merken
PLUS Bischofswerda

Neukirch kämpft um Firmen-Erweiterung

Das Trumpf-Werk will weiter wachsen und Zulieferbetriebe in den Ort holen. Das birgt Konfliktstoff, den die Gemeinde jetzt lösen will.

Arnim Brüchle, Geschäftsführer der Neukircher Firma Trumpf, sieht das Unternehmen gut gewappnet für die Zukunft. Für die nächsten Jahre ist eine bauliche Erweiterung geplant. Doch dazu gibt es in der Gemeinde auch Gegenwind.
Arnim Brüchle, Geschäftsführer der Neukircher Firma Trumpf, sieht das Unternehmen gut gewappnet für die Zukunft. Für die nächsten Jahre ist eine bauliche Erweiterung geplant. Doch dazu gibt es in der Gemeinde auch Gegenwind. © Archivfoto: Steffen Unger

Neukirch. Dass der Geschäftsführer der Firma Trumpf auf einer Gemeinderatssitzung in Neukirch unter den Besuchern ist, kommt selten vor. Doch am 1. Juli, als der Entwurf des Bebauungsplanes "Wesenitzaue" vorgestellt wurde, nahm sich Arnim Brüchle die Zeit dafür. Denn von den Plänen, die zurzeit öffentlich ausliegen und unter den Bürgern kontrovers diskutiert werden, hängt auch ab, wie sich der größte Arbeitgeber in der Gemeinde in den kommenden Jahren entwickeln wird - und darf. 

Der Werkzeugmaschinenbauer Trumpf mit derzeit rund 460 Beschäftigten will am Standort Neukirch weiter wachsen. Auf der jetzigen Betriebsfläche sind die Möglichkeiten für bauliche Erweiterungen aber erschöpft. Deswegen und um weitere Firmen, in erster Linie Trumpf-Zulieferer, anzusiedeln, sollen in der Nachbarschaft des Werkes neue Gewerbeflächen erschlossen werden. 

Anzeige
Late Night Shopping Dresden
Late Night Shopping Dresden

Zur langen Einkaufsnacht unter dem Motto "Late Night Shopping" lädt das City Management Dresden am Freitag, 2. Oktober, in die Dresdner Innenstadt ein.

Neukirch bekommt eine neue Straße

Bis zum 21. August können Interessierte Einblick in die Pläne nehmen und eine Stellungnahme abgeben. Die Pläne liegen im Rathaus der Gemeinde aus, man findet sie aber auch im Internet. 

Gegenwärtig verfügt die Gemeinde Neukirch über keine freien Gewerbeflächen; die Grundstücke im Gewerbegebiet "Am Bönnigheimer Ring" sind zu 100 Prozent belegt beziehungsweise verkauft. Deshalb plant die Gemeinde im östlichen Teil Neukirchs, weitere Gewerbeflächen zu erschließen und gleichzeitig durch den Bau eines temporären Rückhaltebeckens die Voraussetzungen für einen besseren Hochwasserschutz  zu schaffen. 

Durch den Bebauungsplan sollen die Vorhaben baurechtlich vorbereitet und Interessenskonflikte gelöst werden, heißt es. Dabei geht es um "mögliche Nutzungskonflikte zwischen Gewerbe und Wohnen", die erfasst und planerisch gelöst werden sollen, aber auch um Belange des Naturschutzes. Die für Neukirch typische gewachsene Verflechtung zwischen Wohnen, Gewerbe und Landwirtschaft solle möglichst störungsfrei bestehen bleiben, heißt es im Planentwurf.

In diesem Zusammenhang soll für die Leibingerstraße als jetzige Hauptzufahrt zur Firma Trumpf eine alternative Erschließungsstraße mit Anbindung an die Wilthener Straße geschaffen werden. Von dort ist es nicht weit zum Neukircher Kreisverkehr, von wo aus es in Richtung Bautzen und Autobahn geht. Die neue Straße wird 1,26 Kilometer lang und sechs Meter breit sein. Hinzu kommt ein kombinierter Fuß- und Radweg mit einer Breite von zwei Metern. 

Lukrative Arbeitsplätze in der Gemeinde

Mit Erweiterung der Firma Trumpf  werden sich die Produktionsleistung, die Mitarbeiterzahl und somit auch die Zahl der Fahrzeuge erhöhen. Die künftige Straße soll die Erweiterung des Unternehmens sichern, indem eine Mehrbelastung der Leibingerstraße bei steigenden Verkehrszahlen vermieden wird, schreiben die Autoren des Planentwurfes.

Diesem Dokument zufolge kommen die Zulieferer, die sich ansiedeln werden,  aus der Metall- und Elektroindustrie sowie dem Bereich Logistik und Transportwesen. Die räumliche Nähe soll kurze Wege sichern. "Ziel ist es, Produktions- und Transportprozesse zu optimieren", heißt es. Knapp viereinhalb Hektar Gewerbeflächen sollen dafür erschlossen werden. 

Namen von Firmen, die sich ansiedeln könnten, werden noch nicht genannt. Auch zur Anzahl der neu entstehenden Arbeitsplätze gibt es bisher keine Angaben. 

Dafür sagt der Planentwurf  viel über die bestehende Wirtschaftskraft der Oberlandgemeinde aus. Demnach gibt es in Neukirch aktuell 1.861 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, davon fast 1.000 im verarbeitenden Gewerbe. Gemessen an der Einwohnerzahl von rund 5.000, ist das landkreisweit spitze, was wohl nur die wirtschaftlich potenten Kommunen im Dresdner Speckgürtel Wachau und Ottendorf-Okrilla toppen dürften. 

Dass Neukirch lukrative Arbeitsplätze hat, zeigt auch die hohe Zahl der Einpendler. 1.036 Menschen, die in anderen Städten und Gemeinden wohnen, kommen zur Arbeit in den Ort.   

Einwohnerversammlung im September

Noch knapp drei Wochen liegen die Pläne aus. Hinweise, die dazu bis zum 21. August in der Gemeindeverwaltung eingehen, werden durch das Planungsbüro gesichtet und anschließend durch den Gemeinderat bewertet. Frühestens Ende des Jahres wird das der Fall sein, erwartet Bürgermeister Jens Zeiler (CDU). 

Über die Pläne dürfte aber schon früher gesprochen werden. Für den 7. September lädt der Bürgermeister zu einer Einwohnerversammlung in die Festscheune des Rittergutes ein. Allerdings geht es dort nicht nur um die "Wesenitzaue", sondern um die Dorfentwicklung insgesamt. Er wolle über die aktuellen Projekte der Gemeinde informieren und mit den Bürgern darüber sprechen, was sie gut in Neukirch finden und wo es Nachholebedarf gibt, sagt Jens Zeiler gegenüber Sächsische.de. 

Die Einwohnerversammlung sollte schon im April im Anschluss an den Frühjahrsputz stattfinden. Beides musste die Gemeinde wegen der Corona-Pandemie absagen.

Mit dem kostenlosen Newsletter "Bautzen kompakt" starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bischofswerda