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Neues Haus für die Windmühle

Zum 20-jährigen Bestehen hat der Windmühlverein kräftig investiert. Davon soll das ganze Umgebinde-Land profitieren. Erst mal wird aber gefeiert. 

Markus Kranich am neuen Gebäude auf dem Seifhennersdorfer Windmühlberg, das am Wochenende eingeweiht wird.
Markus Kranich am neuen Gebäude auf dem Seifhennersdorfer Windmühlberg, das am Wochenende eingeweiht wird. © Rafael Sampedro

Der imposante Glasbau glänzt in der Sonne. Arbeiter sind noch mit letzten Handgriffen beschäftigt. Am Wochenende, wenn die Bildungs- und Begegnungsstätte Windmühle ihr 20-jähriges Bestehen feiert, soll ein neues Gebäude auf dem Seifhennersdorfer Windmühlberg eingeweiht werden. 

Glaspalast wird das neue Gebäude im Ort schon genannt. Markus Kranich gefällt das gar nicht. "Das klingt so abgehoben. Wir sind aber ein offenes Haus", so der Geschäftsführer der Bildungs- und Begegnungsstätte. Tatsächlich ist der Neubau komplett verglast, besteht nur aus einem Alu-Gerüst und Glasscheiben. Das ermöglicht eine tolle Aussicht auf das Panorama in Richtung Zittauer Gebirge und auf die böhmischen Berge. Trotzdem wünscht sich Markus Kranich noch einen anderen Namen für das Haus. "Wir suchen noch nach einer zündenden Idee und nehmen gern Vorschläge an." Offiziell ist das hier der neue Infopunkt Oberlausitzer Umgebindehaus-Straße. Mit den anderen Gemeinden, die an der Umgebindehaus-Straße teilnehmen, hat  sich der Windmühlenverein darauf  geeinigt, dass hier in Seifhennersdorf ein Anlaufpunkt für Besucher zu dem Thema entstehen soll. Über die Leader-Förderung zur Entwicklung des ländlichen Raumes gab es einen Zuschuss für das neue Gebäude. Der Verein investierte auch Eigenmittel und steckte dieses Jahr insgesamt rund 500.000 Euro in das Gelände. 

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Im Infopunkt soll es vor allem möglich sein, größere Gruppen über das Thema Umgebindebauweise zu informieren. "Wo anders ist es nur schwer möglich, zum Beispiel Busgruppen aufzunehmen", so Markus Kranich. Im neuen Gebäude, das einen Raum mit einer Größe von rund 100 Quadratmetern umfasst, ist auch Platz für Vorträge oder Ausstellungen. "Und ein Umgebindehaus zum Anschauen haben wir hier auch", sagt Kranich mit Blick auf das Haupthaus der Begegnungsstätte - ein stattliches Umgebindehaus. Der neue Raum ist barrierefrei und sogar mit Induktionsschleifen ausgestattet. Die sorgen dafür, dass Hörgeschädigte das Vorgetragene deutlicher hören können. "Der Redner spricht quasi direkt ins Hörgerät. Sämtliche Nebengeräusche werden herausgefiltert", erklärt Kranich. Wenn man heute einen wirklich barrierefreien Veranstaltungsraum bauen will, sei das modernster Standard. 

Die alte Aufnahme zeigt, wie es auf dem Windmühlberg Anfang der 1990er Jahre aussah. Seinen Namen hat das Gelände von einer echten Windmühle. Sie stand aber nur bis 1850 hier. 
Die alte Aufnahme zeigt, wie es auf dem Windmühlberg Anfang der 1990er Jahre aussah. Seinen Namen hat das Gelände von einer echten Windmühle. Sie stand aber nur bis 1850 hier.  © privat

Bis zum Jahresende soll eine Ausstellung zur Umgebindehaus-Straße fertig sein. Sie soll dann ab dem Frühjahr im neuen Veranstaltungsraum Gäste für das Umgebinde-Land begeistern. Die Umgebindebauweise spielt schon länger eine Rolle auf der Windmühle. Regelmäßig veranstaltet der Verein mit Architekturstudenten Workshops zum Thema. Sie beschäftigen sich mit leer stehenden Umgebindehäusern, erstellen Pläne für eine neue Nutzung. Immer wieder arbeiten die jungen Leuten dabei auch an ganz konkreten Bauprojekten. Die Pläne für das Pilgerhäus'l in Hirschfelde sind beispielsweise bei so einem Workshop auf der Windmühle entstanden.

Das neue Gebäude ist nun anstelle der früheren Terrasse auf dem Windmühlengelände  errichtet worden. Unter drei alten Kastanienbäumen konnten Besucher und Herbergs-Gäste bislang hier sitzen. "Ja, die Kastanien", seufzt Markus Kranich. Dass sie gefällt wurden, habe schon auch für Aufsehen gesorgt in Seifhennersdorf und Kritik hervorgerufen. "Es tat uns allen leid um die Bäume. Aber sie waren morsch und nicht mehr standsicher", versichert er. Die nassen, hohlen Stämme hat er selbst auf Fotos festgehalten.

Die Kastanien sind auch noch auf alten Fotos aus der Zeit kurz nach der Wende zu sehen. Da lag das Gelände auf dem Windmühlberg schon brach. Zu DDR-Zeiten war hier ein Betriebsferienlager der Dresdner Flugzeugwerft und von Radeberger untergebracht. Es wurde aber Mitte der 1980er Jahre geschlossen, weil die Gebäude heruntergewirtschaftet waren. 1992 gründete sich der Windmühlenverein, der dann das Gelände zur Bildungs- und Begegnungsstätte ausbaute. Er betreibt heute die Anlage mit Seminarräumen und Übernachtungsmöglichkeiten. 1999 wurde sie eröffnet. 50 Mitglieder hat der Verein selbst. 13 Mitarbeiter sind in der Bildungs- und Begegnungsstätte beschäftigt. 7.000 bis 8.000 Übernachtungen zählt das Haus jährlich, so Geschäftsführer Markus Kranich. Kamen anfangs noch viele Kindergruppen und Schulklassen, konzentriert sich das Angebot der Windmühle heute mehr auf Erwachsene. Zahlreiche Workshops und Kurse werden angeboten. Oft nutzen Einheimische die Windmühle mit ihren Räumen für Familienfeiern, zum Beispiel Hochzeiten.

Gefeiert wird auch am Wochenende noch das 20-jährige Jubiläum der Bildungs- und Begegnungsstätte. Freitag: 17 Uhr Ausstellungseröffnung - Künstler des Hauses stellen ihre Werke aus, abends gibt es Lagerfeuerromantik mit Musik und Gesang; Sonnabend: 10 Uhr Festakt 20 Jahre Windmühle, 15 Uhr Kindertheater, 16 Uhr Lückendorfer Laienspielgruppe, 17 Uhr Puppentheater Lutz Männel, 20 Uhr Konzert mit Kurtl im neuen Saal; Sonntag: 14.30 Uhr Dankgottesdienst auf dem Windmühlberg.

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