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Neukircher bekommen ihr Glockengeld zurück

Der Streit nach dem Fehlguss findet ein gutes Ende. Nun gibt es berechtigte Hoffnung auf neue Kirchenglocken 2014.

Von Ingolf Reinsch

Wer will wegen Kirchenglocken schon vor Gericht ziehen? Diese Frage stellte Christoph Krause, Vorsitzender des Neukircher Glockenfördervereins, im August. Damals war bekannt geworden, dass die im Mai für Neukirch gegossenen Bronzeglocken hinsichtlich der Aufhängung nicht den Qualitätsansprüchen genügen. Christoph Krause und weitere Neukircher haben die Hoffnung nie aufgegeben, sich mit der Gießerei Perner in Passau zu einigen. Ihre Beharrlichkeit zahlt sich nun aus: Für alle Beteiligten sei „eine annehmbare, einvernehmliche Lösung gefunden worden“, teilten Pfarrer Jörg Briesovsky und Christoph Krause in einer gemeinsamen Erklärung mit. „Wir vermeiden damit eine langwierige und kostspielige gerichtliche Auseinandersetzung mit ungewissem Ausgang, denn die Auffassungen zur Verwendbarkeit der drei kleineren Glocken sind nach wie vor strittig“, heißt es in der Erklärung.

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Nach SZ-Informationen räumt die Gießerei in Passau nun selbst ein, dass die größte der vier Glocken neu gegossen werden muss. Die drei kleineren Glocken hält sie dagegen für brauchbar. Sachverständige der Landeskirche und des Kirchenbezirkes äußern daran Zweifel und empfehlen der Kirchgemeinde, auch diese Glocken nicht abzunehmen. Denn im Bereich der Aufhängung – neben dem Klang ein entscheidendes Qualitätskriterium – stellten sie große Risse fest.

Nach deutschem Recht muss jedem Handwerker Gelegenheit gegeben werden, seine Leistung zweimal nachzubessern. Bei Neukirchs missratenen Kirchenglocken ist das nicht möglich. Die Firma Perner stellte im Herbst den Gießereibetrieb ein. Aus diesem Grund zahlt der Betrieb von den 42 700 Euro, die die Kirchgemeinde bereits überwiesen hatte, 35 700 Euro zurück. Ein Kompromiss, bei dem beide Seiten die Hälfte des Arbeitsaufwandes der Gießerei tragen. „Der Auftrag an Perner zum Guss unserer vier Glocken ist nunmehr annulliert, und beide Seiten verzichten auf jegliche weiteren Ansprüche“, heißt es in der Erklärung. Damit kann Neukirchs evangelische Kirchgemeinde das Gießen der vier Bronzeglocken nun erneut ausschreiben und den Auftrag an eine andere Gießerei vergeben. „Wir danken allen, die unser Neukircher Glockenprojekt durch ihr Engagement bisher so großartig vorangebracht und uns auch in dieser problematischen Phase unterstützt und Mut gemacht haben“, erklären Jörg Briesovsky und Christoph Krause.

Viele Neukircher vermissen den Klang der Glocken, gerade jetzt im Advent. Doch Neukircher sind findig: Als Ersatz für die fehlenden Glocken steigen Bläser an jedem Adventssonnabend 18 Uhr auf den Kirchturm und spielen drei, vier Weihnachtslieder. Auch heute Abend wird der Klang ihrer Posaunen zu hören sein – bei gutem Wetter in einem Umkreis von rund 500 Metern.