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Neues Dach für Schloss Nöthnitz

Um die Überdeckung zu sanieren, reiste der Schlossherr nach Wales. Die Investition ist nicht der einzige Fortschritt.

Er will kein Luftschloss bauen, aber das Nöthnitzer Anwesen wieder voranbringen. Schlossbesitzer Jan Horsky ist dazu bereit, das Denkmal wieder für Besucher zugänglich zu machen.
Er will kein Luftschloss bauen, aber das Nöthnitzer Anwesen wieder voranbringen. Schlossbesitzer Jan Horsky ist dazu bereit, das Denkmal wieder für Besucher zugänglich zu machen. © Karl-Ludwig Oberthür

Noch ist es ruhig rings ums Schloss. Hinter den historischen Gemäuern aber wird schon gearbeitet. 

Das Planungsteam Freital, das in dem Nöthnitzer Anwesen seine Büroräume hat, trifft bereits die Vorbereitungen für die Großbaustelle. Ende Herbst soll der Dachumbau starten. Für das Denkmal im Norden der Gemeinde Bannewitz wird es nun seit vielen Jahren wieder die erste große Investition überhaupt.

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Insgesamt 430 000 Euro stehen für die dringend erforderlichen Sanierungsmaßnahmen zur Verfügung. Neben dem Eigenanteil des Schlossbesitzers Jan David Horsky fließen aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes 200 000 Euro für das Schlossdach. Diese Entscheidung fiel kürzlich im Haushaltsausschuss des Bundestages. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte sich persönlich für die Förderung eingesetzt.

Mit Unterstützung von Behörden und dem neu gegründeten Verein „Freunde Schloss Nöthnitz“ will der 23-jährige Schlossbesitzer das Anwesen auf Vordermann bringen und weitestgehend wieder für Besucher zugänglich machen. Die Investitionen ins Dach sollen dabei ein erster Schritt sein, um die Bausubstanz zu schützen und das Denkmal herzurichten.

Die brüchigen Grate am Turm bestehen aus rotem Schiefer.
Die brüchigen Grate am Turm bestehen aus rotem Schiefer. © Karl-Ludwig Oberthür

In dieser Angelegenheit will Horsky nichts dem Zufall überlassen. Um das Hauptdach des Schlosses in Anlehnung an den Denkmalschutz mit Naturschiefer neu decken zu lassen, bereiste der junge Schlossherr vor einigen Tagen Großbritannien, genau genommen Bethesda, eine Stadt im Nordosten von Wales. Ganz in der Nähe befindet sich der Penryhn-Steinbruch. Dieser Steinbruch gilt als die größte Schieferabbaustätte der Welt. Seit 1770 wird dort Schiefer abgebaut und noch bis heute zu Dachschindeln verarbeitet.

Doch wozu diese aufwendige Recherche? „Ein solcher Schiefer aus Wales befindet sich wohl auch jetzt auf dem Schlossdach“, erklärt Horsky. Zu dieser Erkenntnis sei man jedenfalls bei einer Begehung mit dem Denkmalschutzamt gelangt. Ein Stück des alten rötlichen Schiefers war vom Schlossdach gerutscht. Der Fachmann hätte diesen als walisisches Exemplar identifiziert. Möglich sei das durchaus, meint auch Horsky. Er vermutet, dass ein Vorbesitzer des Schlosses, nämlich Rudolf Carl Freiherr von Finck, sich vom Britischen inspirieren ließ, als er nach der Übernahme des Schlosses Anfang der 1870er-Jahre umfängliche Dacharbeiten an dem Gebäude vornahm. In Wales sei die kontrastreiche rot-schwarze Dachfärbung durchaus verbreitet, wobei das Rot augenscheinlich eher einem Violett ähnelt.

Auch beim genaueren Blick aufs Nöthnitzer Schloss ist das Farbspiel zwischen helleren und dunkleren Schindeln noch zu sehen. Die sogenannten Graten, die längs am Hauptturm verlaufen, sind mit rotem Schiefer bedeckt, der Rest ist schwarz. Dieser Kontrast soll in Zukunft wieder stärker zum Vorschein kommen, erklärt Horsky. Voraussichtlich im Frühjahr 2020, wenn das Hauptdach samt Türmen fertig gedeckt ist, wird das Ergebnis sichtbar.

Aus dem Penryhn-Steinbruch in Wales sollen die Schiefer stammen.
Aus dem Penryhn-Steinbruch in Wales sollen die Schiefer stammen. © Horsky

Auch für die beiden Nebendächer erwägt der Schlossbesitzer Sanierungspläne. Wenn dies möglich ist, sollen hierfür Fördermittel unterstützend für die Modernisierung beantragt werden. Auch die Nebendächer hatten in der Vergangenheit schon Reparaturen erfahren müssen. Auf dem Dach des Bibliotheksflügels schlug 1945 während des Luftangriffs auf Dresden sogar eine Bombe ein, weiß Jan Horsky.

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Bevor die erste große Baumaßnahme am Schloss startet, können sich auch alle Schaulustigen auf eine Neuheit freuen: Erstmals seit mehr als zehn Jahren haben Besucher zum Tag des offenen Denkmals am 8. September wieder die Gelegenheit, durch das Schloss und den angrenzenden Park zu bummeln. Diese Entwicklung begrüßt auch das Ortskuratorium Dresden der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz, die den Aktionstag durchführt. Deren Vertreter hätten bereits angekündigt, am 8. September in Nöthnitz präsent zu sein. An diesem Tag soll es Führungen durchs Schloss geben und einen Vortrag zur einst umfassenden Bibliothek des Heinrich von Bünau, die in Nöthnitz untergebracht war.

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