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"Derber Stoff": Neukircher Schüler drehen Film

In dem 15-Minuten-Streifen geht es um das Leben junger Leute auf dem Lande. Die Handlung hat es in sich.

Drei der sieben Akteure: Kameramann Leon Finn, Lilly (Mitte), von der die Hauptidee zum Drehbuch stammt und die eine Rolle spielt, sowie Ina, die als Meloldy in der Titelrolle zu sehen ist.
Drei der sieben Akteure: Kameramann Leon Finn, Lilly (Mitte), von der die Hauptidee zum Drehbuch stammt und die eine Rolle spielt, sowie Ina, die als Meloldy in der Titelrolle zu sehen ist. © SZ/Uwe Soeder

Neukirch. Ein Mädchen rennt durch die stockfinstere Nacht. Es rennt, als würde es um sein Leben laufen. Es wird verfolgt. Mit dieser Szene beginnt ein Spielfilm, der jetzt im Jugendhaus Neukirch Premiere hatte. Gedreht wurde er in Neukirch und Sohland von den Filmkids Oberlausitz. Das ist eine Gruppe von sieben Schülern, die am Jugendhaus angedockt ist. Der Film heißt "Melody" - so wie das Mädchen.

Die Schüler haben das Drehbuch selbst geschrieben - eine fiktive Geschichte,  die sie beschäftigt und die die Welt von Jugendlichen in den Blickpunkt rücken will. Grundlage waren vor allem  Erzählungen und Medienberichte, sagen die jungen Leute.  

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Ausgrenzung, Mobbing, Gewalt, aber auch Freundschaft

Der Film hat es in sich. Was zu sehen ist, wird Tilo Moritz, Geschäftsführer des Neukircher Jugendvereins Valtenbergwichtel, in der Diskussion nach der Premiere als "streckenweise derben Stoff" charakterisieren. Es geht um Mobbing, Ausgrenzung, Gewalt - verbale wie tätliche. 

Vier Jungen greifen Melody in einer Scheune an. Als sie am Boden liegt, treten sie noch immer brutal auf sie ein. Julian, der sich der Clique entzieht, wird ausgegrenzt und später ebenfalls verprügelt. 

Auch Stress mit den Eltern wird im Film thematisiert. Doch ebenso Freundschaft, die Melody und Julian Halt gibt. 

Gedreht wurde in Neukirch und Sohland

Die Schüler - sie lernen alle an der Neukircher Oberschule "Am Valtenberg" - besetzten nicht nur die Rollen. Sie standen selbst hinter der Kamera, zeichneten den Ton auf und schnitten die Szenen zusammen. Betreut wurden sie bei diesem Projekt von dem aus Kirschau stammenden Regisseur Robert Heber. 

In den Herbstferien 2019 wurden die ersten Ideen zusammengetragen. Gedreht wurde im Februar und März dieses Jahres unter anderem in der Wichtel-Pension des Neukircher Jugendhauses, in einer Sohlander Scheune und am Neukircher Westbahnhof.  

13 Szenen mussten für den 15 Minuten langen Spielfilm aufgezeichnet werden. Die meisten wurden mehrfach gedreht, was schon ziemlich anstrengend gewesen sei, berichten die jungen Akteure. Allein für die Szene in der Scheune waren sechs verschiedene Kameraeinstellungen und jeweils drei Wiederholungen erforderlich. Das heißt, 24-mal musste diese Szene gespielt werden, bis sie "im Kasten" war. 

Auf die Zwischentöne kommt es an

Candy Winter, Projektbetreuerin von der Mobilen Jugendarbeit der Valtenbergwichtel,  rät, im Film auf die Zwischentöne zu achten. "Die Welt ist nicht einfach nur schwarz und weiß. Hinter jedem Menschen steckt eine ganz persönliche Geschichte."

Bezogen auf die jungen Schauspieler fügte sie hinzu: Es sei gar nicht so einfach gewesen, Jugendliche darzustellen, "die - im Gegensatz zu den Filmkids - nicht von Eltern und Familie auf ihrem Weg liebevoll und fürsorglich begleitet und bei ihren Träumen, Wünschen und Zukunftsplänen unterstützt werden". 

Deutsches Kinderhilfswerk fördert das Projekt

Das Deutsche Kinderhilfswerk fördert das Filmprojekt mit 4.990 Euro. "Das Vorhaben hat uns von Anfang an überzeugt", erklärte Michael Kruse, der beim Kinderhilfswerk für die regionale Koordination zuständig ist. "Hier stellen Kinder und Jugendliche mit Hilfe des Mediums Film nicht nur ihre Lebenswelt dar, sondern erlernen dabei den Umgang mit Medien. Das ist ein tolles Projekt, das zur Nachahmung auffordert."

Es ist bereits der dritte Film, den die Neukircher Schüler mit Robert Heber produziert haben. Im vergangenen Jahr entstanden zwei Dokumentationen über den Kunstbus Oberlausitz und das Kunstprojekt "SchattenseitenLeben".  Damit holten sie einen dritten Preis in ihrer Altersklasse beim Sächsischen Jugendfilmwettbewerb. 

Mit dem neuen Streifen werde man sich um den Deutschen Jugendfilmpreis bewerben, sagte Candy Winter. Mit ihrem Spielfilmdebüt dürfen die Filmkids, die im neuen Schuljahr in den Klassenstufen sieben bis zehn lernen, dem Kindesalter entwachsen sein. 

Empfehlung für die Dienstberatungen von Lehrern

In Vorbereitung der 800-Jahrfeier Neukirchs im Jahr 2022 könnten sie von der Gemeinde engagiert werden. Das Festkomitee plane einen besonderen Festumzug mit einem 45-minütigen Film, sagte Bürgermeister Jens Zeiler (CDU). Man würde da auch gern auf die Jugendlichen zukommen. 

Auf dem Youtube-Kanal des Jugendvereins "Wichtel-Channel" ist der Film zu sehen.  Jens Zeiler regte an, ihn auch in den Dienstberatungen von Lehrern vorzustellen - nicht nur in Neukirch.  

Wie groß der Bedarf ist, zeigte eine Nachfrage von Tilo Moritz während der Film-Diskussion. Die Jugendlichen machten die Erfahrung, dass an Schulen Widerspruch oft ausbleibt, wenn Schüler Kraftausdrücke benutzen und andere beleidigen. 

Den jungen Filmschöpfern hat ihre Arbeit viel Spaß gemacht. Ihr Streifen soll unterhalten, aber auch zum Nachdenken anregen. 

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