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Neues Kinderheim kommt an die Weißiger Straße

Der Bedarf steigt in der Region. Doch Plätze sind rar. Das soll sich nun ändern. Dabei entstehen auch Arbeitsplätze.

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Von Matthias Weigel

Der letzte Bagger drehte sich an der Weißiger Straße 28 im Jahr 2011. Damals verschwanden hier die letzten alten und leer stehenden Bergmanns-Wohnhäuser der Wohnungsgesellschaft WGF. Vier Jahre später nun rücken erneut die Bagger an. Dieses Mal, um etwas aufzubauen. Der Kinder- und Jugendhilfeverbund Freital (KJV) wird hier ein Heim errichten. Im Spätsommer soll Baustart sein. Das Grundstück erwirbt der KJV von der WGF.

So in etwa soll das neue Kinderheim von der Weißiger Straße her aussehen. Links befindet sich die Inobhutnahme, rechts das Heim. Verbunden ist das Ganze mit einem Funktionsgebäude. Entwurf: Architektur + Planungsbüro Hardy Wolf
So in etwa soll das neue Kinderheim von der Weißiger Straße her aussehen. Links befindet sich die Inobhutnahme, rechts das Heim. Verbunden ist das Ganze mit einem Funktionsgebäude. Entwurf: Architektur + Planungsbüro Hardy Wolf

„Die Grobplanung ist fertig und die letzten Feinabstimmungen laufen“, sagt Geschäftsführer Tobias Schmieder. Der Pesterwitzer Architekt Hardy Wolf hat die Planung des Neubaus auf der grünen Wiese im Wesentlichen abgeschlossen. Die Ausschreibungen und abschließenden Schritte sind in Vorbereitung. Entstehen wird ein langgezogener, in den Hang hinein gebautes Gebäude. Auf der linken Seite wird ein Bereich für Inobhutnahmen entstehen. Acht Plätze in Einzelzimmern mit Sanitärzelle für Kinder und Jugendliche zwischen null und 18 bzw. 21 Jahren sind vorgesehen. Rechts wird eine stationäre Einrichtung, also ein Heim mit 16 Plätzen in Einzelzimmern für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren entstehen. Im Zwischenbau richtet der KJV Gemeinschaftsräume und Zimmer für Personal, Küche und sanitäre Anlagen ein.

Das 4 800 Quadratmeter große Grundstück bekommt außerdem ein üppiges, kindgemäßes Außengelände. Neben viel Grün wird ein Sportplatz angelegt, zudem ein Spielplatz und ein Kleintierbereich. „Gerade für traumatisierte Kinder kann der Kontakt zu Tieren heilsam sein und für Therapiezwecke genutzt werden“, sagt Schmieder. Eine Kooperation mit dem Tierheim ist dazu außerdem angedacht. Auch an guter Nachbarschaft hat der KJV Interesse, will die Leute mal einladen.

Die Fertigstellung des Baus ist für das vierte Quartal 2016 geplant. Tobias Schmieder schätzt zwischen 14 und 16 neue Mitarbeiter, die dann eingestellt werden sollen. Sozialpädagogen, Heilerziehungspfleger, Erzieher, technisches Personal. „Und wir wollen dort auch mit Honorarkräften zusammenarbeiten, wie Ärzte, Psychologen, Therapeuten“, sagt Schmieder. Betrieben wird die Einrichtung rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Die Investition – immerhin ist von einem siebenstelligen Betrag die Rede – finanziert der KJV aus Krediten. Refinanziert wird das Ganze über ein Belegungsentgelt vom Landkreis. „Wir bauen aber keinen Luxus, sondern den geforderten Standard des Freistaates“, betont Schmieder. Untergebracht werden sollen vor allem Kinder und Jugendliche aus dem Landkreis mit Schwerpunkt Freital und Umgebung.

Denn genau hier gibt es einen steigenden Bedarf und die Heime von Awo, IGS oder DRK – auf der Burgker Straße, Burgwartstraße oder in Dorfhain – sind schon jetzt gut ausgelastet, Engpässe an Wochenenden vorhanden. Laut Kreisjugendamt gab es Mitte 2008 nach der Kreisreform 125 Kinder und Jugendliche, die kreisweit untergebracht werden mussten. Ende 2013 waren es bereits 228, Tendenz steigend. Alle Träger zusammengenommen gibt es allerdings nur 188 Plätze. Mit dem Neubau vom KJV soll die Situation aufgefangen werden. Das neue Heim ist laut Schmieder dann das größte in der Region. „Wenn die Kinder, warum auch immer, zu Hause raus müssen, ist das kein Spaß. Der Landkreis will dafür sorgen, dass es für alle Betroffenen auch künftig gute Bedingungen gibt“, so der Geschäftsführer. Der Landkreis war es letztlich auch, der auf den KJV zugekommen ist. „Als örtlicher Träger der Jugendhilfe sind wir dafür verantwortlich, zu regeln, wie Kinder unterkommen, die nicht zu Hause leben können“, sagte der zuständige Abteilungsleiter im Landratsamt, Dietmar Schneider, bereits bei Bekanntwerden der Pläne. Der Standort Freital ist kein Zufall: „Wir wollen möglichst wohnortnah unterbringen“, sagt Schneider. Die vertraute Umgebung, das soziale Netz sollen bleiben. Ziel sei es ja, Familien vor Ort so zu unterstützen, dass die Kinder nicht mehr ins Heim müssten. Darum habe man sich erst schwergetan, eine neue Einrichtung zu bauen, statt mehr präventiv oder mit mehr Pflegefamilien zu arbeiten. Doch der Bedarf macht es nötig. Eine öffentliche Vergabe an „irgendjemanden“ wollte man aber nicht. „Der Verein ist vor Ort, gut vernetzt, etabliert und gut aufgestellt und kann das auch pädagogisch und wirtschaftlich stemmen“, sagt Schneider.

Der KJV ist in Freital seit mehr als zehn Jahren aktiv. Er hat ungefähr 45 Mitarbeiter. Projekte des Vereins sind u. a. das Jugendzentrum Oppelschacht, die Bunte Villa Hainsberg, das Kinder- und Jugendwohnhaus Burgker Straße, die Sozialarbeit für Freital und das Sozialkoordinationsbüro.