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Neurologin hört auf - und die Patienten?

Nach 37 Arbeitsjahren geht Heidemarie Lautenschläger am Monatsende in den verdienten Ruhestand. Ihre Nachfolge in Zittau ist bisher aber nicht für alle gelöst.

Dr. Heidemarie Lautenschläger war 37 Jahre lang als Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie für Patienten in Zittau und Umgebung da. Zum Monatsende hört sie auf.
Dr. Heidemarie Lautenschläger war 37 Jahre lang als Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie für Patienten in Zittau und Umgebung da. Zum Monatsende hört sie auf. © Foto: Rafael Sampedro

Dr. Heidemarie Lautenschläger ist - man kann das getrost so sagen - eine medizinische Institution in Zittau und weit über die Stadtgrenzen hinaus. 37 Jahre lang hat die Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie in der Stadt praktiziert, zu DDR-Zeiten in der Poliklinik, nach der Wende in der eigenen Praxis. Viele ihrer Patienten begleitet sie schon ein Leben lang. Aber jetzt will sich die 67-Jährige von ihnen allen verabschieden.

Zum Monatsende hört Heidemarie Lautenschläger auf und geht in den schon längst verdienten Ruhestand. Sie hat diesen Schritt schon lange vorbereitet. Im April letzten Jahres hat sie ihre Praxis an ihren Nachfolger, Dariusz Dalek, übergeben

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Eigentlich, sagt sie, hatte sie da schon aufhören wollen. Doch ihr Nachfolger ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie - aber kein Neurologe. Die zu DDR-Zeiten übliche doppelte Ausbildung, wie Dr. Lautenschläger sie hat, gibt es heute nicht mehr. "Deswegen habe ich erst einmal weitergemacht", erzählt die Fachärztin. Damit ihre neurologischen Patienten, beispielsweise mit einer Parkinson-Erkrankung oder Epilepsie, nicht in der Luft hängen, hat sie sich von ihrem Nachfolger noch einmal für ein Jahr anstellen lassen. Und auch im April hat sie ihren Ruhestand noch einmal um ein paar Monate hinausgeschoben.

Bemühungen um Nachfolge gescheitert

Aber alle ihre Bemühungen, in dieser Zeit eine Nachfolge für die neurologischen Patienten zu finden, sind gescheitert. Eine Neurologin, die die Stelle übernehmen wollte, kann sie aus Krankheitsgründen nicht antreten. Heidemarie Lautenschläger geht deswegen jetzt mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits, sagt sie, freue sie sich darauf, endlich Zeit für Kinder und Enkel, für Reisen, Radfahren und schöne Bücher zu haben, andererseits bleibe aber auch die Sorge um die weitere Versorgung ihrer Patienten.

"Von den Patientenzahlen her, könnten hier gut noch zwei Fachärzte tätig sein", sagt Heidemarie Lautenschläger. Sie selbst hat allein bis zu 700 neurologische Patienten betreut. Deren Situation ist jetzt schwierig. Zwar praktiziert die Seifhennersdorfer Neurologin Kyra Ludwig ab 10. August in ihren neuen Praxisräumen in Zittau, aber sie bringt ihren Patientenstamm aus dem Oberland mit - und kann sich schon jetzt vor Arbeit kaum retten.

"Das Telefon steht bei uns nicht still", sagt Kyra Ludwig. "Es hängen ja jetzt Hunderte Patienten in der Luft." Aber auch sie kann nicht mehr tun, als ihr Bestes zu geben. Dabei hat Kyra Ludwig schon in der Vergangenheit zu viel gearbeitet. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Sachsens fordert von der Ärztin Honorar aus den vergangenen Jahren in sechsstelliger Höhe zurück, weil den Prüfern ihre Abrechnung nicht plausibel erschienen war. Der Fall liegt inzwischen beim Sozialgericht.

Freie Stelle nur bis Jahresende

Die halbe Stelle von Heidemarie Lautenschläger, die ab August vakant ist, stellt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) nur bis zum Jahresende als "Sonderbedarf" weiter zur Verfügung. In dieser Zeit müsste es Dariusz Dalek gelingen, eine Kollegin oder einen Kollegen mit neurologischer Fachkompetenz anzustellen. Ansonsten muss er neu verhandeln.

Im Oktober könnte sich die prekäre Situation für neurologische Patienten in der Oberlausitz etwas entspannen. Dann soll eine Fachärztin für Neurologie auf einer zusätzlich per Sonderbedarf geschaffenen Stelle im Herrnhuter Ärztehaus beginnen. Das bestätigt KV-Sprecherin Katharina Bachmann-Bux. Die Neurologin wird als Angestellte im Team des Herrnhuter Hausarztes Kay Herbrig arbeiten.

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Mitarbeit: Anja Beutler

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