merken
PLUS Löbau

Neugersdorf will kein Favorit sein

Heute beginnt für die Oberligafußballer des FCO die Saison. Durch den Kader geht ein Bruch. Schlecht muss das nicht sein: Alle Spieler im Überblick.

Der 1,91 Meter große Mittelstürmer Josef Marek geht in seine vierte Saison beim FC 0berlausitz, für den er in der Regionalliga in bislang 68 Spielen 24 Tore schoss.
Der 1,91 Meter große Mittelstürmer Josef Marek geht in seine vierte Saison beim FC 0berlausitz, für den er in der Regionalliga in bislang 68 Spielen 24 Tore schoss. © Florian Richter

Zweieinhalb Monate ist es her, da feierte der FC Oberlausitz Neugersdorf mit einem 2:1-Sieg bei Lok Leipzig ein versöhnliches Saisonende in der Regionalliga. Durch den Sieg war der FCO noch bestes ostsächsisches Team der Liga geworden (vor Bischofswerda und Absteiger Bautzen). Kapitän Karl Petrick sagte nach dem Spiel: „Wir wollten unbedingt diese Liga halten, auch im nächsten Jahr dabei sein. Ich hoffe, dass wir uns dann alle wiedersehen.“

Es ist anders gekommen. Die Neugersdorfer haben ihre Mannschaft in die Oberliga zurückgezogen, weil eine Etatlücke nicht geschlossen werden konnte. Die Gegner heißen statt Lok Leipzig, Rot-Weiß Erfurt, BFC Dynamo oder Energie Cottbus jetzt VfB Krieschow, Union Sandersdorf oder auch Carl-Zeiss Jena II. Ein erheblicher Teil der Regionalliga-Mannschaft hat den Verein verlassen.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Trotzdem – es hätte schlimmer kommen können. Die Neugersdorfer haben es geschafft, eine Achse mit erfahrenen Regionalligaspielern zu halten: Torwart Havranek, die Abwehrspieler Rosa, Wolf und Sisler, im Mittelfeld Routinier Dittrich, Kapitän Petrick und auch Moravec, im Sturm Marek. Im mittleren Fußballeralter (zwischen 23 und 28 Jahren) gibt es eine Lücke, danach aber eine ganze Schar junger Spieler, die sich zum Teil bereits in der Regionalliga gezeigt haben (von Brezinski, Djahdou), zum großen Teil aber den Durchbruch auf Männerniveau erst noch schaffen müssen. Viele kommen aus der eigenen A-Junioren-Mannschaft, die in der vergangenen Saison Regionalliga spielte, den Klassenerhalt aber verpasste. Auch die Neuzugänge (Hoffmann, Merkel, Wockatz und Seibt) gehören eher in diese Kategorie. Und auch der Trainer ist neu: Stefan Fröhlich hat den erfolgreichen Interimscoach Thomas Hentschel abgelöst: Fröhlich ist ein gebürtiger Löbauer, der einen Großteil seiner aktiven Laufbahn in Neugersdorf gespielt hat. Sechs Jahre auch in Bautzen, wo er zuletzt neben Torsten Gütschow Co-Trainer des Regionalligateams war.

Er weiß, dass die Konkurrenten in der Oberliga seine Mannschaft angesichts der „Regionalliga-Achse“ mit aufs Favoritenschild heben werden. Er ist da deutlich zurückhaltender: „Man muss dazu anmerken, dass unsere Regionalligaspieler zwar das Niveau für diese Liga haben, aber eben eher unteres Regionalliganiveau. Sonst hätten sie in der vergangenen Saison nicht so lange gegen den Abstieg gespielt. Und der große Anteil sehr junger Spieler birgt natürlich auch Unsicherheiten. Ich denke, wir sollen erst einmal ein paar Spiele vergehen lassen, bevor wir uns einordnen“, sagt Fröhlich, der skeptisch bleibt, auch weil es ja sein könne, dass sich mal mehrere Leistungsträger verletzen oder gesperrt fehlen. Eine offizielle Zielstellung gibt es nicht, Fröhlich „redet von Mittelfeld, sogar oberem Mittelfeld“. Und vielleicht könne man das Ziel nach den ersten sechs, sieben Spielen auch konkretisieren.

Ganz viel hing in der vergangenen Saison an der Einsatzfähigkeit des Mittelstürmers Josef Marek. Der Tscheche fehlte einen Großteil der Saison verletzt, sein Ausfall konnte letztlich nicht kompensiert werden. Mit ihm, wenn auch längst noch nicht fit, lief es gleich deutlich besser. Dass sich Marek laut Fröhlich auf dem Weg „hin zu alter Stärke“ befindet, ist ein Grund für Optimismus.

Ansonsten wird es in dieser Saison besonders darauf ankommen, die jungen Spieler weiterzuentwickeln. Fröhlich bestätigt, dass sie Oberligapotenzial und sich in der Vorbereitung reingekniet haben. In die Karten schauen lassen, wer ihn bislang besonders überzeugt hat, wollte er aber nicht. Ein Vorteil wird sicherlich sein, dass die Talente ihre Erfahrungen in der Oberliga umgeben von gestandenen Spielern machen können, die auf dem Platz auch mal ansagen, was geht und was nicht.

Ein Problem dürfte auf der anderen Seite sein, dass den Jungs nach dem kompletten Rückzug der zweiten Mannschaft (bislang Landesklasse) eine Möglichkeit fehlen wird, Spielpraxis zu sammeln. Das trifft natürlich auch auf Stammspieler zu, die zum Beispiel von einer Verletzung kommen. Stefan Fröhlich sagt: „Der Rückzug der Mannschaft hat mich auch überrascht. Ich werde versuchen, den Spielern Spielpraxis über Freundschaftsspiele zu verschaffen.“ Zum Beispiel tritt die Mannschaft nach dem Saisonauftakt beim Oberliga-Aufsteiger Martinsroda am Sonntag in Bautzen an. Ein großer Freund von Rotation scheint Fröhlich, folgt man seinen Worten, nicht zu sein. „Ich werde nicht sehr viel rotieren, eher mal, um Zeichen zu setzen. Aber es wird Verletzungen, Sperren und vielleicht auch mal die Umstellung auf ein anderes System geben. Dann müssen sich die Spieler beweisen, die am Anfang erst mal hinten dran sind.“

Ganz wichtig – das ist zwar eine Phrase, aber sie stimmt einfach – wird der Saisonauftakt. Auswärts geht es zunächst zu zwei Aufsteigern: Martinsroda (Thüringen) und Grimma (Sachsen). Zum ersten Heimspiel dazwischen kommt der VfL Halle, der in der vergangenen Saison knapp den Klassenerhalt geschafft hatte. In alle drei Partien geht der FCO als Favorit, auch wenn die Euphorie gerade bei den Aufsteigern in ihren ersten Heimspielen groß sein wird. Am vierten Spieltag (am 31. August) aber kommt ein echtes Spitzenteam: der FSV Luckenwalde, der in der vergangenen Saison mit nur einem Punkt hinter dem Meister und Regionalliga-Aufsteiger Chemie Leipzig Tabellenzweiter wurde. Spätestens danach werden die Neugersdorfer wissen, wo die Reise in dieser Saison hingehen könnte.

Der Kader des FC Oberlausitz

Es fehlen: Max Starschinski (18, Neuzugang eigene Jugend), Tobias Drassdo und Mohamed Djahdou.

Das Team um das Team

Die Sächsische Zeitung wünscht dem FC Oberlausitz eine erfolgreiche Saison.

Mehr lokale Artikel:

www.sächsische.de/zittau

www.sächsische.de/loebau

Mehr zum Thema Löbau