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Verwirrung um die Valtenbergbaude

Wirt Andreas Hübner denkt noch nicht ans Aufhören. Trotzdem hat die Gemeinde Neukirch die Gaststätte jetzt zur Pacht ausgeschrieben. Warum?

Andreas Hübner ist seit 2012 Wirt auf dem Valtenberg in Neukrich. Doch jetzt hat die Gemeinde die Betreibung der Baude ab 2022 neu ausgeschrieben.
Andreas Hübner ist seit 2012 Wirt auf dem Valtenberg in Neukrich. Doch jetzt hat die Gemeinde die Betreibung der Baude ab 2022 neu ausgeschrieben. © Archivfoto: Steffen Unger

Neukirch. Ein Feriensonntag auf dem Valtenberg bei Neukirch. Gasträume und Biergarten sind gut besucht. Familien, Gruppen, Paare, auch einige Einzelwanderer sind zur Rast eingekehrt. Mittendrin im Gewusel bedient Valtenberwirt Andreas Hübner die Gäste. Seit Oktober 2012 betreibt er die Gaststätte auf dem höchsten Berg im Landkreis Bautzen. Aber wie lange noch? 

Sein Vertrag mit der Gemeinde Neukirch, der die Gaststätte und der Aussichtsturm gehören, läuft bis Jahresende 2021. Er verlängert sich automatisch, wenn nicht eine der beiden Seiten kündigt. Doch nun hat die Gemeinde Neukirch die Valtenberg-Gaststätte ab dem 1. Januar 2022 zur Pacht ausgeschrieben. Gesucht werde ein "qualifizierter und hoch engagierter" Pächter, heißt es in der Ausschreibung.  

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Bürgermeister: Wir wollen den Markt sondieren

Das wirft Fragen auf. Auch bei Gästen wie dem Neukircher Eberhard Wolf, der oft auf den Berg wandert. Er verstehe nicht, warum die Gemeinde die Gaststätte jetzt ausschreibt, sagt der Mann. Der Wirt gebe sich große Mühe, das Essen schmecke. "Und die Bedingungen sind nicht einfach, zumal die Valtenbergbaude im Unterschied zu anderen Oberlausitzer Bergbauden für die Gäste nicht mit dem Auto zu erreichen ist", sagt Eberhard Wolf. Da müsse der Wirt besonders kämpfen. 

Neukirchs Bürgermeister Jens Zeiler (CDU) hält den Ball flach. Die Gemeinde sei "nicht unzufrieden" mit dem jetzigen Wirt, sagt er und versichert, man wolle Andreas Hübner nicht vom Berg drängen. Stattdessen beabsichtige die Gemeinde mit der Ausschreibung,  den Markt zu sondieren, um für die Betreibung der Valtenbergbaude langfristig Planungssicherheit zu haben, diese aber auch dem jetzigen Wirt zu geben.  

Er hoffe, dass auch Andreas Hübner sich an der Ausschreibung beteiligt, betont Jens Zeiler. Ob er es tun wird, lässt der Wirt gegenüber Sächsische.de offen. Er wolle den  31. August, das Ende der Ausschreibungsfrist abwarten, sagt er. 

Gemeinde strebt nahtlosen Übergang an

Andreas Hübner ist jetzt 60 Jahre alt und entschlossen, noch einige Jahre zu arbeiten. Jens Zeiler macht deutlich, dass er langfristig denkt und plant - auch schon für die Zeit, wenn der jetzige Wirt irgendwann mal in den Ruhestand geht. Dann soll es auf dem Hausberg der Neukircher nahtlos weitergehen - egal, ob der Nachfolger im Januar 2022 oder einige Jahre später übernimmt. Das Schlimmste, was aus Sicht des Bürgermeisters passieren könnte, wäre die Schließung der Gaststätte, weil es keinen neuen Pächter gibt. 

Freilich könnte man Dinge wie diese auch im Gespräch miteinander klären. Auf die Frage, ob die Gemeinde durch die Ausschreibung nicht recht hoch pokere und riskiere, den Wirt zu verlieren, erklärt der Bürgermeister: "Im Gespräch mit Herrn Hübner bekomme ich keinen neuen Wirt." 

Aber will die Gemeinde überhaupt einen Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt? Im Ausschreibungstext heißt es, es handele sich um ein "formloses öffentliches Interessenbekundungsverfahren". Die Gemeinde könne es jederzeit einstellen, ohne dass potenzielle Interessenten Ansprüche geltend machen können. 

Wie die Gemeinde in dieser Angelegenheit verfahren wird, soll der Gemeinderat im Herbst diskutieren, wenn die Ergebnisse vorliegen. Mit Stand von Ende vergangener Woche gab es laut Bürgermeister mehrere Interessensbekundungen, sich an der Ausschreibung zu beteiligen. Bislang habe aber noch keiner ein Angebot abgegeben. 

Künftig per Elektro-Shuttle zur Baude?

Neben der Frage der künftigen Betreibung verbindet die Gemeinde mit der Ausschreibung auch die Hoffnung, das Konzept für den Betrieb der Berggaststätte aufzufrischen. Er denke da an mehr Veranstaltungen, wie zum Beispiel Baudenabende, sagt Jens Zeiler. 

Seit seinem Amtsantritt vor fünf Jahren als Bürgermeister spielt der Valtenberg eine zentrale Rolle, um Neukirch auch touristisch aufzuwerten. Markantes Beispiel sind die Monsterrollerabfahrten, die die Gemeinde zusammen mit einem privaten Investor seit drei Jahren ermöglicht. Dieses Angebot ist einzigartig in Ostsachsen.  

Es gibt Pläne für weitere touristische Angebote an dem 587 Meter hohen Berg, die die Gemeinde im Rahmen einer Studie untersuchen lässt. Und es gibt Ideen, den Valtenberg  für alle Menschen zugänglich zu machen - auch für jene, die ihn aus gesundheitlichen oder Altersgründen nicht zu Fuß oder mit dem Rad erreichen können. Pläne für einen Ganzjahreslift haben sich zerschlagen. Doch denkbar sei es, in ein paar Jahren Gäste per Elektrofahrzeug auf den Berg zu befördern, stellt Jens Zeiler in Aussicht. Das würde sicher auch dem Valtenbergwirt gefallen - dem jetzigen oder einem neuen. 

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