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Neustart für den Ökumenischen Domladen

Seit zehn Jahren gibt es in Bautzen den Anlaufpunkt am Dom. In Zukunft sollen dort Menschen mit unterschiedlichen Biografien ins Gespräch kommen.

© Domladen

Von Miriam Schönbach

Bautzen. Der Ökumenische Domladen ist leergeräumt – allerdings nur vorübergehend. Zehn Jahre nach seiner Gründung nimmt sich der dazugehörige Verein eine dreimonatige Auszeit. „Wir wollen zurück zu unseren Anfängen und einen Ort schaffen, wo Christen auf Nichtchristen, Bautzener auf Neubautzener, Touristen auf Einheimische außerhalb der Kirchenbauten treffen können“, sagt Vereinschef Peter-Paul Straube.

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...und lassen Sie sich elektrisieren.

Im April 2008 gründeten Christen den Verein. Sechs Monate später, am 30. Oktober, eröffnete im Schatten des Bautzener Doms St. Petri die Begegnungsstätte. Auf dieses Miteinander soll sich das Angebot an den Fleischbänken mitten im städtischen Leben wieder mehr konzentrieren. „Mithilfe des Buchverkaufs haben wir bislang die wirtschaftliche Grundlage des Ladens und des Vereins gestaltet. Aber unser eigentliches Anliegen ist ja nicht der Buchverkauf. Stattdessen wollen wir wieder mehr zu einer Brücke von der Kirche in die Stadt werden“, sagt Peter-Paul Straube. Über Konfessionen hinweg sollen neue Ideen mit bereits altbekannten Projekten verbunden werden. Denn besonders das Format „Gast im Domladen“ erfreut sich bei den Gästen großer Beliebtheit. „Wir suchen uns dafür immer spannende Menschen, die Christen sind, aber einen ganz weltlichen Beruf haben“, sagt Vorstandsmitglied Bernhard Pech. Zu Gast waren unter anderem schon der Ex-Budissa-Trainer Thomas Hentschel, der erzählte, dass er vor jedem Fußballspiel betet, der ehemalige Volksbank-Vorstand Klaus-Otmar Schneider, aber auch Bautzens oberster Autobahnpolizist Martin Hottinger. Zwischen 15 bis 50 Gäste würden jeweils zum Talk kommen.

Allerdings bleiben für Bernhard Pech auch zwei Wermutstropfen. „Wir leben in einer vom Mittelstand geprägten Region. Trotzdem haben wir bis jetzt keinen Unternehmer gefunden, für den Glaube eine Rolle spielt“, sagt er. Außerdem wünscht er sich mehr junge Leute im Publikum. An die jüngere Generation sollen sich auch neue Angebote richten. Für Krabbelgruppen wie Familienkreise könnte der Domladen Anlaufpunkt werden. Eine katholische Frauengruppe, die bisher mittwochs in einem Flüchtlingsheim mit Kindern spielte, könnte sich künftig mit geflüchteten Frauen in den Räumen zum Plaudern treffen.

Der Hospizverein hat Interesse, dort regelmäßig Gespräche anzubieten. Auch ein Glaubenskurs wäre denkbar. Zum Bautzener Frühling gab es im Domladen eine Weinverkostung mit einem unterhaltsamen Vortrag Wein in der Bibel. „Wir haben noch keinen perfekten Plan, wollen es stattdessen wachsen lassen. Wir merken nur, wenn wir die Tür öffnen, kommen auch Leute herein“, sagt Peter-Paul Straube, Leiter des katholischen Bischof-Benno-Hauses in Schmochtitz. Und Christian Tiede, Pfarrer der evangelischen Kirchgemeinde St. Petri Bautzen, bekräftigt: „In den vergangenen Jahren ist der Laden vor allem Laden gewesen. Begegnungen und Gespräche sind zu sehr in den Hintergrund gerückt. Wir wollen den Schwung vom Anfang wieder aufnehmen.“

Statt der hauptamtlichen Mitarbeiter werden den Domladen nun Ehrenamtliche betreuen. Weiter wird es dort wichtige Informationen zum kirchlichen Leben in der Stadt und in der Region geben. Auch eine kleine Auswahl von hiesigen Regionalverlagen und christlichen Verlagen wird es im Treffpunkt geben. Finanziert wird der Domladen in den kommenden drei Jahren durch das Projekt „Kirche in der Stadt“. „Das macht uns finanziell unabhängig“, sagt Peter-Paul Straube.

Eröffnet werden soll der Domladen am ersten September-Wochenende mit einem Gitarrenkonzert, wenn das neue Altstadtfest in Bautzen gefeiert wird. Am Sonntag darauf will sich der Verein beim Tag des offenen Denkmals beteiligen, der in diesem Jahr unter der Überschrift „Entdecke, was uns verbindet“ steht. Das zehnjährige Bestehen des Domladens wird schließlich am 5. Oktober mit einem Literaturcafé im Dom gefeiert. Gelesen wird dann aus Michael Endes „Momo“. Zur Geschichte von einem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbringt, gibt es improvisierte Orgelmusik – und danach Gespräche.