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Wo es in Görlitz einen Malerwinkel gibt

Die Görlitzer Altstadt hatte schon vor 100 Jahren viel zu bieten. Aufschluss darüber gibt ein Ölgemälde, das der Museumsverein erwarb.

Der Görlitzer Malerwinkel: 1914 (links) und heute.
Der Görlitzer Malerwinkel: 1914 (links) und heute. © Fotos: Museum/Kai Wenzel, Nikolai Schmidt/ Montage

Romantisch traf der Görlitzer Maler Moritz Werner den sogenannten Görlitzer Malerwinkel auf seinem Gemälde von 1914. Der Blick geht von der Bäckerstraße über die Höfe des Untermarktes 4 und 5 zum Görlitzer Rathausturm.  Durch die Lichteinfälle und die pittoreske Bebauung der Höfe macht die Darstellung den Eindruck einer heilen Welt. 

So romantisch, heimelig und idyllisch ging es aber damals beileibe nicht in der Görlitzer Altstadt zu. Entgegen der großzügigen Bebauung in der Gründerzeitstadt wurde die Altstadt zum Wohnviertel einfacher Handwerker. So porträtiert  Werner auch den Görlitzer Kohlenhändler Moritz Roeder (ehemals Untermarkt 5) vor seiner Hofeinfahrt.  Ein Fuhrwerk und mehrere Handwagen im Hintergrund sowie der Firmenname links im Bild verweisen auf Roeders Geschäftsbetrieb. Und mit diesen Details schimmert auch der keineswegs idyllische Alltag durch Werners spätromantischen Malstil durch. 

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Das ist das Gemälde von Moritz Werner, das den Görlitzer Malerwinkel um 1914 zeigt.
Das ist das Gemälde von Moritz Werner, das den Görlitzer Malerwinkel um 1914 zeigt. © Museum/Kai Wenzel

Heute ist der Blick noch zu finden

Der Blick heute von der Bäckerstraße zum Rathaus
Der Blick heute von der Bäckerstraße zum Rathaus © Nikolai Schmidt

Wer heute den Blick sucht, kann ihn noch teilweise finden. Denn die Hofeinfahrt des Schlesischen Museums auf der Bäckerstraße lässt den Blick zum Rathausturm frei. Mit der Idylle der spätromantischen Darstellung Werners hat er aber nichts mehr zu tun.

Dass das Kulturhistorische Museum in Görlitz jetzt das Ölgemälde von Werner in seinen Besitz nehmen konnte, ist aber dem Verein der Freunde der Görlitzer Sammlungen zu danken. Sie erwarben das Bild aus altem Görlitzer Privatbesitz, teilt Museumssprecherin Kerstin Gosewisch mit. 

Der Maler Moritz Werner gehört zu den in Vergessenheit geratenen Görlitzer Künstlerpersönlichkeiten des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Anhand der Adressbücher lässt sich seine Tätigkeit als „Kunstmaler“ zwischen 1888 und 1926 verfolgen. Das Kulturhistorische Museum besitzt allerdings bisher nur wenige Werke von ihm. "Das nun von den Freunden der Görlitzer Sammlungen erworbene Gemälde ist daher eine wertvolle Ergänzung der Museumssammlung", sagt Frau Gosewisch. Und es ergänzt unser Bild der Zeit von vor 100 Jahren, wie es die Fotos aus der Sammlung des Görlitzer Fotografen Robert Scholz vielfach geprägt haben und das Ratsarchiv auch mit seinem Robert-Scholz-Kalender Jahr um Jahr beweist.

Foto-Aufnahmen von Robert Scholz, die das Görlitzer Stadtarchiv bewahrt: Hier das Hotel Vier Jahreszeiten in Görlitz zwischen 1915 und 1927...
Foto-Aufnahmen von Robert Scholz, die das Görlitzer Stadtarchiv bewahrt: Hier das Hotel Vier Jahreszeiten in Görlitz zwischen 1915 und 1927... © - keine Angabe im huGO-Archivsys
und hier eine Ansicht vom Töpferberg (Postplatz) um 1900 auf der östlichen Seite der Görlitzer Neiße. 
und hier eine Ansicht vom Töpferberg (Postplatz) um 1900 auf der östlichen Seite der Görlitzer Neiße.  © - keine Angabe im huGO-Archivsys

Verein sammelt jedes Jahr 10.000 Euro fürs Museum

Tatsächlich ist das für die Görlitzer Sammlungen der oftmals einzige Weg, um seine Gemäldesammlung zu erweitern. Der Ankaufetat des Görlitzer Museums ist so gering, dass das Museum allein keine großen Sprünge machen kann. Pro Jahr kann der Verein den Städtischen Sammlungen rund 10.000 Euro zur Verfügung stellen. "Es ist uns sehr wichtig, dass wir uns konkret in die Arbeit des Museums einbringen", sagte Klaus-Dieter Hübel, der Vorsitzende des Vereins, gegenüber der SZ. 

Der Verein sammelt nicht nur Spenden ein, seine Mitglieder helfen auch beim Aufbau von Ausstellungen, bei Festen und Veranstaltungen sowie der Ausbildung von Stadtführern. Andere der rund 75 Freunde der Sammlungen sind in der Museumspädagogik aktiv, bereiten Angebote mit vor und führen sie mit Kindern durch. 

Klaus-Dieter Hübel ist Vorsitzender des Fördervereins der Görlitzer Sammlungen.
Klaus-Dieter Hübel ist Vorsitzender des Fördervereins der Görlitzer Sammlungen. © Nikolai Schmidt

Aber natürlich wird die Arbeit des Vereins am sichtbarsten, wenn er ein Ausstellungsstück für das Museum erwirbt. So wie jetzt das Bild von Moritz Werner. Und damit die Görlitzer Kulturgeschichte bereichert.

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