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Neukirch gibt Eltern beim Müll einen Windel-Bonus

Windeln treiben die Entsorgungskosten in die Höhe. Die Oberlandgemeinde Neukirch greift Familien dabei unter die Arme - mit einem bisher einzigartigen Angebot.

5.000 bis 6.000 Windeln braucht ein Kind, bis es trocken ist, fanden Experten heraus. Weil Wegwerfwindeln viel Müll verursachen, kommt die Gemeinde Neukirch jungen Eltern jetzt bei den Entsorgungskosten entgegen.
5.000 bis 6.000 Windeln braucht ein Kind, bis es trocken ist, fanden Experten heraus. Weil Wegwerfwindeln viel Müll verursachen, kommt die Gemeinde Neukirch jungen Eltern jetzt bei den Entsorgungskosten entgegen. © Arno Burgi/dpa

Neukirch. Ein Glück, dass es Statistiken gibt. Zum Beispiel Statistiken wie diese: Wer sein Baby mit Wegwerfwindeln wickelt, verbraucht im Durchschnitt 5.000 bis 6.000 Windeln,  bis das Kind trocken ist, fand ein Babyausstatter heraus. Das entspricht einem Müllberg von etwa einer Tonne. 

Es mag weniger diese Statistik als vielmehr die praktische Erfahrung gewesen sein, die Neukirchs Gemeinderat veranlasste, jetzt einen Beschluss zu fassen, der in der Region, vielleicht auch darüber hinaus, bisher einzigartig ist: Junge Eltern aus Neukirch können künftig auf Antrag sechs Restmüllmarken bei der Gemeinde erhalten. Den Antrag dafür müssen sie in den ersten zwölf  Monaten nach der Geburt ihres Kindes stellen. Das Formular dafür können sie  im Internet abrufen.  

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Windeln gehören nicht in die Natur oder in Papierkörbe

Mit diesem Angebot reagiert die Gemeinde auf den zusätzlichen Aufwand, den Eltern mit kleinen Kindern bei der Müllentsorgung haben. Denn Wegwerfwindeln gehören nicht in die Natur, in öffentliche Papierkörbe  oder an die Plätze von Wertstoffcontainern, wie man es gelegentlich sieht, sondern in die Restmülltonne. "Mit der Ausgabe von Restmüllmarken setzen wir ein Zeichen für den Umweltschutz", sagt Bürgermeister Jens Zeiler (CDU). "Außerdem schaffen wir eine finanzielle Entlastung für die Eltern."  

Denn durch die Entsorgung der Windeln nimmt die Anzahl an Leerungen der  Restmülltonne zu beziehungsweise ist eine größere Tonne notwendig. Beides kostet  Familien zusätzliches Geld. 

Die Gemeinde erwirbt die Restmüllmarken im Abfallwirtschaftsamt des Landkreises - Stückpreis: 6,75 Euro. Mit jeder Marke kann ein handelsüblicher Müllsack von 120 Litern entsorgt werden. Für jede Familie bedeutet das Angebot eine finanzielle Unterstützung von reichlich 40 Euro.

Die Gemeinde packt dieses Geld noch oben drauf zum Begrüßungsgeld von 70 Euro,  das Neukirch seit vielen Jahren für jeden Neuankömmling zahlt. Die 70 Euro wird es auch in Zukunft geben - möglicherweise aber nicht mehr in bar, sondern als Gutscheine. 

Begrüßungsgeld künftig in Form von Gutscheinen?

Gemeinderat Andreas Hultsch (CDU) unterbreitete diesen Vorschlag, damit Eltern einen Anreiz bekommen, das Geld von der Gemeinde auch im Ort auszugeben. Das Geld soll den Kindern zugute kommen. Ein Anwärter für Warengutscheine könnte deshalb zum Beispiel der neue Drogeriemarkt sein, der an der "Oberland"-Kreuzung errichtet werden soll, hieß es auf der jüngsten Gemeinderatssitzung. 

Mit der vom Gemeinderat jetzt beschlossenen Richtlinie zur Gewährung des Begrüßungsgeldes für Neugeborene gibt es in Neukirch eine rechtssichere Grundlage. Demnach organisiert die Gemeinde, wie bisher,  jedes Jahr einen Neugeborenen-Treff für all jene Familien, die sich in der Zeit zwischen dem 30. Juni des Vorjahres und dem 1. Juli des laufenden Jahres über Zuwachs freuen konnten. So wie die Müllmarken gibt es auch das Begrüßungsgeld künftig auf Antrag. 

Das gesellige Beisammensein der Familien in der Festscheune des Rittergutes wird es weiterhin geben. Ebenso die mit dem Amtsantritt von Jens Zeiler ins Leben gerufene Tradition,  einen Apfelbaum für die Neugeborenen zu pflanzen. In den vergangenen beiden Jahren begrüßte Neukirch jeweils 35 Kinder.  

Um  durch die Neuregelung niemanden zu benachteiligen, beschloss der Gemeinderat, dass die Richtlinie rückwirkend zum 1. Juli 2019 in Kraft treten soll. 

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