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Neues Stück blickt tief in die menschliche Seele

Mit der Premiere von „Am schwarzen See“ am Zittauer Theater erfüllt sich der Regisseur einen Wunsch.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Von Jan Lange

Zittau. Theater soll die Besucher zum Nachdenken bewegen, zum Diskutieren anregen und Fragen aufwerfen. In dem neuen Zittauer Stück „Am schwarzen See“, das am Freitag Premiere hat, geschieht dies sehr eindrücklich. Die Tragödie ergründet die Tiefen der menschlichen Seele. Wie gehen wir mit schicksalhaften Ereignissen um und verarbeiten Schmerz, Trauer und Verlust? Gleichzeitig hinterfragt das Stück moderne Lebensentwürfe, zunehmend ausgerichtet auf den unbedingten Willen zur Karriere und unserer Abhängigkeit von materiellen Werten. „Wenn wir es mit dem Stück schaffen, dass die Zuschauer miteinander reden über Dinge, die alle betreffen, dann wäre das grandios“, findet Stephan Bestier, der mit „Am schwarzen See“ seine jüngste Regiearbeit abliefert.

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Für Regisseur Stephan Bestier geht damit ein Wunsch in Erfüllung.
Für Regisseur Stephan Bestier geht damit ein Wunsch in Erfüllung. © Pawel Sosnowski

Eigentlich als Schauspieler am Zittauer Theater engagiert – zuletzt schlüpfte er beispielsweise in die Rolle des Conférencier in dem Musical „Cabaret“ –, inszeniert der 35-Jährige gelegentlich auch. Dieses Mal sei es ein Wunschstück, das er der Zittauer Schauspielintendantin Dorotty Szalma schon vor einigen Jahren vorgeschlagen hatte. Vor der aktuellen Spielzeit kam die Theaterchefin dann auf ihn zu und sagte, dass er das Stück machen könne. „Ich finde es toll, dass man auch mal so ein Stück in Zittau spielt“, sagt Bestier.

Ein leicht verdauliches Stück ist es jedenfalls nicht. Zwei Ehepaare treffen nach Jahren in einem Haus am See aufeinander und müssen den Tod ihrer beiden Kinder verarbeiten. Die waren ein Liebespaar und haben zusammen auf dem „schwarzen See“ Suizid begangen. Jede der vier Personen geht mit dem Verlust und der Aufarbeitung unterschiedlich um.

Als Bühnenbild hat der Regisseur zusammen mit seiner Ausstatterin Gretl Kautzsch ein zweigeschossiges Haus ausgewählt, das von allen Seiten offen ist und um das die Zuschauer wie im Kreis sitzen – teilweise ebenfalls erhöht. Die obere Etage ist das Wohnhaus, in dem die beiden Ehepaare zusammenkommen, die untere soll der Raum sein, in dem das Boot liegt, mit dem die Kinder seinerzeit auf den See gefahren sind und sich umgebracht haben. „Jeder der Protagonisten flieht irgendwann mal hier herunter“, sagt Bestier.

Trotz der ungewöhnlichen Sitzanordnung bestehe aber nicht die Gefahr, dass die Darsteller für einen Teil der Zuschauer immer nur von hinten zu sehen sind, da sie sehr oft ihre Position wechseln, beruhigt der Regisseur. Für die Schauspieler sei es wiederum spannend, dass durch das offene Bühnenbild alles zu sehen ist. „Sie können sich nicht zurücklehnen, sind immer präsent“, erklärt Stephan Bestier. Je nachdem wo die Zuschauer sitzen, können sie verschiedene Eindrücke mitnehmen. Sie sehen aber auch die Zuschauer gegenüber und deren Reaktionen.

Die im bayerischen Traunstein geborene Autorin Dea Loher hat das Stück „Am schwarzen See“ bereits vor vielen Jahren verfasst. Uraufgeführt wurde es 2012 im Deutschen Theater Berlin und seitdem an einigen Bühnen des Landes gespielt – so in Göttingen, Kiel und Freiburg. Nun wird die Tragödie auch am hiesigen Gerhart-Hauptmann-Theater aufgeführt.

Bestier lässt keinen Zweifel daran, dass er ein großer Fan von Dea Loher ist. Bei seinem Vordiplom sei er erstmals auf die Autorin und ihr Werk „Manhattan Medea“ gestoßen. „Ich musste immer mehr von ihr lesen“, erzählt der 35-Jährige. Später habe er sich dann auch mit dem Stück „Am schwarzen See“ beschäftigt. „Es hat mich nachdenklich zurückgelassen“, gibt er rückblickend zu.

Einen nahe stehenden Menschen habe er zwar noch nicht verloren, aber die Frage, was der richtige Lebensentwurf ist, beschäftigt auch ihn. Und das gerade jetzt. Denn der gebürtige Wolgaster, der seit 2009 am hiesigen Theater spielt, hat vor einigen Monaten entschieden, das Zittauer Ensemble zum Ende der aktuellen Spielzeit zu verlassen und künftig als freier Schauspieler und Regisseur arbeiten zu wollen. Es habe durchaus auch Zweifel gegeben, ob es die richtige Entscheidung war, erzählt Bestier. Schließlich sei es verdammt schwer, einen Schritt zu gehen, der auch Unsicherheit bedeutet. Momentan brauche er sich aber keine Sorgen zu machen. In der kommenden Spielzeit wird er ans Gerhart-Hauptmann-Theater als Gast zurückkehren und sowohl in Zittau wie auch in Görlitz ein Stück auf die Bühne bringen. Dazu kommt noch ein Angebot für den Sommer 2019 an einem anderen Theater. „Es gibt keinen Stillstand“, ist der 35-Jährige froh.

Positiv ist er auch an das aktuelle Stück herangegangen. Vom ersten bis zum letzten Probentag habe er alles vorher durchgeplant. So konnten ihm auch die krankheitsbedingten Ausfälle und der zwischenzeitliche Stillstand der Proben nicht schrecken. „Der eingeplante Puffer war so groß, dass es gereicht hat“, erklärt er kurz vor der Premiere. Das habe auch am Team gelegen, das er als super bezeichnet. In „Am schwarzen See“ spielen Renate Schneider, Marc Schützenhofer, Kerstin Slawek und David Thomas Pawlak mit

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Während „Am schwarzen See“ hoffentlich auch vom Publikum angenommen wird, ist Stephan Bestier schon mit seinen Gedanken bei den nächsten Arbeiten: Auch in „Venedig im Schnee“, das im Schillergarten gespielt wird, und auf der Waldbühne ist er noch dabei.

„Am schwarzen See“ hat Premiere Freitag, um 19.30 Uhr im Theater hinterm Vorhang. Weitere Vorstellungen: 13. und 18. April sowie 21. Mai, jeweils um 19.30 Uhr.