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Meißen

Neues Umspannwerk gegen Stromausfall

Die Enso baut an der Niederauer Straße eine fast komplett neue Anlage. Ein Grund ist die Energiewende.

Steffen Müller und William Bittner von Enso Netz kontrollieren einen Transformator im Umspannwerk an der Niederauer Straße in Meißen. Im Sommer wird dieser durch eine kleine Kühlanlage auf Temperatur gehalten.
Steffen Müller und William Bittner von Enso Netz kontrollieren einen Transformator im Umspannwerk an der Niederauer Straße in Meißen. Im Sommer wird dieser durch eine kleine Kühlanlage auf Temperatur gehalten. © Claudia Hübschmann

Von Maximilian Helm

Meißen. An diesem frühen Montagnachmittag weht ein kräftiger Wind und sogar die Sonne bricht hin und wieder durch die Wolken. Es ist beinahe ein idealer Tag für die Gewinnung von Strom aus erneuerbaren Energien. Doch vor dem Meißner Umspannwerk am Ortsausgang Richtung Niederau stehen gut 20 behelmte Männer und Frauen und sind bei dieser Thematik offensichtlich zwiegespalten.

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Insgesamt fünf Millionen Euro wird Netzbetreiber Enso in den kommenden Jahren in diesen Standort investieren und dabei einen Großteil des Umspannwerkes erneuern. Hier kommt der 110-Kilovolt-Drehstrom aus dem Hochspannungsnetz an, wird auf 20 Kilovolt heruntertransformiert und an die kleineren Trafo-Kästen in Meißen und Umgebung verteilt, die den Strom dann an die Haushalte geben.

Das Umspannwerk wurde 1974 gebaut. Das gilt jedoch auch für weite Teile der Technik, die dringend erneuert werden müssen. „Die Instandhaltung ist immer teurer geworden, weshalb wir uns nun entschieden haben, die ganze Anlage zu sanieren“, sagt Michael Berndt, bei Enso Netz verantwortlich für die Hochspannungsleitungen.

 Auf dem Gelände des Umspannwerkes wird ein neues Gebäude entstehen, worin die Sicherheitstechnik untergebracht sein wird. Bisher ist die, gemeinsam mit den anderen Anlagen, in einem einzigen Raum untergebracht, was im Falle eines Brandes für enormen Schaden sorgen würde. 

Dann wird eine Hälfte der Schaltanlage vom Netz genommen und erneuert. Danach ist die andere Hälfte an der Reihe. Ausfälle seien dabei ausgeschlossen, betonen die Verantwortlichen. Bis 2021 soll der Bau komplett abgeschlossen sein, beteiligt sind ausschließlich Firmen aus Sachsen.

Diese Maßnahmen sind auch als Vorbereitung auf die Energiewende nötig. Denn Kohle- und Ölkraftwerke haben bei aller Umweltbelastung den Vorteil, dass sie meist sehr konstant Strom liefern. 

Diesen Vorteil haben beispielsweise auch Offshore-Windparks auf hoher See. Im Gegensatz dazu sind andere erneuerbare Energien wetterabhängig und werden direkt vor Ort gewonnen und meist auch genutzt. Das bedeutet, dass der Strom gar nicht erst durch das Umspannwerk fließt.

Es sei denn, die Sonne scheint so stark, dass mehr Strom gewonnen, als benötigt wird. Denn dann muss dieser Überschuss durch das Umspannwerk wieder in das große, überregionale Hochspannungsnetz eingespeist werden. 

„An diese Art des ‚Rückwärts-Betriebs‘ war noch gar nicht zu denken, als das Werk gebaut wurde“, sagt Michael Berndt. Das, und auch die dadurch entstehenden Schwankungen im Stromnetz, setzten auch dem Material zu.

Dafür sorgen die erneuerbaren Energien an anderer Stelle für Entlastung. „Die alten Transformatoren haben eine Nennleistung von knapp über 31 Megawatt, Meißen und Umgebung haben in Spitzenzeiten einen Bedarf von 32 Megawatt“, sagt Steffen Heine, Geschäftsführer der Enso Netz.

 Ohne dezentrale Stromerzeugung könnte es daher eng werden. Auch deshalb werden die neuen Transformatoren eine Nennleistung von 40 Megawatt haben und können, falls Bedarf besteht, sogar auf bis zu 63 Megawatt ausgebaut werden. „Besonders die Elektromobilität könnte den Bedarf erhöhen“, sagt Heine.

Bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien hinkt die Stadt Meißen weiter hinterher. Denn während im gesamten Enso-Netz, das einen Großteil Ostsachsens abdeckt, bereits ein Drittel des transportierten Stroms aus alternativen Quellen stammt, sind es in der Stadt nur knapp zehn Prozent. 

Das liegt insbesondere an der Abwesenheit von Windkrafträdern im Stadtgebiet, Photovoltaik-Anlagen hingegen sind recht häufig. Doch damit ist Meißen nicht allein – auch die Stadt Dresden habe, laut Steffen Heine, eine eher mäßige Bilanz bei erneuerbaren Energien.