ein paar Jahren musste die Stadt etwa 10.000 Euro für die Sanierung des kaputten Daches investieren. Hinzu kommen laufende Kosten für Kleinstreparaturen und die Verkehrssicherung.

Und so bleibt Bürgern und Verwaltung vorerst nur die Hoffnung, dass der Glasfachschule eines Tages doch noch zu neuem Glanz und überregionaler Bedeutung verholfen wird. Auf welchem Weg auch immer. Nur zerfallen und ungenutzt bleiben wäre fatal für das denkmalgeschützte und die Geschichte der Stadt Weißwasser bedeutsame Bauwerk.

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