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Straßburg-Passage hat jetzt ein Wohnzimmer

In der Görlitzer Passage hat ein Paar ein neues Geschäft eröffnet, ihr erstes. Zwei andere, langjährige Mieter ziehen aber aus.

Gregor und Tamara Kowalski und ihr Sohn Samule zur Eröffnung ihres neuen Geschäftes in der Straßburgpassage.
Gregor und Tamara Kowalski und ihr Sohn Samule zur Eröffnung ihres neuen Geschäftes in der Straßburgpassage. © Nikolai Schmidt

Ein bisschen wie im Wohnzimmer soll es aussehen. Mit Leuchtern und goldfarbenen Kugellampen an der Decke. Mit einer Sitzecke aus Sesseln und Beistelltisch. Selbst einen Wintergarten haben Tamara und Gregor Kowalski in ihrem Geschäft aufgebaut. Auf anderen Tischen stehen Vasen, „die sind aus Portugal“, erzählt Tamara Kowalski und deutet auf einige der glasierten Keramikvasen, in denen Blumen stehen. Sie machen das Geschäft aus: „70 bis 80 Prozent unserer Waren sind Kunstblumen.“ Am Dienstag hat das Geschäft Real Touch in der Straßburgpassage eröffnet.

Viele Einzelstücke

Für Tamara und Gregor Kowalski das erste eigene Geschäft. Vieles ist Deko, aber nichts ist Geschäftsdeko: Die ganze Einrichtung, ob Kleinmöbel oder Lampen, gehört zum Sortiment. „Wir wollten keine Regale hinstellen, in denen zig mal das gleiche Produkt steht“, sagt Gregor Kowalski.

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Er und seine Frau sind eigentlich Handelsvertreter, also die Verbindung zwischen Produzenten und Handel. „Wir sind vor allem in Osteuropa tätig.“ 2006 zogen die beiden von Frankfurt am Main nach Görlitz. Das Sortiment für ihr eigenes Geschäft haben sie im Grunde aus ihren Lieblingsstücken, die sie sonst Großhändlern vorstellen, zusammengestellt. Die Idee dafür ist ein Ergebnis der Coronakrise.

Idee kam durch die Coronakrise

Eine schwere Zeit, sagt Tamara Kowalski. Sie selbst waren während der Grenzschließung durch Polen, nun durch Risikogebiete in Osteuropa sehr eingeschränkt in ihrer Arbeit. „Aber es ist auch eine Zeit, in der man auf Ideen kommen kann.“ Im Schlaf zum Beispiel. „Wirklich, ich habe geträumt, wir hätten ein solches Geschäft“, erzählt Tamara Kowalski. „Beim Frühstück habe ich meinem Mann davon erzählt und wir haben beide abgewinkt und drüber gelacht.“ Aber so richtig wollte der Gedanke, einmal da, doch nicht verschwinden. „Ein paar Tage später sagte Gregor: Du, das Geschäft, wäre das nicht doch was?“

Das erste war eine Marktanalyse. Natürlich weiß das Paar, dass Görlitz auch Geschäfte  wie Depot oder Nanunana hat, die Wohnaccessoires anbieten. „Dann haben wir überlegt, was können wir vielleicht anders machen“, sagt Gregor Kowalski. Eine der Glasvasen ist gefüllt mit kleinen Kügelchen. Ein Granulat, in dem echte Pflanzen wachsen können und das abbaubar ist, erklärt er. „Das haben wir auf einer Messe entdeckt.“ Anderes ist Handarbeit, die Tische etwa und auch die Kunstblumen. Sie kommen größtenteils aus China, seien aber nicht industriell gefertigt, sagt Kowalski. „Sie sind von Hand so gearbeitet, dass sie sich wie echt anfühlen.“ Daher stammt auch der Name: Real Touch. Er steht in grünen Lettern über der Theke – aus echtem Moos, das sich über Luftfeuchte speist. Solche Moosbilder lassen Kowalskis auch für die Kunden herstellen.

Bettenhaus und Schuh-Lounge verabschieden sich

Was dem Wohnzimmer noch fehlt, ist ein neuer Nachbar: Gegenüber hatte früher Betten Rieger eine Filiale, die aber zum 31. Juli ausgezogen ist. Hintergrund waren Schwierigkeiten, passendes Personal für die Filiale zu finden, erzählt Geschäftsführerin Birgit Rieger. Dazu kam, dass eine Mitarbeiterin länger erkrankt ist. Und so wurde es schwierig, die Öffnungszeiten abzudecken. Das Bettenhaus Rieger hat lange zu den Stammgeschäften in der Straßburgpassage gehört.

Birgit Rieger führt das gleichnamige Bettenhaus in dritter Generation. Die Filiale in der Straßburg-Passage gibt es jetzt vorerst nicht mehr.
Birgit Rieger führt das gleichnamige Bettenhaus in dritter Generation. Die Filiale in der Straßburg-Passage gibt es jetzt vorerst nicht mehr. © Archiv: Pawel Sosnowski

1905 hatte Anton Rieger angefangen, Reste aus der Textilproduktion aufzuarbeiten. Daraus hatte Oskar Rieger später seine Firma für Polsterwatte im heutigen Liberec gegründet. Heute ist das Stammhaus in Schlauroth. 1999 hatte die Familie die Filiale in der Straßburgpassage eröffnet. Jetzt auszuziehen, „das ist schade“, sagt Birgit Rieger. Gerade auch mit Blick darauf, wie sich das Quartier zuletzt entwickelt hat. „Auf der Jakobstraße sind zum Beispiel sehr umweltbewusste Geschäfte entstanden, was eigentlich gut zu uns passt.“ Wenn es die Personallage irgendwann zulässt, würde sie auch wieder mit einer Innenstadt-Filiale liebäugeln.

Nach 15 Jahren mit der Schuh-Lounge - und 47 Jahren im Einzelhandel - verlässt auch Heidrun Lange die Straßburg-Passage. "Es war voriges Jahr schon geplant", erzählt sie. Sie wird in den Ruhestand gehen. Der 11. September soll der letzte geöffnete Tag sein - falls bis dahin noch Ware da ist. Denn viele Kunden kommen nicht nur wegen der reduzierten Schuhe - sondern auch, um sich zu verabschieden. 

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