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Neustädter Fußgängertunnel soll weg

Die Grünen wollen die Unterführung zuschütten lassen. Doch dabei gibt es ein Problem.

Von Ulrike Kirsten

Der Fußgängertunnel an der Augustusbrücke erregt seit Wochen die Gemüter der Neustädter. Befürworter und Gegner diskutierten leidenschaftlich: Soll er weg, soll er bleiben? Für den baufälligen Tunnel könnte nun schneller das Aus kommen als gedacht.

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Denn die Stadtratsfraktion der Grünen fordert, die Unterführung vollständig zu verfüllen. Stattdessen soll ein oberirdischer Fußweg an der Kreuzung Große Meißner Straße/Köpckestraße entstehen. Die Neustädter Ortsbeiräte sehen das genauso. In ihre jüngsten Sitzung bekam der Antrag eine klare Mehrheit. „Der Nutzwert des Tunnels ist in den letzten Jahren gesunken. Man muss sich fragen, ob es sich noch lohnt, den Bau zu sanieren“, sagt Valentin Lippmann von den Grünen. Dresden müsse sich künftig auf häufigere Hochwasserereignisse einstellen. Der Tunnel würde bei einem Elbpegelstand von 7,50 bis 8 Metern vollständig geflutet. „Es macht wenig Sinn, immer wieder Geld in die Unterführung zu stecken“, sagt der Ortsbeirat.

Seit der Flut in diesem Juni ist das Bauwerk bereits gesperrt. Nicht nur Schlamm und Dreck haben ihre Spuren hinterlassen. Die komplette technische Ausrüstung, bestehend aus Abwasserhebeanlage, Lüftung, Beleuchtung und Stromleitungen, ist zerstört worden. Wandreliefs, Fußböden und Treppen sind beschädigt. Die Decke weist Korrosionsschäden auf, die teilweise noch vom Hochwasser 2002 stammen. Sie droht sogar, an manchen Stellen einzubrechen. Die Stadtverwaltung rechnet mit 330 000 Euro für die Reparaturen. Jetzt kann sie sogar 370 000 Euro aus Flutschadensmitteln einsetzen.

Jörn Marx (CDU) lehnt den Antrag der Grünen strikt ab. „Das ist derzeit einfach nicht umsetzbar“, stellt der Baubürgermeister klar. Um den Tunnel komplett zu verfüllen, fehlt der Stadt schlichtweg das Geld. „Das kostet etwa 700 000 Euro. Für den Bau eines oberirdischen Fußweges müsste man zusätzlich etwa 120 000 Euro veranschlagen.“ Die Unterführung soll deshalb erst einmal nur repariert werden.

Bei der Stadt sehen das aber nicht alle so. Laut Ortsamtsleiter André Barth stimme die Verwaltung dem Antrag der Grünen weitgehend zu. „Man müsse schrittweise in einen Fußweg investieren. Die Umgestaltung des Kreuzungsbereiches ist finanziell längst nicht gesichert“, so der Ortsamtsleiter.

Die Grünen haben unterdessen weitere Argumente, die für eine Schließung des Tunnels sprechen. „Für Menschen mit Behinderungen ist er eine physische Barriere. Bei Fußgängern erzeugt er Angstgefühle“, sagt Lippmann. Die Verfüllung des Tunnels wäre für die Grünen ein erster Schritt, die optische Trennung zwischen Altstadt und Neustadt aufzuheben. „Unser Ziel ist es, die Augustusbrücke autofrei zu gestalten. Um ihre Attraktivität weiter zu erhöhen, brauchen wir einen zweiten Fußweg.“ Auch die Stadt wolle diese Verbindung ansehnlicher gestalten, so Barth. Das Bauamt sieht das dennoch kritisch. „Gibt es nur noch Fußwege, bekommen wir Probleme mit den Besuchermassen, beispielsweise beim Stadtfest. Dann müssten wir die Straßen für den Autoverkehr sperren“, so ein Sprecher. Erst wenn der Bereich um die Augustusbrücke umgebaut werde, könne man über einen zweiten Fußweg nachdenken.

Widerstand gegen den Vorschlag der Grünen regt sich bei den Linken. Sie wollen den Tunnel unbedingt erhalten. „Er ist ein Stück Architekturgeschichte und sollte für Fußgänger weiter zugänglich sein“, sagt Ortsbeirätin Kristin Hofmann.