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Neukirch: Neue Pläne fürs Einkaufszentrum

In der Passage "Eisengießerei" werden die Handelsflächen reduziert - damit an anderer Stelle im Ort gebaut werden kann.

Lebensmittelmarkt mit Bäcker und Fleischer im Neubau sowie der Getränkemarkt im Altbau der Eisengießerei in Neukirch bleiben, andere Handelsflächen fallen weg.
Lebensmittelmarkt mit Bäcker und Fleischer im Neubau sowie der Getränkemarkt im Altbau der Eisengießerei in Neukirch bleiben, andere Handelsflächen fallen weg. © SZ/Uwe Soeder

Neukirch. Die gute Nachricht zuerst: Nahkauf, Bäcker, Fleischer und Getränkemarkt bleiben an ihrem Standort im Neukircher Niederdorf. 

Die weiteren Handelsflächen in der "Eisengießerei" fallen weg. Nach Angaben der Gemeindeverwaltung stehen dort 75 Prozent der Verkaufsflächen leer, seitdem der Drogeriemarkt Schlecker  im Jahr 2012  ausgezogen ist. 

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Der Gemeinderat gab am Mittwoch seine Zustimmung zu diesem Verfahren. Die Gemeinde erreicht dadurch zwei Ziele: Sie schafft vom Planungsrecht her die  Voraussetzungen, dass sich Lidl am Ostbahnhof mit einem Neubau erweitern darf. Und sie eröffnet dem Eigentümer zugleich Perspektiven, die Mitte der 1990er-Jahre eröffnete Marktpassage auf neue, andere Weise zu beleben. 

Jahrelanger Leerstand in der Passage

In der Eisengießerei waren ursprünglich Gewerbeflächen von insgesamt reichlich 3.400 Quadratmetern geplant. Die Pläne, offenbar auch in der Euphorie der frühen 1990er-Jahre entstanden, sahen eine Vielzahl von Läden und Dienstleistungen unter einem Dach vor, unter anderem Fachgeschäfte für Bekleidung, Kurzwaren, Schallplatten, Süßwaren, Schuhe und Blumen. 

25 Jahre später konstatiert die Gemeinde: Die "Eisengießerei" hat sich als Verkaufs- und Dienstleistungszentrum nicht durchgesetzt. Das Konzept von Handel mit Gastronomie, wie man es von größeren Städten her kennt, sei im ländlichen Raum nicht geeignet. Hinzu kommen die räumlichen Gegebenheiten eines ehemaligen Industriebaus, die den Wünschen von Handelsunternehmen nicht in jedem Fall entsprechen, unter anderem die fehlende Möglichkeit, Ware im Schaufenster zu präsentieren.  

Zuletzt waren im vergangenen Jahr zwei Dienstleister ausgezogen, um an anderer Stelle im Ort neu zu eröffnen: ein Reisebüro und eine Versicherungsagentur. 

Die Eisengießerei in Neukirch von der Dresdner Straße aus gesehen.
Die Eisengießerei in Neukirch von der Dresdner Straße aus gesehen. © SZ/Uwe Soeder

Umbaupläne für Loftwohnungen

Reinhard Wild, Eigentümer der Immobilie, hat neue Pläne mit dem Haus, das er mit seiner Frau von seinem Schwiegervater Heinrich Pingert übernommen hat. "Die Passage hat sich nicht so entwickelt wie erhofft", sagt er. 

Flächen im Erdgeschoss möchte er nun als Lagerflächen vermieten. Einen ersten Interessenten gebe es schon. "Die Räume sind abschließbar und trocken. Sie sind gefliest, zum Teil gibt es sogar textilen Bodenbelag", sagt Wild. Vor allem kleinen Handwerksbetrieben, die Lagerflächen suchen, möchte er ein Angebot machen. 

Die Fläche im oberen Geschoss, ursprünglich als Büro- und Lagerflächen konzipiert, möchte er mittelfristig zu Wohnungen umbauen. Sechs bis acht größere Loft-Wohnungen mit jeweils drei bis vier Zimmern könnten entstehen. Die bereits vorhandenen 13 Wohnungen sind nach Auskunft des Eigentümers alle vermietet. 

Auch Reinhard Wild bekräftigt, dass Nahkauf, Bäcker, Fleischer und Getränkehandel bleiben werden. "Diese Geschäfte laufen gut."  

Auch den Gemeinderäten, die am Mittwoch dafür stimmten, das "Sondergebiet Einzelhandel" für die Eisengießerei aufzuheben, war es wichtig, dass diese Einkaufsmöglichkeiten als Nahversorger für die Bewohner des Neukircher Niederdorfes erhalten bleiben. Auch Kunden aus dem benachbarten Putzkau wissen diese Geschäfte zu schätzen. 

Letzte Hürde für Lidl-Neubau genommen

Der Beschluss, die Handelsflächen im Niederdorf zu reduzieren, war vor allem aber deshalb notwendig, damit Lidl  einen Neubau mit bis zu 1.455 Quadratmeter Verkaufsfläche errichten darf. Seitens der Landesdirektion war die Gemeinde darauf hingewiesen worden, die Einzelhandelsflächen im Gemeindegebiet neu zu ordnen. 

Denn gemessen an seiner Einwohnerzahl würde Neukirch sonst nach Auffassung der Planungsbehörden zu viel Einkaufsfläche haben. "Der Beschluss zur Aufhebung der Eisengießerei als Sondergebiet Einzelhandel ist die Voraussetzung, damit für den Bau des Lidl-Marktes die Baugenehmigung erteilt werden kann",  sagt Bürgermeister Jens Zeiler (CDU). Nach Auskunft des Bauaufsichtsamtes im Landkreis könnte das nun schon in den nächsten Tagen geschehen. 

Ein solches Verfahren ist im Übrigen nicht ungewöhnlich. Vor sieben Jahren ging Bischofswerda einen ähnlichen Weg. Die Stadt wandelte "Sondergebiete" an der Neustädter Straße in "Gewerbeflächen" um und strich potenzielle Handelsflächen, die bis dahin nicht errichtet worden waren, aus dem Bebauungsplan,  um an der Stolpener Straße großflächigen Einzelhandel zu ermöglichen. 

Die Kosten der jetzt beschlossenen Umwandlung in Neukirch werden mit rund 10.000 Euro angegeben. Nach dem Vorschlag der Verwaltung sollen sie von der Gemeinde getragen werden. Das führte zu Diskussionen unter den Gemeinderäten. Sie würden es gern sehen, Lidl würde einen Teil dieser Kosten übernehmen. Denn der Discounter sei der Hauptnutznießer dieser Planungsänderung, heißt es.  Die beiden Vertreter des Unternehmens nahmen diesen Wunsch mit.  

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