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Sebnitz

Wurde die aufmüpfige Gans erschossen?

Neustadt hat einen tierischen Kriminalfall zu lösen. Hauptakteur ist ein aufsässiger Ganter. Der bekam sogar Morddrohungen.

In Neustadt ist ein tierischer Kriminalfall zu lösen.
In Neustadt ist ein tierischer Kriminalfall zu lösen. © Weber

Die Schwäne, Enten und Gänse auf dem Teich im Arthur-Richter-Park sind den Neustädtern ans Herz gewachsen. Sie sind auch immer wieder ein beliebtes und lohnendes Fotomotiv. Doch vor ein paar Wochen gab es lautstarken Zoff unter den tierischen Bewohnern. Eine männliche Gans, also ein Ganter, machte Jagd auf den Schwanen-Mann. Da der mit seinen 30 Jahren schon etwas alt ist,  machte sich der Ganter wohl Hoffnungen, den Schwan verdrängen zu können. Aber nicht bei den Neustädtern.  Ganz Aufmerksame riefen bei Gotthard Mutscher an. Er ist sozusagen der Vater des tierischen Vergnügens im Stadtpark. Selbst Geflügelzüchter, stellt er der Stadt Neustadt die Tiere zur Verfügung.

Der Schwan hielt übrigens 1992 Einzug. Und dem wollte jetzt eine Gans an den Hals? In Neustadt ist das eigentlich schon ein Skandal.  Denn auf  Opa Hansi, wie man den Schwanenmann auch liebevoll nennt, ruhen alle Hoffnungen auf Nachkommen. Bislang scheiterten alle Versuche, einen jungen Schwanen-Mann nach Neustadt zu bekommen. Junge Schwäne ja, aber es stellte sich immer heraus, dass es Weibchen waren. Und deshalb versteht Gotthard Mutscher auch keinen Spaß, wenn es um die Tiere geht.

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 Er schaute sich vor Ort um. Tatsächlich schien der Ganter wohl etwas aufgebracht. Doch allein einfangen konnten ihn weder Gotthard Mutscher noch die beiden Frauen, die den Park betreuen. Deshalb ein Anruf beim Ordnungsamt. Dort schien man von den tierischen Parkbewohnern wohl doch schon etwas genervt. Denn die Gänse und Enten spazieren auch am benachbarten Feuerwehrgerätehaus herum oder sogar in der Stadt. Immer wieder gibt es dann Anrufe im Ordnungsamt und im Bauhof. Wohl auch, weil sich die Menschen um die Tiere sorgen.

Doch nun entwickelt sich das Ganze zum Kriminalfall. Gotthard Mutscher soll bei seinem Anruf im Ordnungsamt zu hören bekommen haben: "Wenn es nicht klappt, dann wird er eben erschossen." Und diese Aussage brachte den Stein ins Rollen. Denn als der Züchter ein paar Tage später nachsehen wollte, ob sich der Ganter beruhigt hat, war der weg.  Gotthard Mutscher fragt nun: "Wo ist der Ganter hin? Immerhin habe ich 87 Euro dafür bezahlt", sagt er. Nicht, dass es ihm nun um das Geld ginge, sondern er wolle ganz einfach wissen, wo das Tier nun hingekommen sei.

Tatsächlich  habe man eine Fangaktion starten wollen, bestätigt Jörk Wolf vom Bauhof. Doch der Ganter war weg. Wie, das könne man sich nicht erklären. Auf jeden Fall sollte er eingefangen und umgesetzt werden. So war der Plan. Dass es nun anders gekommen ist, kann auch er nicht erklären. Auf jeden Fall bestätigte er, dass die tierischen Parkbewohner  immer mal wieder ausbüxen. Gelöst ist der Kriminalfall damit noch nicht. Gotthard Mutscher will dran bleiben. 

Im Stadtrat stieß das Ganze auf Kritik. "Der Ton der Verwaltung gegenüber Bürgern geht so gar nicht", kritisierte Matthias Mews (CDU). Bürgermeister Peter Mühle (NfN) versicherte, dass man innerhalb der Verwaltung das Vorkommnis auswerten werde. Damit ist der Ganter aber noch nicht zurück. Dass er tatsächlich von selber das Weite gesucht hat, will Experte Mutscher nicht glauben. 

Im Übrigen gibt es bald auch wieder gute Neuigkeiten vom Teich im Stadtpark zu berichten. Opa Hansi kann es noch. Es soll Schwanennachwuchs geben. Vier Schwäne könnten es auf jeden Fall sein - und vielleicht auch noch ein fünfter.

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