merken
PLUS

Neues Busnetz in Freital soll im Februar starten

Das Aus der Linie 71 ist besiegelt. Jetzt wird nur noch um Details gefeilscht.

Von Verena Weiß und Matthias Weigel

Die Umstellung des Busnetzes in Freital soll mit den Winterfreien 2014 umgesetzt werden. Das erklärte Freitals OB Klaus Mättig (CDU) am Donnerstagabend im Stadtrat. Ab Ende Februar werden die Stadtlinien A bis F sowie die 337 und 348 dann mit neuen Routen und Taktzeiten in Freital und Umgebung unterwegs sein, wenn die Genehmigung bis dahin vorliege. Der Regionalverkehr will das elf Jahre alte Netz damit den neuen Gegebenheiten anpassen. Vorbereitet ist man lange darauf. Auch die im Dezember erhältlichen neuen Fahrplanbücher werden laut Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) die neuen Pläne enthalten – zusätzlich zu den bisherigen.

Geld und Recht
Wer den Pfennig nicht ehrt
Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Verhindert haben die Umstellung vor allem die Kleinnaundorfer. Denn die laufen gegen die Veränderungen Sturm, haben über eintausend Unterschriften dagegen gesammelt. Vor allem der Wegfall der Dresdner Linie 71 schmerzt. Angemessene Alternativen sind rar, sagen die Kleinnaundorfer. Für Pendler und Schüler wird die Situation im Nahverkehr deutlich schlechter, Wege weiter, Anschlüsse.

Doch eigentlich sollte sich die Diskussion allmählich legen. Schließlich hat sich der Kreisausschuss vorige Woche endgültig gegen den Erhalt der Buslinie 71 entschieden. Doch die Kleinnaundorfer werden nicht müde zu protestieren. Vor allem ein Umstand sorgt bei der Bürgerinitiative, die die Anwohner vertritt, für neue Aufregung: Denn offenbar müssen sich die Kleinnaundorfer nicht nur mit dem Wegfall der Buslinie abfinden, sondern Fahrten werden künftig wohl auch erheblich teurer für sie.

Zum Kreisauschuss hatte der Regionalverkehr Dresden (RVD) vor versammelter Runde noch versichert, dass sich der Tarif nicht zum Nachteil der Kleinnaundorfer entwickeln würde. Und das weder mit der Linie C in Freital, noch mit der neuen Linie 366, die künftig Bannewitz und dann zeitweise weiter als Linie 360 zum Dresdner Hauptbahnhof verkehrt.

Verwirrende Tarifpolitik

Hier passieren die Kleinnaundorfer eigentlich mehrere Tarifzonen. Um den Preissprung abzufedern, ist aber, wie anderswo auch, ein sogenannter Grenzraum festgelegt worden. Damit entstünden den Kleinnaundorfern auch künftig keine finanziellen Nachteile. Auf diese Zusage stützte sich nach mehrfacher Nachfrage auch Landrat Michael Geisler (CDU) und resümierte: „Die Situation für Kleinnaundorf bleibt komfortabel.“ Der Freitaler Ortsteil könne also getrost auf die Buslinie 71 verzichten.

Doch für die Kleinnaundorfer ist damit das Chaos komplett. Denn die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB), die mit dem RVD das Buskonzept durchsetzen wollen, geben ganz andere Auskünfte. In der Broschüre zum neuen Netz war für besagte Strecke noch von einem Zwei-Tarifzonen-Ticket die Rede. Selbst auf Anfrage beim VVO-Kundenservice erhielten die Kleinnaundorfer jetzt die Info: zwei Tarifzonen, also 3,90 statt 2,20 Euro fürs einfache Ticket.

Beim VVO bringt man auf SZ-Nachfrage nun von höchster Stelle Licht in den Tarifdschungel. Kleinnaundorf liege tatsächlich im Grenzraum, heißt es von den Tarifexperten. Von dort Richtung Freital reiche wie bisher ein einfaches Ticket aus, genauso wie über Bannewitz bis zum Dresdner Hauptbahnhof. Nur bei Zielen darüber hinaus in Dresden muss für eine weitere Tarifzone gezahlt werden.

Der Einspruch der Bürgerinitiative beim Landratsamt bleibt also folgenlos. Die Einsparung der Linie 71 ist kaum mehr aufzuhalten. „Es werden noch Änderungen der Fahrpläne mit den Beteiligten erarbeitet, die uns dann zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt werden“, teilt das Landesamt für Straßenbau und Verkehr mit.

Gemeint sind dabei wohl die Ergebnisse eines versprochenen Termins mit DVB, Landkreis, RVD und Bürgerinitiative, um Härtefälle zu klären, die die Umstellung für Einwohner mit sich brächte. Laut Mättig habe es dazu bereits am Donnerstag eine Beratung im Landratsamt gegeben. Demnach soll es am Birkenwäldchen früh und mittags einen zusätzlichen Bus und eine Anbindung ans Anrufsammeltaxi geben.

Insgesamt musste Mättig eingestehen, dass Freital im Falle 71 wohl Federn lassen musste. Noch kürzlich bei der Einwohnerversammlung in Kleinnaundorf präsentierte sich Mättig als Busretter für den Ortsteil. Allerdings sei es schwer, so Mättig, sich gegen die ländliche Region zu behaupten, wo Änderungen im Nahverkehr noch gravierender sind als im städtischen Gebiet. Da hätte die Mehrheit für diese Freitaler Sorgen wenig Verständnis. Insofern seien kleine Verbesserungen wohl auch als Erfolg zu sehen. Im Kreistag am Montag und Kreisausschuss im Januar werde das Thema aber sicher weiter eine Rolle spielen.