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Neues Gesicht für den Scheune-Vorplatz

Viele haben an den Plänen für die Fläche mitgearbeitet. Trotzdem sind einige Neustädter unzufrieden.

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© André Wirsig

Von Ulrike Kirsten

Vor der Scheune trifft sich das Szeneviertel, ob Punker oder Student, Künstler oder Hipster. Der Platz vor der Scheune ist ein Stück Neustädter Identität. Das Areal möchte die Stesad GmbH ab Ende August neu gestalten. Aber nicht jedem im Stadtteil gefällt das. Unmut über die Pläne gibt es seit 2010, als erste Ideen aufkamen, wie die Fläche vom Kulturzentrum bis zur Alaunstraße aussehen könnte. Bei dem Konzept hatte die Stadt stets in enger Abstimmung mit dem Verein Scheune, Katys Garage und anderen Neustädter Initiativen wie der Schwafelrunde zusammengearbeitet. Dennoch kam an den Gestaltungsplänen immer wieder Kritik auf. Zuletzt im Dezember, als der aktuelle Planungsstand dem Ortsbeirat vorgestellt wurde.

Das Gremium hatte stets befürchtet, dass sich das Scheune-Umfeld in eine Betonwüste verwandeln und seine über Jahre gewachsene Identität als Treff für Bewohner, Touristen und Künstler verlieren könnte. Deshalb brachten die Ortsbeiräte weitere Anregungen ins Spiel, die die Stesad in ihre Pläne einarbeiten sollte. Statt exotischer Blauglockenbäume forderten die Grünen, dass großkronige Bäume, beispielsweise Linden, auf dem Platz gepflanzt werden. Christoph Meyer (SPD) erinnerte daran, dass der Bereich zwischen Katharinen- und Louisenstraße perspektivisch zur verkehrsberuhigten Zone werden sollte, wie es der Neustädter Ortsbeirat bereits im Herbst 2005 beschlossen hatte.

Zwar wurden einige Ideen aufgenommen, beispielsweise einen Strom- und Abwasseranschluss zu legen, damit der Platz künftig auch für Konzerte, Theatervorführungen oder einen Markt genutzt werden kann. Doch manchen Ortsbeiräten reichte das nicht. Die Linke wollte deshalb erneut über die Umgestaltungspläne der Stadtverwaltung beraten. Benita Horst (FDP) hatte zudem darauf gedrängt, eine bestandsnahe Sanierung zu prüfen. „Wir möchten das Projekt nicht stoppen. Wir wollen, dass die jahrelange Bürgerbeteiligung sich irgendwie in der Gestaltung wiederfindet. Das tut sie unserer Meinung nach nicht.“

Doch der erneute Vorstoß von FDP und Linken kam bei den übrigen Ortsbeiräten am Montag nicht gut an. Die Forderung nach einer bestandsnahen Sanierung fanden zwar viele Ortsbeiräte sympathisch. Sie lehnten den Antrag von Linken und FDP trotzdem ab. Somit muss die Stadt ihre bisherigen Planungen nicht einstellen, die Arbeiten können wie vorgesehen Ende August beginnen. Die sind längst ausgeschrieben. „Wir möchten das Projekt nicht behindern“, sagte Ortsbeirat Christoph Meyer (SPD). „Das muss jetzt endlich gemacht werden.“ Marcel Ritschel (Piraten) warf die Frage auf, ob es angemessen sei, erneute Verzögerungen bei der Sanierung in Kauf zu nehmen, wenn dadurch eingeplante Fördergelder nicht genutzt werden könnten. Bei der Gestaltung könne nicht jeder Wunsch berücksichtigt werden, sagte Torsten Abel. Der Ortsbeirat von den Grünen appellierte dennoch an die Stesad, heimische Bäume zu pflanzen und nicht die beabsichtigten Blauglockenbäume. Dabei hat die Stesad das bereits berücksichtigt. Denn auch Rosskastanien sollen künftig vor der Scheune wachsen. „Ich finde es sehr schade, dass der Antrag keine Mehrheit bekommen hat. Schön finde ich den Entwurf nach wie vor nicht“, sagte Benita Horst. Jetzt bekomme die Neustadt wohl doch einen „kleinen Postplatz“.

Ende August soll der Bau beginnen, gearbeitet wird in mehreren Abschnitten. Dabei entsteht ein etwa neun mal 90 Meter großer Platz entlang der Alaunstraße, der sich von der Scheune bis zum Parkdeck der neuen Turnhalle erstreckt. Im Frühjahr 2016 soll das Areal fertig sein.