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Neues Zuhause für Behinderte

Soziales. Die „Lebenshilfe für geistig behinderte Menschen“ hat siebenkleine Wohnungen in der Neustädter Straße 5 inBischofswerda gebaut.

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Von Helga Koch

Maik, Ende 20, ist begeistert: „So ‘ne schöne Wohnung!“ Auch Jörg schwärmt: „Schön!“ Beide gehören zu den sieben Behinderten, die in der Bischofswerdaer Behindertenwerkstatt arbeiten und jetzt in ihre eigenen vier Wände ziehen.

„Wir haben seit mehreren Jahren nach einem geeigneten Haus in Bischofswerda gesucht. Als sich dann für einen Mitarbeiter aus der Werkstatt anbahnte, ins Heim gehen zu müssen, weil er in seiner bisherigen Wohnung in einem Mehrfamilienhaus völlig vereinsamt war, haben wir gehandelt“, sagt Regina Schwarz, Geschäftsführerin der „Lebenshilfe für geistig behinderte Menschen“ in Bischofswerda. Weil das Fortbildungswerk die Räume in der Neustädter Straße 5 nicht mehr benötigte und die Villa ziemlich nahe am Stadtzentrum liegt, nahm der Verein einen Kredit auf und kaufte das reichlich 600 Quadratmeter große Grundstück von einer Erbengemeinschaft. Im Herbst 2004 begann der Umbau. Dafür investierte der Verein noch mal eine ähnliche Summe wie für den Kauf, obwohl viele Arbeiten in Eigenleistungen erledigt wurden. „Wir haben viel geplant und viel verworfen. Aber es ging auf. Es sind sieben Einraumwohnungen entstanden.“

Zu jeder gehört eine kleine Küchenzeile mit Kühlschrank, Spüle und zwei Kochplatten, außerdem eine Nasszelle mit Dusche. Zusätzlich gibt es im Erdgeschoss ein Bad mit Wanne, das alle nach Bedarf nutzen können. Im Gemeinschaftsraum stehen eine gemütliche Polsterecke und ein Fernseher, daran grenzt die Terrasse. Im Keller gibt es eine Waschmaschine, in der die Bewohner ihre Leibwäsche selbst waschen können. „Frühstück und Abendbrot bereiten sich alle selbst zu. Am Wochenende wird den meisten das Mittagessen aus der Behindertenwerkstatt geliefert“, sagt Susann Schöne. Sie arbeitet als Heilerziehungspflegerin beim Familienentlastenden Dienst der Lebenshilfe in Großdrebnitz und wird nun auch die sieben Bewohner in der Villa je nach Bedarf betreuen. „Sie sollen lernen, so selbstständig wie möglich zu leben. Dabei helfe ich“, sagt Susann Schöne. Die Bewohner könnten in der Nähe selbst einkaufen, mal ins Stadtzentrum zum Imbissstand oder ins Kino gehen, mit dem Bus oder Fahrrad zur Arbeit fahren. Natürlich könnten sie auch Besuch empfangen. Ein weiterer Vorteil: Sie haben immer jemanden zum Reden in der Nähe und brauchen nicht allein in ihren vier Wänden sitzen.

Noch ist nicht alles fertig

„Als alle Wohnungen vergeben waren, sind sogar noch mehr Anfragen gekommen“, sagt Regina Schwarz. Am Freitag ist Bernd als Dritter eingezogen. In zwei Wochen zieht Susanne ein. Ein junger Mann, der zurzeit noch an der Förderschule in Neukirch lernt, wird als letzter einziehen. „Als er zum ersten Mal seine künftige Wohnung besichtigt hat, war noch nicht mal Putz an den Wänden. Er war wohl nicht sehr angetan“, sagt Susann Schöne und schmunzelt. „Jetzt wird es ihm richtig gut gefallen.“

In der nächsten Zeit werden in der Behindertenwerkstatt noch ein paar Verkleidungen für Heizkörper gebaut, später sollen die Fenster von außen gestrichen werden. „Zwei Mitarbeiter unserer Außengruppe wohnen jetzt hier. Sie haben am Wochenende den Rasen gemäht und abgeharkt“, freut sich Regina Schwarz. Wie die Bewohner künftig das Areal hinterm Haus gestalten, ob sie eine Grillecke einrichten oder ein paar Beete anlegen, sollen sie selbst entscheiden.