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Dresden

Neustart für die Luisenhof-Betreiber

Welcher bekannte Investor den Rühles ein neues Heim vermittelte und wie es im Restaurant weitergeht.

Carsten Rühle und seine Frau Carolin Rühle-Marten, die Restaurantbetreiber im Luisenhof, standen nach einem Feuer Ende Juli vor dem Nichts
Carsten Rühle und seine Frau Carolin Rühle-Marten, die Restaurantbetreiber im Luisenhof, standen nach einem Feuer Ende Juli vor dem Nichts © Sven Ellger

Sie standen vor dem Nichts. Das letzte Juli-Wochenende war für das Luisenhof-Betreiber-Ehepaar Carsten und Carolin Rühle eines der schlimmsten in ihrem Leben. Ihr Haus in Wilsdruff war bei einem Feuer komplett ausgebrannt. „Es ist unbewohnbar“, sagte ein hörbar bewegter Carsten Rühle damals am Telefon. Rühle hatte in der Nacht zu Sonntag lange gearbeitet. „Ich war wegen einer Hochzeit im Luisenhof lange unterwegs und erst nach Mitternacht daheim, plötzlich hatte der Fernseher kein Signal mehr“, erzählt er. Als er auf dem Dachboden ankam, sah er das Feuer.

Er habe seine Frau und seine kleine Tochter geweckt und ist aus dem Haus geflüchtet. „Die Feuerwehr war schnell da, konnte aber nicht viel machen“, so der Wirt. Neben dem Wohnhaus der Familie waren Nachbarhäuser in Wilsdruff betroffen. „Uns geht’s allen körperlich gut, alles andere kann man ersetzen.“ Nun, zwei Monate später, kehrt wieder Ruhe ein in das Leben des Ehepaars und der beiden Kinder. „Wir konnten in Herzogswalde unser neues Heim beziehen und fühlen uns dort sehr wohl“, erzählt Rühle.

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Sie wohnen in einer Siedlung, die der Investor Reinhard Saal bauen ließ. Saal ist unter anderem für seine Projekte Herzogin Garten oder den Golfplatz in Herzogswalde bekannt. „Herr Saal hatte von unserem Schicksal in der Zeitung gelesen und sich bei uns gemeldet“, sagt der Restaurantchef. „Ich freue mich über glückliche Mieter und dass ich in der schweren Lage helfen konnte“, sagt Saal. Nun ist der Schulweg für den Nachwuchs der Rühles zwar etwas weiter als vorher in Wilsdruff, aber die Familie hat wieder mehr Platz für sich. Vorher waren die vier bei den Eltern von Carolin Rühle untergekommen. Verursacht wurde das Feuer wahrscheinlich von einem Kabelbrand, die Ermittlungen dauern noch an.

"Die Dresdner nehmen uns an, wie wir sind"

Der Betrieb im Luisenhof lief die ganze Zeit über normal weiter. Nun erweiterten die beiden ihr Restaurant mit einem zusätzlichen Speisesaal. Angeschlossen an den Panoramaraum sind 66 Sitzplätze mehr entstanden. „Wir haben festgestellt, dass uns manchmal eine Zwischengröße fehlt. Für einige Reservierungen ist der Panoramaraum zu groß und der Gesellschaftsraum zu klein. Deshalb fiel gemeinsam mit dem Eigentümer die Entscheidung, das Restaurant auszubauen“, sagt Carsten Rühle, der damit weitere 50.000 Euro investierte. Eingerichtet wurde die neue Fläche im selben Stil wie das im März 2018 nach fast dreijähriger Schließzeit wiedereröffnete Restaurant.

Der Neustart in diesem Jahr ist schon der zweite für die Rühles innerhalb weniger Jahre. Auch der Neuanfang im Traditionshaus war einer im doppelten Sinne. Für den Luisenhof wie für das Paar. Denn das Lokal ist das erste eigene. Er war Betriebsleiter im „Dresden 1900“ am Neumarkt und ist seit über 30 Jahren Gastronom. Sie ist Restaurantfachfrau und war Serviceleiterin bei einer Veranstaltungsagentur.

Anderthalb Jahre sind seitdem vergangen. Die Rühles bemerken, dass eines immer seltener passiert: die Vergleiche mit Vorgänger Armin Schumann. Fast drei Jahre lang war das Restaurant geschlossen, nachdem der ehemalige Betreiber vor der hohen Miete kapituliert hatte. „Die Dresdner nehmen uns aber an, wie wir sind“, sagt Rühle. Denn verändert hat sich doch einiges. „Wir wollen eine moderne Küche anbieten, die Mitarbeiter können sich ruhig austoben“, erklärt Rühle. Genau beim Thema Küche und damit beim Personal wird Rühle dann aber, wie so viele seiner Kollegen, ernst. „Es ist nicht leicht“, sagt er über die Suche nach Mitarbeitern. In allen Dresdner Häusern fehlen Köche und Kellner. Auch Rühles suchen. Drei Azubis konnten sie aber immerhin einstellen.

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Und was wünscht sich das Ehepaar Rühle für die nächste Zeit? Klar, schwarze Zahlen und zufriedene Gäste, aber auch hin und wieder ein paar Momente für sich. „Die ersten Monate war ich sieben Tage die Woche im Laden“, so der Chef. In diesem Jahr buchte seine Frau endlich einen Urlaub, und das Paar genoss die Zeit.