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Neugersdorfs „Schmuckstückle“ wartet auf Mieter

Eine Stiftung aus Schwaben ist mit der Sanierung des Eckhauses Eichendorffstraße fast fertig. Sie hat schon neue Pläne.

© Matthias Weber

Von Romy Kühr

Heller Putz, statt bröckelnder Fassade, frisch gestrichenes Fachwerkholz, statt modriger Balken: „Ein Schmuckstückle ist es geworden“, sagt Annette Krönert in schönstem Schwäbisch. Das Schmuckstückle steht an der Eichendorffstraße 17 in Neugersdorf und Frau Krönert ist quasi die Bauherrin. Sie ist im Vorstand der Palm-Stiftung aus Baden-Württemberg, der das Gebäude gehört. In den vergangenen Monaten hat sie es saniert und zwölf barrierefreie Wohnungen eingerichtet. Sie sind nun fast fertig und warten auf neue Mieter.

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So berichtete die SZ vor knapp zwei Jahren über das Gebäude. Damals war es marode, ob es mit der Sanierung klappt, stand noch nicht fest.
So berichtete die SZ vor knapp zwei Jahren über das Gebäude. Damals war es marode, ob es mit der Sanierung klappt, stand noch nicht fest. © Repro: SZ-Bildstelle

Wer das Schmuckstückle betritt, kommt derzeit nur mit dem neu eingebauten Fahrstuhl in die Wohnetagen. Die Treppe wird noch gefliest. Nach wenigen Sekunden steigt man im zweiten Obergeschoss aus. Hier sind die Bauarbeiten schon am weitesten fortgeschritten. Etliche Neugierige haben am Donnerstag die Möglichkeit genutzt, das historische Haus zu besichtigen. Die Palm-Stiftung hatte zu einem Tag der offenen Tür eingeladen, um über den Baufortschritt zu informieren. Viele, die gekommen sind, kennen das Haus von früher. „Hier war eine Wand, da ging es in die Wohnung, ins Kinderzimmer musste man über den Flur“, erklärt ein Herr im roten Anorak gestikulierend. Sein Bruder habe viele Jahre in dem Haus gewohnt, erzählt der Neugersdorfer. „Jetzt erkennt man es ja kaum wieder“, sagt er und nickt anerkennend. „Wenn ich nicht ein Häuschen hätte, könnte ich mir glatt überlegen, hier einzuziehen.“

Andere haben das schon fest vor. Laut Projektleiter Daniel Mudroh liegen aktuell etwa zehn konkrete Anfragen von Interessenten vor. Auch bei der Besichtigung räumen einige Senioren bereits gedanklich die Zimmer ein. Das große Interesse zeigt, dass Frau Krönert und ihre Mitstreiter von der Stiftung mit dem Konzept zum barrierefreien Wohnen richtig gelegen haben. Mit der Volkssolidarität, die direkt nebenan eine Wohnanlage für betreutes Wohnen betreibt, hat die Stiftung einen Partner vor Ort gefunden. Die künftigen Mieter der Eichendorffstraße 17 können die Angebote der Volkssolidarität nutzen, zum Beispiel das Mittagessen, die Spielenachmittage oder auch den Wäscheplatz im Freien. Wer Hilfe braucht – bei der Pflege oder im Haushalt – kann diese ebenfalls von der Volkssolidarität bekommen. „Wir hatten von Anfang an vor, aus dem Haus etwas zu machen, das einen Nutzen für die Region und die Menschen hat“, so Frau Krönert.

Tatsächlich sind die Stiftung und sie selbst eng mit der Oberlausitz verbunden. Ihre Oma war die Stiftungsgründerin Maria Palm, die aus Eibau stammte. Der Stiftung gehören weitere Wohnhäuser in Neugersdorf, zum Beispiel an der Arnostraße und am Fünfhäuserweg. Seit 2003 befindet sich nun auch das markante Haus an der Eichendorffstraße durch Rücküberführung in Besitz der Palm-Stiftung. Und schon seitdem suchten die Schwaben nach einer Lösung für das marode Gebäude. „Zwischendurch sollte es sogar schon einmal abgerissen werden, weil eine Sanierung einfach nicht wirtschaftlich schien“, erzählt Frau Krönert. „Es war sprichwörtlich Rettung in letzter Minute“, schildert sie – und ist froh, dass das Haus doch erhalten werden konnte. Denn der Denkmalschutz ist eines der erklärten Stiftungsziele.

Die Rettung war das Städtebauförderprogramm. Mithilfe der Stadt Ebersbach-Neugersdorf konnte die Stiftung schließlich einen Zuschuss aus dem Programm bekommen. „Ohne diese Unterstützung wäre es nicht möglich gewesen“, sagt Frau Krönert rückblickend. Die Sanierungskosten liegen insgesamt bei etwa 1,3 Millionen Euro. Die Kosten sind auch deshalb so hoch, weil der lange Leerstand dem Haus extrem geschadet hat. Das ist vor allem im obersten Stockwerk deutlich geworden. Jetzt ist davon nichts mehr zu sehen. Doch dort, wo nun weiß gestrichene Wände sind, sah es noch vor einem Jahr übel aus. „Hier saß der Schwamm“, erinnert sich Frau Krönert und zeigt auf Fußboden und Decke. Zahlreiche Holzbalken mussten ausgetauscht werden.

Nachdem die Sanierung geschafft ist, möchte sich die Stiftung künftig noch mehr in der Region einbringen. Sie arbeitet auch im Bereich Medienbildung und Demokratieförderung, erklärt Annette Krönert ein Anliegen der Stiftung. Sie könnte sich vorstellen, in diesem Bereich im Oberland zu arbeiten. Das sei aus ihrer Sicht problemlos möglich, denn die Stiftung hat bereits eine Außenstelle in Dresden.

Der Kontakt ist für Mietinteressenten über die Volkssolidarität möglich:  03586 408296