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Neukircher Jugendbeirat zieht erste Bilanz

Nach einem Jahr im Amt ist der Elan der jungen Leute in Neukirch ungebrochen. Aber es hagelt Selbstkritik.

Politisches Engagement muss nicht immer bierernst sein: Mit viel Dynamik planen Melissa Noack, Paul Frenzel, Janko Scheudeck und Christian Janoschk (v.l.) vom Neukircher Jugendbeirat derzeit neue Projekte zugunsten ihrer Wählerschaft.
Politisches Engagement muss nicht immer bierernst sein: Mit viel Dynamik planen Melissa Noack, Paul Frenzel, Janko Scheudeck und Christian Janoschk (v.l.) vom Neukircher Jugendbeirat derzeit neue Projekte zugunsten ihrer Wählerschaft. © Steffen Unger

Neukirch. Bescheidenheit ist in der politischen Sphäre ein eher seltener Gast. Aber es ist ohnehin alles ein wenig anders, wenn sich der Jugendbeirat, die gewählte Jugendvertretung der Gemeinde Neukirch, im dortigen Jugendhaus am Fuße des Valtenbergs trifft.

In vierzehntägigem Turnus tagen die Mitglieder der Jugendvertretung. Im Beratungsraum unter dem Dach der Valtenbergwichtel finden sie dafür sowohl die notwendige Ruhe als auch die bitter notwendige Nervennahrung. Denn von dem herzhaften Lachen und den flotten Sprüchen sollte man sich nicht täuschen lassen. Was an diesem Abend auf der Tagesordnung von Janko Scheudeck, Melissa Noack, Jasmin König, Paul Frenzel und Christian Janoschk steht, hat durchaus ernsten Hintergrund. Es geht um Budgetplanung, Veranstaltungsorganisation und eine gemeindeweite Bürgerbefragung. Immer haben die Jugendlichen dabei ein klares Ziel vor Augen: „Wir wollen das Leben in Neukirch für junge Leute attraktiver machen,“ fasst Janko Scheudeck dieses zusammen.

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Interesse eher zurückhaltend

Seit der Jugendbeirat vor gut einem Jahr seine Arbeit offiziell aufgenommen hat, werkeln die engagierten Neukircher an diesem Vorhaben. Für sich selbst ziehen sie nun eine eher nüchterne Bilanz: Trotz intensiver Versuche, via Flyer, öffentlichkeitswirksamer Aktionen und sozialer Medien die Aufmerksamkeit der Jugendlichen im Ort auf die Arbeit des Gremiums zu lenken, blieb deren Interesse eher zurückhaltend. Viele Themen, das mussten die sieben Beirats-Mitglieder und ihre zwei Beisitzer im vergangenen Jahr lernen, lassen sich auf kommunaler Ebene außerdem nicht realisieren. „Politik ist wirklich nicht einfach,“ gibt Janko Scheudeck dieser bitteren Pille einen Namen.

Unterkriegen lassen will sich davon aber niemand. Zahlreiche Projekte stehen in der zweiten Hälfte der insgesamt zweijährigen Wahlperiode an. So unterstützt der Neukircher Jugendbeirat etwa die geplante Gemeindebefragung des hiesigen Gemeinderats mit einem eigenen Fragenkatalog. Der soll sich gezielt an Kinder und Jugendliche im Ort wenden. Geplant ist außerdem die Veranstaltung eines „Skate-Jam gegen rechts“ und auch für die 48-Stunden-Aktion des Landkreises tüftelt das Team derzeit emsig an kreativen Ideen. Endlich muss auch die Neuwahl des Jugendbeirates im September diesen Jahres organisiert und beworben werden. Ein umfangreicher Fragenkatalog wandert im Anschluss an die Diskussionsrunde ordentlich abgetippt ins Sitzungsprotokoll.

Viel Rückhalt in der Gemeinde

Auf die Unterstützung der Valtenbergwichtel können sich die jungen Leute dabei ebenso verlassen, wie auf den Rückhalt von Bürgermeister Jens Zeiler (CDU) und dem Neukircher Gemeinderat. Diese Ernsthaftigkeit bei der Auseinandersetzung mit jungen Themen sei nicht selbstverständlich, findet Sozialarbeiter Christian Schäfer. Dass die öffentliche Verwaltung die jungen Leute so unterstützt, sei eine reife Leistung der Neukircher, lobt er und fügt hinzu: „In anderen Kommunen laufen junge Menschen mit dem Wunsch nach mehr Beteiligung regelmäßig gegen Mauern.“

Er selbst findet es anerkennenswert, dass die Initiative zur Gründung eines politischen Gremiums von den Jugendlichen selber kam: „Schließlich ist das eine Zeit, in der politisches Engagement nicht unbedingt mit persönlicher Lebenswelt im Einklang steht,“ findet er. Umso dankbarer sei er, diesen Prozess beobachten und begleiten zu dürfen.

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Zwei Wünsche formulieren die Mitglieder des Jugendbeirats am Ende dieses langen Tages: Neben einem kollegialen Austausch und der aktiven Vernetzung mit anderen Initiativen zur Jugendbeteiligung hoffen sie für das zweite Jahr ihrer Amtszeit vor allem auf steigendes Interesse ihrer Wählerinnen und Wähler. Denen fühlen sie sich schließlich verpflichtet: „Wir sind ein gewähltes Gremium und können nicht einfach nach Belieben Projekte anstoßen nur, weil wir sie gut finden“, resümiert Paul Frenzel.

Der Jugendbeirat freut sich über Anmerkungen, Hinweise oder unter Unterstützung per [email protected]