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Radebeul

Neues Haus fürs evangelische Schulzentrum

In Eigenregie eine Schule bauen – das braucht nicht nur Geld, sondern auch viel Mut. Schon in der Baugrube gab es dort einige Überraschungen.

Das große Erdloch in der Wilhelm-Eichler-Straße ist der Vorbote für den Bau eines neuen Schulhauses, der bald starten soll. Ab August wird der Kran dort stehen.
Das große Erdloch in der Wilhelm-Eichler-Straße ist der Vorbote für den Bau eines neuen Schulhauses, der bald starten soll. Ab August wird der Kran dort stehen. © Norbert Millauer

Radebeul. Wer in den letzten Wochen durch die Wilhelm-Eichler-Straße gekommen ist, dem fiel sicherlich die große Baugrube links neben der Schule auf. Dort, wo bis vor Kurzem noch alte Garagen standen, soll in den nächsten Monaten ein ganz neues Schulhaus entstehen. 400 Quadratmeter Grundfläche, drei Geschosse. Mit einem Verbindungsgang zum alten Gebäude.

Bauherr ist das evangelische Schulzentrum, das dringend mehr Platz benötigt. Seit letztem Schuljahr gehen nicht nur Erst- bis Viertklässler in die Privatschule, auch eine fünfte und bald sechste Klasse gibt es jetzt. Nach und nach wird so eine Oberschule bis zur zehnten Klasse wachsen. Im Neubau sollen deshalb neben weiteren Klassenräumen Fachkabinette für den Physik- und Chemieunterricht entstehen, sagt Falk Wenzel, der den Bau betreut und ab kommendem Schuljahr den Geschäftsführerposten übernimmt.

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Weil es sich nicht um eine staatliche Einrichtung handelt, muss der Schulverein alle Planungen selbst übernehmen. In den letzten Jahren wurden mit großem Aufwand Spenden für das Projekt gesammelt, unter anderem bei mehreren Spendenläufen. Das allein reicht aber nicht. 

Einen Kredit von über drei Millionen Euro musste der Verein allein für den Neubau aufnehmen. Hinzu kommt ein Darlehen von rund 400 000 Euro für die Übergangszeit, bis das Gebäude steht. Viel Geld, mit dem der Verein, in dessen Vorstand alle ehrenamtlich arbeiten, umgehen und planen muss. „Wir gehen alle mit großer Demut an diese Aufgabe. Das ist schon eine Riesennummer“, sagt Falk Wenzel.

Der Plan der Architekten zeigt, wie das dreigeschossige Gebäude am alten Haus mittels Übergang angedockt wird.
Der Plan der Architekten zeigt, wie das dreigeschossige Gebäude am alten Haus mittels Übergang angedockt wird. © Visualisierung: Isfort Architekten, Buchner und Wi

Der Anbau wird über einen Verbindungsgang mit dem alten Gebäude verbunden. Außerdem ist ein Fahrstuhl geplant, damit künftig auch Rollstuhlfahrer an der Schule lernen können. Im Februar 2021 soll spätestens alles fertig sein. Die ganze Schule hofft auf einen reibungslosen Ablauf.

Die erste unerfreuliche Überraschung gab es allerdings schon. Wo das Schulhaus entstehen soll, stießen Bauleute noch auf Kellergewölbe eines Wohnhauses, das dort vor Jahren mal stand. Allein die Entsorgung des Schutts und der Abriss der Garagen kosteten 40 000 Euro.

Früher standen auf dem Gelände des alten Amtsgerichts noch mehr Gebäude. Sauna, Schießbahn und Gefängniszellen gab es, sagt Wenzel. „Wir stoßen überall noch auf Schutt.“ Selbst im Schulgarten mussten Hochbeete aufgestellt werden, weil unter einer dünnen Humusschicht schon die Bauübereste zutage traten.

Damit das Großprojekt Schule überhaupt gelingen kann, braucht es das Engagement vieler. „Wir sind keine Institution, in der man sein Kind einfach nur abgibt“, sagt Wenzel. Stattdessen gebe es ein reges Miteinander. Eltern und Großeltern, die sich für den Schulgarten engagieren. Andere, die sauber machen oder auch mal in der Küche aushelfen, wenn dort jemand krank ist. „Auch die Lehrer engagieren sich hier über Gebühr“, so der Geschäftsführer.

Wer sein Kind auf die Privatschule schicken möchte, muss für die Grundschule monatlich 59,20 Euro und für die Oberschule 132,47 Euro zahlen. Für das neue Schuljahr gibt es kurzfristig noch einen freien Platz in der Oberschule, sagt Wenzel. Zur Philosophie der Einrichtung, die nach dem Grundgedanken der Montessori-Pädagogik „Hilf mir, es selbst zu tun“ arbeitet, gehört, gerade auch zartbesaitete Kinder aufzunehmen, die dem Leistungsdruck an staatlichen Schulen weniger gewachsen sind.

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