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Nachfolger gesucht

Der Rücktritt von Bürgermeister Manfred Elsner reißt eine große Lücke. Sie zu füllen, wird schwer.

© kairospress

Von Katarina Gust

Görlitz – Immer eine Reise wert

Die Stadt Görlitz wird von vielen als „Perle an der Neiße“ oder „schönste Stadt Deutschlands“ bezeichnet. Warum? Das erfahren Sie hier.

Eine Erleichterung sei es gewesen, aber auch ein schwerer Moment, so beschreibt es Manfred Elsner. Vor einer Woche hat der 61-Jährige bekannt gegeben, dass er Anfang Februar von seinem Amt als Bürgermeister in Neustadt zurücktreten wird. Damit hat er eine Lawine ausgelöst. Denn kaum einer hatte mit diesem Schritt gerechnet – weder in Neustadt noch darüber hinaus. „Mein Telefon stand nicht mehr still“, erzählt Manfred Elsner. Auch sein E-Mail-Postfach quoll über, so viele Menschen wollten ihm ihr Bedauern, aber auch Respekt ausdrücken.

Denn Elsner will sich aus privaten Gründen aus dem Neustädter Rathaus verabschieden. Seine Frau Hannelore ist im vergangenen Jahr schwer erkrankt und seitdem pflegebedürftig. Die ganze Familie sei nun gefordert, allen voran Manfred Elsner. Er will mehr Zeit haben, um sich um seine Frau kümmern zu können. Das gehe nur, wenn er als Bürgermeister aufhört. Der Langburkersdorfer hat sich schwergetan mit der Entscheidung. Ein Gespräch mit seiner Dresdner Amtskollegin, Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU), die ebenfalls dieses Jahr ihren Posten räumt, habe ihm dabei gutgetan.

Von mehreren Führungspositionen wird sich Manfred Elsner verabschieden. Dazu gehört der Vorsitz beim Zweckverband Wasserversorgung Pirna/Sebnitz. Ende Januar will er diesen Platz räumen. Auch die Mitgliedschaft im Sächsischen Städte- und Gemeindetag will er abgeben. Voraussichtlich im Sommer soll es so weit sein. Nur als FDP-Kreisrat will Manfred Elsner weiter politisch aktiv bleiben. „Das habe ich meiner Partei versprochen.“

Neustadt war „seine“ Stadt

Die Lücke, die er mit seinem Rücktritt reißt, ist groß. In wenigen Wochen muss ein Nachfolger gefunden werden. Das beschäftigt auch Manfred Elsner. Er habe sich noch keine Gedanken darüber gemacht, wer das Amt übernehmen könnte, sagt er offiziell. Über mögliche Namen will er nicht spekulieren. Ihn hat zuletzt eher die Frage beschäftigt, ob er als amtierender Bürgermeister überhaupt seine eigene Nachfolge regeln kann. Eine Antwort hat er noch nicht gefunden.

Feststeht: Die Messlatte liegt hoch. Über 24 Jahre war Manfred Elsner in der Kommunalpolitik tätig. Erst in der Gemeinde Hohwald, später für ganz Neustadt. Er habe in dieser Zeit eine gute Aufbauarbeit geleistet, wie er selbst sagt. Auch seinen Neustädter Vorgänger Dieter Grützner vergisst er dabei nicht. Als Bürgermeister müsse man Verantwortung für die Stadt übernehmen. Vor dieser Aufgabe habe er sich nicht gedrückt. Ganz im Gegenteil.

„Neustadt habe ich immer als meine Stadt angesehen“, sagt er – und man glaubt es ihm. Er habe sich auch um vieles gekümmert, was nicht unbedingt seine Pflicht war, ihm aber am Herzen lag. Ihm sei es immer nur um die Stadt gegangen, um ihre Weiterentwicklung.

Bei der Revitalisierung des ehemaligen Dachziegelwerkes 2011 war das so. Heute ist das Areal ein blühendes Industriegebiet. Diese Erfolgsgeschichte soll sich mit der geplanten Revitalisierung der Kirschallee in Langburkersdorf fortsetzen. „Ich hatte immer eine Vision. Neustadt braucht Visionen“, sagt Manfred Elsner.

Guter Draht zum Freistaat

Diese Herangehensweise wünscht er sich auch von seinem Nachfolger. „Ich hatte immer die Vision und dass Ziel, dass Neustadt wieder eine Industriestadt wird“, betont er. Die Wirtschaftsförderung war deshalb eine seiner Prioritäten. Elsner hielt Kontakt zu wichtigen Behörden. Zur Landesregierung hatte er einen guten Draht. Das beweist nicht nur die lange Liste der Staatssekretäre und Minister, die in Neustadt zu Besuch waren. Neustadt war für den Freistaat immer ein verlässlicher Partner, das hat erst jüngst CDU-Landtagsabgeordneter Jens Michel zum Neujahrsempfang bekräftigt.

„Ich wünsche mir, dass das weiter so bleibt“, sagt Elsner. Dass die Landesregierung die 13 000-Einwohner-Kommune künftig weiter finanziell unterstützt, sei wichtig und notwendig. Darum müsse sich sein Nachfolger bemühen. Und auch darum, schnell in wichtigen Gremien vertreten zu sein. Denn nur dort, wo man mitredet, könne man auch mitregieren.

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