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Neukirch liest

Jeder vierte Dorfbewohner ist in der Bibliothek eingeschrieben. Die Gemeinde tut viel, damit die Einrichtung attraktiv bleibt.

Von Wolfgang Schmidt

Die deutsche Nationalmannschaft wird Fußballweltmeister 2014. Das hofft der zehnjährige Linus Hultsch aus Neukirch.Er kickt in der E-Jugend des Neukircher Sportvereines TSV 90. Und da kennt er sich im Fußball natürlich ganz genau aus. Kürzlich erst hatte er mehrere Bände über die Geschichte vergangener Fußballweltmeisterschaften gelesen. Die hatte er in der Gemeindebibliothek ausgeliehen.

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Der Garten ruft
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Linus ist einer der fast 1 300 Kinder und Erwachsenen aus Neukirch und umliegenden Orten, die als Nutzer der Bibliothek registriert sind. Nicht jeder von ihnen kommt regelmäßig, aber mehrere hundert finden jährlich den Weg zur Ausleihe. Älteste Leser sind die 89-jährigen Erhard Fichte und Susanna Nowak, die Heimatliteratur und Familiengeschichten bevorzugen. „In diesem Jahr wurden bereits 20 Neuanmeldungen eingetragen“, freut sich die Bibliotheksleiterin Kerstin Heber über die große Resonanz. Zumal bei den geringen Jahresbeiträgen – Erwachsene zahlen drei, Kinder zwei Euro – die Ausleihe für jeden erschwinglich ist.

Etwa 14 000 Medien sind im Bestand der Gemeindebibliothek Neukirch: Belletristikbände, Sach- und Hörbücher, CD, DVD und CD-Rom sowie Zeitschriften und Spiele. Die Erwachsenen lesen derzeit vor allem Krimis, wie die von Andreas Franz oder die Bücher von Nele Neuhaus. Aber auch Erlebnisberichte und medizinische Ratgeber werden oft ausgeliehen. Die Kinder im Vorschulalter bevorzugen die Geschichten von „Leo Mausemaus“ und „Pettersson und Findus“ sowie „Was ist Was Junior“. Bei den Grundschulkindern wiederum liegen „Das magische Baumhaus“ und die Sternenschweif-Bücher ganz vorn. „Darin geht es um ein Pony, das sich nachts in ein Einhorn verwandelt“, schwärmt die achtjährige Leni Zapke. Die älteren Kinder wiederum holen sich gern DVD mit Tiererlebnissen oder die Geschichten von Hanni und Nanni.

Neben den Personal- und Bewirtschaftungskosten stellt Neukirch jährlich fast 4 500 Euro für die Bibliothek bereit. So kann der Medienbestand erweitert und vor allem aktuell gehalten werden. „Die Ideen für Neuanschaffungen bringen oft unsere Nutzer ein“, sagt Kerstin Heber. Daneben werden Bestsellerlisten und Kataloge ausgewertet, aber auch im Internet recherchiert. Unterstützt wird die Bibliothek durch ihre Mitgliedschaft im Deutschen Bibliotheksverband und bis 2013 auch durch Fördermittel des Kulturraumes Oberlausitz-Niederschlesien.

Die meisten Nutzer bringen die Medien pünktlich zurück. Einige Säumige gibt es leider immer wieder, die die Rückgabefrist nicht genau nehmen. Oft sind es die Teenies, weiß Kerstin Heber. Dennoch muss sie mitunter schmunzeln, weil in manchen Büchern private Zugaben eingelegt werden, wie schon selbst gebastelte Lesezeichen, Haarspangen, Postkarten oder Fotos.

Seit 2009 befindet sich die Gemeindebibliothek in einem Gebäude des ehemaligen Rittergutes. Dort ist ausreichend Platz, um Bücher, Zeitschriften, DVD und anderes zu präsentieren und die Auswahl für die Nutzer übersichtlich zu gestalten. Um bereits die Kinder für die Bibliothek zu begeistern, wird gemeinsam mit den Pädagogen der Lessinggrundschule die jährliche Bibliothekseinführung für die 2. Klassen durchgeführt. Im Schulhort und in den Ferien werden neue Bücher vorgestellt, aber auch Filme gezeigt. Für die Erwachsenen gibt es Buchlesungen mit Autoren, die ihre Werke vorstellen. Die Taubenheimer Schriftstellerin Annelies Schulz, die gebürtige Bischofswerdaerin Martina Rodig und Franziska Steinhauer waren schon zu Gast, ebenso der jetzt in Bautzen lebende Kriminalhauptkommissar Dietmar Seitz, ein ehemaliger Neukircher. „Wenn er sein neues Buch fertiggestellt hat, werde ich ihn wieder einladen“, sagt Kerstin Heber.

Die Bibliothek befindet sich an der Hauptstraße 62 a. Geöffnet: dienstags von 9 bis 12 und von 13 bis 18 Uhr, mittwochs von 9 bis 14 Uhr sowie donnerstags von 13 bis 18 Uhr. 035951 / 32343