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Neues Einkaufszentrum für den Straßburger Platz

Gestern Abend wurden die Pläne für das Areal vorgestellt. So mancher Anwohner ist dennoch skeptisch.

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Von Tobias Wolf

Die Aula des St. Benno Gymnasiums platzt gestern Abend aus allen Nähten, als die Dietz AG ihre Pläne für das neue Einkaufszentrum am Straßburger Platz vorstellt. Über 100 Anwohner sind gekommen, um sich die Entwürfe anzuschauen. Rund 25 Millionen Euro will das Unternehmen aus dem südhessischen Bensheim gegenüber der Gläsernen Manufaktur investieren. Auf rund 5 000 Quadratmetern Handelsfläche soll es mehrere Supermärkte und kleinere Läden geben.

„Ich bin immer noch skeptisch“, sagt Anwohnerin Renate Wolsky aus der Comeniusstraße. Ihre Nachbarin drückt es noch drastischer aus. „Nachdem man uns hier 25 Jahre lang verarscht hat, sind wir vorsichtiger mit unserer Freude“, sagt Gisela Maune. Einer der Gründe für das Misstrauen ist der Weimarer Investor Heinz Nettekoven. Dessen Florana KG verkündete über Jahre immer wieder den Baustart des Projekts mit dem klangvollen Namen Canaletto-Passagen. Pläne dafür gab es eit 2010. Nichts passierte. Seit Juli 2013 ist der umtriebige Bauträger nun pleite. Das Grundstück am Straßburger Platz hatte die Dietz AG Nettekoven schon zum Jahresende 2012 weggeschnappt. Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) räumte auf der Informationsveranstaltung ein, dass die Stadt zu viele Neubauten mit Nettekoven vorhatte, die dieser offenbar überhaupt nicht umsetzen konnte.

Seit beinahe zehn Jahren ist die Fläche eine Brache. 2004 ließ die seinerzeit noch städtische Woba dort einen Plattenbauriegel mit 244 Wohnungen abreißen. Einzig die heute bunten Blöcke auf der Marschnerstraße blieben von dem Wohnensemble am Straßburger Platz übrig. Bis Ende der 1970er waren sie nahe dem Areal des früheren Stübelbrunnens entstanden, der bei den Bombenangriffen 1945 zerstört und dessen Reste später abgerissen wurden. Die Dietz AG will am Straßburger Platz nun ein aus zwei Gebäudeteilen bestehendes Center errichten, wie Vorstand Markus Engelmann gestern Abend erklärte. Mit einer Aluminium-Fassade, die an ein Textilgewebe erinnern soll und nachts erleuchtet sein wird. Dahinter verbirgt sich im ersten Obergeschoss die Hochgarage für die Kunden-Autos. Die soll über eine neu geschaffene Zufahrt von der Güntzstraße zu erreichen sein. Bedenken der Anwohner versuchte Architekt Christopher Hammerschmidt damit zu zerstreuen, dass auch die Auffahrtrampe hinter der Fassade verschwinden soll und damit weniger Lärm nach außen dringe. Denn viele Bewohner des bunten Plattenbaus an der Marschnerstraße werden künftig von ihrem Balkon aus direkt auf die Zufahrt blicken.

In den beiden Obergeschossen des größeren Gebäudeteils entstehen Büros, neben den Läden im Erdgeschoss. Um welche Anbieter es sich handelt, will Dietz-Vorstand Markus Engelmann noch nicht sagen. Nach SZ-Informationen sollen die Supermärkte Rewe und Aldi, der Drogeriemarkt dm sowie ein Schuhladen und ein Textilgeschäft in das Center einziehen. Fast zeitgleich mit der Vorstellung der Pläne ist nun ebenfalls klar, das auch André Sarrasani mit dem Trocadero-Zelt endgültig vom Straßburger Platz weg muss. Derzeit werde nach einer neuen Fläche für die nächste Spielzeit gesucht, sagt seine Sprecherin Lioba Schmidt. Zwei Areale würden geprüft. Gesichert sei jedoch ein Verbleib Sarrasanis im Innenstadtbereich, so Schmidt. Genaueres soll in etwa 14 Tagen bekannt gegeben werden. Die TLG hatte die Fläche, zu der auch die alte Kaufhalle an der Comeniusstraße gehört, letzte Woche an einen noch unbekannten Investor verkauft.

So mancher sähe dort gern einen gepflegten Park mit Grünflächen. Dazu müsste die DDR-Verkaufsstelle jedoch abgerissen werden. Anwohnerin Karin Schulmann appellierte deshalb eindringlich an Bürgermeister Marx: „Bitte vergessen Sie die alte hässliche Kaufhalle nicht.“ Wichtig sei jezt, dass am Straßburger Platz endlich gebaut werde, sagte SPD-Stadtrat Axel Bergmann, der die Veranstaltung organisiert hatte. „Wir mussten hier schon viel zu lange warten.“ Dietz-Vorstand Markus Engelmann will so schnell wie möglich damit beginnen: „Wenn es keine Verzögerungen beim Bebauungsplan gibt, fangen wir Ende des dritten Quartals an.“